Die ORF-Telefonhilfe "147 - Rat auf Draht" gibt Tipps für den Umgang mit Zeugnissen

Keine Panik bei "Nicht genügend"!

Wien (OTS) - Heute ist Schulschluss in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland, die anderen Bundesländer folgen, und damit auch die Zeugnisvergabe. Das bedeutet für die Berater von "147 - Rat auf Draht" wieder Hochbetrieb. Allein im Vorjahr haben die geschulten Telefonmitarbeiter - Psychologen, Psychotherapeuten, Lebens- und Sozialberater - allein 5.324 Beratungen zum Dauerthema Schule durchgeführt, davon 1.470 wegen schlechter Noten. Das waren doppelt so viele wie im Jahr 2002. Die Experten der ORF-Telefonhotline stehen rund um die Uhr allen Hilfesuchenden mit vielen Tipps und Know-how zur Seite - übrigens nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern auch Eltern und anderen Erwachsenen.

Schlechte Noten sagen nichts über den Wert eines Menschen aus

Schlechte Schulnoten sind noch lange kein Grund, den Mut zu verlieren, und oft ist eine Situation gar nicht so ausweglos wie es scheint. Schulerfolg ist wichtig, aber nicht alles im Leben. Negative Noten bedeuten keinen Weltuntergang, denn sie sagen nichts über den Wert eines Menschen aus, sondern lediglich über seine Leistungen in einzelnen Gegenständen - auch bei einem negativen Jahresabschluss: Es gibt immer einen Ausweg, zumeist sogar mehrere. Auch bei einer Nachprüfung im Herbst kann man die Ferien genießen! Wichtig ist es, angstfrei miteinander reden zu können und gemeinsam Perspektiven zu finden!

Expertentipps von "147 - Rat auf Draht" zur Zeugnisvergabe

Eine Mutter erzählt: "Zuerst sehe ich mir das Zeugnis oder die Schulnachricht meines Sohnes einmal in aller Ruhe allein an, später gemeinsam mit meinem Mann. Erst dann gehe ich es Note für Note mit meinem Sohn selbst durch. Ich lobe ihn für die guten Noten und bei den schwächeren frage ich nach, warum es in diesen Fächern nicht so gut gelaufen ist." Auch das ist eine Möglichkeit, auf Noten zu reagieren - vor allem eine, die sowohl Eltern als auch Kindern unnötigen Stress und Streit erspart.

Viele Eltern reagieren intuitiv richtig. Manchmal ist es aber auch für sie schwierig, mit dem Zeugnis und vor allem mit den schlechten Noten ihrer Kinder umzugehen.

Psychologen raten, es dieses Jahr auf diese Art zu versuchen: Zuerst nur das Zeugnis entgegennehmen und in Ruhe durchsehen. Bei Enttäuschungen oder Wut ein wenig Zeit vergehen lassen. Denken Sie auch über Ihre eigene Reaktion nach. Nicht schimpfen oder strafen. Schlechte Noten sind für Kinder schon Strafe genug. Bedenken Sie, was Sie bei Ihrem Kind auslösen, wenn Sie dem noch eines draufsetzen. Strafen nehmen Kindern nur den Mut. Vor allem machen Strafen Kindern Angst, die dann wiederum beim Lernen behindert und unter Umständen Panikreaktionen auslösen kann. Besprechen Sie mit Ihrem Kind die Noten durch. So erfahren Sie mögliche Ursachen für Schwierigkeiten in bestimmten Fächern.

Alle Noten besprechen. Auch Leistungen im Singen und Turnen sind eine Erwähnung wert. Loben Sie Ihr Kind für gute Noten. Gute Noten sind niemals selbstverständlich, auch nicht bei sehr guten Schülerinnen und Schülern. Bieten Sie Hilfestellung an! Damit zeigen Sie Ihrem Kind, dass es nicht allein ist und sich auch in schwierigen Situationen an Sie wenden kann.

Sehen Sie nicht nur die Note, sondern die Anstrengung dahinter. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass schlechte Noten nicht unbedingt wenig Anstrengung bedeuten. Noch ein Tipp für das nächste Schuljahr: Verfolgen Sie schon von Beginn an die schulischen Leistungen ihres Kindes. So vermeiden Sie Überraschungen am Ende des Schuljahres und können Ihrem Kind schon viel früher helfen, schlechte Noten zu vermeiden.

"Wie sag' ich's meinen Eltern?"

Die Erfahrungen der "147 - Rat auf Draht"-Mitarbeiter zeigen, dass die meisten Gespräche der Hilfe suchenden Kinder und Jugendlichen bei schlechten Noten vor allem von der Angst vor der Reaktion der Eltern geprägt sind. Viele fürchten negative Konsequenzen wie Schläge, Strafen, Hausarrest - die Angst der Kinder geht dabei manchmal so weit, dass sie in Panik geraten und überlegen, deswegen von zu Hause auszureißen, oder sogar Suizidgedanken äußern.

Deshalb raten die Experten allen Eltern, sich an die eigene Schulzeit zurückzuerinnern: Wie ist es Ihnen gegangen, wenn Sie mit einem schlechten Zeugnis nach Hause gekommen sind? Ersparen Sie sich und ihren Kindern unnötige Belastungen in dieser ohnehin nicht immer einfachen Situation.

Die ORF-Telefonhilfe versteht sich dabei auch als Drehscheibe zu allen öffentlichen Fachberatungsstellen und verfügt über sämtliche wichtigen Telefonnummern und Adressen. Die geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind den Rat Suchenden auf Wunsch auch dabei behilflich, den Kontakt, etwa zu den schulpsychologischen Diensten, herzustellen.

"Rat auf Draht" - die ORF-Telefonhilfe und -Notrufnummer für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen, ist anonym, rund um die Uhr und zum Nulltarif unter der österreichweiten Notrufnummer 147 aus jedem Bundesland direkt und ohne Vorwahl erreichbar.

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