Dokumentation von ORF-Werbeverstößen für Klubchefs

VÖZ drängt auf raschen KommAustria-Beschluss

Wien (OTS) - Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) drängt auf eine rasche Verabschiedung der Mediengesetze mit der KommAustria-Novelle durch den Nationalrat. Um die Dringlichkeit eines baldigen Beschlusses zu untermauern, übermittelte der VÖZ am Freitag in einem Schreiben an die Klubobmänner der im Nationalrat vertretenen Parteien auch eine Dokumentation von Fällen der letzten Zeit, mit denen der ORF im Fernsehbereich aus VÖZ-Sicht eklatant gegen die geltenden Werbebestimmungen verstoßen hat.

Der Verband erinnert in diesem Brief daran, dass er sich in den letzten Monaten intensiv mit der Frage der Einhaltung der Werbebestimmungen gemäß ORF-Gesetz und den vom ORF sich selbst gegebenen Richtlinien befasst hat. In einer Reihe von Gesprächen im Rahmen einer Schlichtungsvereinbarung habe der VÖZ gegenüber dem ORF Verstöße zur Sprache gebracht und auf die Abstellung dieser Missstände gedrängt. Vor allem aber auch angesichts der Tatsache, dass dabei nur geringe Fortschritte erzielt wurden, habe der VÖZ die Schlichtungsvereinbarung gekündigt.

Wörtlich heißt es im Brief an die Klubobmänner: "Unsere fortgesetzte Beobachtung des Werbeverhaltens des ORF im Fernsehbereich hat erneut gezeigt, dass wieder eine Reihe von Verstößen gegen die Werbebestimmungen festzustellen sind. Wir bringen Ihnen diese Fälle zur Kenntnis und knüpfen daran das dringende Ersuchen, die nun schon eine geraume Zeit diskutierte Novelle zum KommAustria-Gesetz (ebenso wie die Novellen zu den
Rundfunkgesetzen) im Parlament so rasch wie möglich zu verabschieden, da die fortgesetzten Verstöße nicht nur ein offensichtliches Zuwiderhandeln gegen ein bestehendes Gesetz darstellen, sondern auch zu erheblichen Wettbewerbsbeeinträchtigungen auf dem Werbemarkt führen. Gerade die neuerlich festgestellten Verstöße zeigen, dass ein rasches Handeln geboten ist, damit die KommAustria im Fall einer positiven Verabschiedung der Novelle ihre Aufgabe des Monitorings und gegebenenfalls ihr Anzeigerecht an den Bundeskommunikationssenat wahrnehmen kann."

Schleichende Vermengung von ORF-Programm und kommerziellen Inhalten

Die Dokumentation umfasst eine stichprobenartige Beobachtung und Auswertung des Werbegeschehens im ORF-Fernsehen in der letzten Maiwoche sowie der ersten Juniwoche, die gezeigt hat, dass in den beiden ORF-Fernsehprogrammen kommerzielle Werbung nach wie vor außerhalb der Werbeblöcke geschaltet wird. Das führt zur Ausweitung des an sich schon sehr hohen Werbevolumens im öffentlichen Fernsehen (an manchen Tagen bis zu 90 Minuten TV-Spotwerbung in beiden Kanälen), untergräbt die Chancen der Mitbewerber am Werbemarkt und verringert die Möglichkeiten für mehr Programmvielfalt. Zugleich fördert die schleichende Vermengung von Programm und kommerziellen Inhalten die Tendenz zur Kommerzialisierung des Programms.

Praktisch zeigt sich die Werbung außerhalb der Werbeblöcke im verstärkten Einsatz von Gewinnspielen, in wiederholten Sponsorhinweisen in Programmtrailern für Veranstaltungen, in Unterbrecherwerbung bei Sportübertragungen, Product Placements in Kochsendungen und in werbefinanzierten Programmelementen (z.B. Seitenblicke Holiday).

Die Eier-Panne in Frisch gekocht

Bezeichnend für derartige Product Placements ist die Eier-Panne in der Sendung Frisch gekocht. In der Regel steht eine Schachtel "Toni’s Freilandeier" lange auf dem Tisch und die Kamera zoomt darauf (ca. 10 Sekunden). Aus der Schachtel selbst werden keine Eier entnommen, diese steht als Attrappe für Werbezwecke da. Ein Zwischenfall in der Frisch gekocht-Sendung am 1. Juni weist nämlich darauf hin, dass es sich bei dieser Schachtel wirklich nur um eine Attrappe handelt: Als die Köchin in der laufenden Sendung Eier aus der Schachtel nehmen wollte, waren keine drinnen und der Moderator musste dann die Eier aus dem Kühlschrank holen. Das ist verbotenes Product Placement. Ebenso sind in der täglichen Sendung immer wieder Produkte der Firma WMF - Kochtöpfe, Pfeffermühle etc. groß im Bild.

"Alle Neune" - exzessiver Einsatz werblicher Gewinnspiele

Obwohl es angesichts der Product-Placement-Regeln des ORF-Gesetzes unklar ist, wie weit der ORF überhaupt Gewinnspiele als Mittel zur Werbefinanzierung einsetzen darf - jedenfalls wird dies nur in engen redaktionellen Grenzen und im unmittelbaren Zusammenhang mit der jeweiligen Sendung zulässig sein - setzt der ORF exzessiv werbliche Gewinnspiele ein, etwa regelmäßig im Zusammenhang mit der Sendung "Willkommen Österreich" in ORF 2.

Am 26. Mai 2004 wurden dort um 18:43 Uhr am Ende der Sendung die neun Preise der beiden Zuschauerspiele der laufenden Woche in kurzen Spots werblich vorgestellt (WMF-Kochgeschirr, Jacques Lemans-Armbanduhren, Gardena Turbotrimmer, Faszination Strom -Gutschein der E-Wirtschaft, Grundmann-Türenbeschläge, Do-it-yourself-Package für Heimwerker von Henkel, Waschautomat von Siemens, ein Gutschein von Gärtnern und Floristen, Vorhangstangen von Wohnunion-Partner Fetz in Anger). Von den neun Preisen werden pro Sendung tatsächlich aber jeweils nur zwei in den Zuschauerwettbewerben vergeben. Die bildliche Präsentation wird durch einen Kommentar begleitet, der dieses Produkt und den Sponsor nennt und z.T. die Eigenschaft des Produkts hervorhebt (bei WMF, Lemans). Auch der Wert des Preises wird jeweils eingeblendet.

Diese werbliche Präsentation geht über die Grenzen einer redaktionell gerechtfertigten Sachinformation über den Preis/den Sponsor hinaus, wäre daher zu kennzeichnen und auf die Werbezeit anzurechnen (Verletzung des Product-Placement-Verbots; nach Pkt. 4.2. der ORF-Werberichtlinien ist bei der Präsentation von Gewinnpreisen jeder werbliche Effekt zu vermeiden und darf die Nennung des Preises / des Sponsors nur zur Information der Konsumenten über den Preis dienen).

(Die ausführliche Dokumentation finden Sie als PDF-Dokument auf unserer Homepage http://www.voez.at).

Rückfragen & Kontakt:

Verband Österreichischer Zeitungen
Hannes Schopf, Tel. 01 / 533 79 79-419

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