WirtschaftsBlatt-Kommentar Privatvorsorge: Mega-Deal für Börsianer

von Robert Lechner

Wien (OTS) - Es ist soweit: Die 2000-Punkte-Marke bei Österreichs wichtigstem Börse-Index ist geknackt. Die starke Ertragsentwicklung der gelisteten Unternehmen sei dafür verantwortlich, sagen die Börse-Chefs. Die Osteuropa-Fantasie und das Engagement im Boom-Land China helfen mit, sagen die Analysten der Bankhäuser.

Was nicht so gerne hinaus posaunt wird, ist der Kurssteigerungs-Effekt durch die private Zusatzpension. Allein heuer werden weitere 600.000 Österreicher ihre Unterschrift unter einen Zukunftsvorsorge-Vertrag setzen, nachdem im Vorjahr 330.000 solcher Fondssparpläne verkauft wurden. Jeder Vertrag liefert immerhin ein paar Hundert Euro, die direkt in österreichische Aktien investiert werden müssen.

Bei den im internationalen Vergleich oft immer noch relativ niedrigen Tagesumsätzen einzelner Aktien treiben auch geringe Summen die Kurse. Die Gefahr, dass irgendwann nicht mehr in Wien investiert werden darf, ist fast auszuschliessen. Es gibt zwar die Regel, wonach nur an Börsen jener EWR-Länder veranlagt werden darf, wo die Marktkapitalisierung weniger als 30 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Bevor Wien wegen der laufend steigenden Kurse die 30-Prozent-Marke überspringt, wird den Verantwortlichen wohl eine Anpassung dieser Regel einfallen. Dass die Mittelzuflüsse plötzlich abreissen, kann sich die Regierung nicht leisten. Der durch die Pensionsreform ausgelöste Run auf private Zusatzvorsorge wird so zum Mega-Deal für Börsianer - was keineswegs schlecht ist.

Denn für jeden besteht damit die Gewissheit: Wiens Börse kennt nur eine Richtung - nach oben. Verschnaufpausen mit sinkenden Kursen wird es zwar weiterhin geben, sie sollten Investoren aber nicht erschüttern. Denn die Basisnachfrage ist gesichert.

Kluge Rechner sollten sich überlegen, wie sich davon am besten profitieren lässt. Es ist nicht unbedingt nötig, einen Vorsorge-Vertrag zu unterzeichnen. Die Spesen für diese Produkte kosten Performance, die Kapitalgarantie ist auf Grund der langen Laufzeit wenig sinnvoll, und das verwendete Informationsmaterial ist gemäss einer Studie der Universität Wien schlecht und irreführend.

Warum also nicht selbst zum puren Aktionär werden, von der Rally in Wien profitieren und die aufwändigen, spesenfressenden Produkte einfach links liegen lassen? Die Aktionärs-Kultur in Österreich könnte auch so gestärkt werden.

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