Gusenbauer: Plädoyer für eine neue Schule

"Schule kann anders, besser funktionieren"

Wien (SK) Ein "Plädoyer für eine neue Schule", eine Ganztagsschule nach dem Motto "Zu Hause in der Schule", die eine vernünftige Durchmischung von Unterrichts- und Freizeitblöcken ermöglicht, die die Leistungsfähigkeit erhöht, Förderung der Einzelnen möglich macht und Chancengleichheit schafft, hält SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer anlässlich des zu Ende gehenden Schuljahres. In einem Kommentar auf seiner Homepage www.alfred-gusenbauer.at erläutert der SPÖ-Chef die Vorteile des SPÖ-Schul-Modells, die sich für SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern ergeben würden. "Wer die Vorteile der Ganztagsschule leugnet, entzieht unseren Kindern Entfaltungsmöglichkeiten und verhindert Chancen. Die SPÖ wird ihren Weg weitergehen und beim kommenden Bundesparteitag im Herbst ein umfassendes Bildungsprogramm präsentieren. 100.000 Ganztagsschulplätze in den nächsten zehn Jahren - diesen Plan wollen wir verwirklichen. Wir sind der festen Überzeugung, dass Schule anders, besser funktionieren kann", so Gusenbauer. ****

Der SPÖ-Vorsitzende appelliert an alle, in der Bildungsdiskussion "endlich die ideologischen Scheuklappen" abzulegen: nur mehr einige wenige würden mit dem Begriff "Ganztagsschule" Einheitsbrei und Überpädagogisierung verbinden, tatsächlich sei das SPÖ-Modell aber ein völlig anderes und beruhe auf Freiwilligkeit. So sei es die pädagogisch vernünftigste Variante, denn es gebe keinen gedrängten Stundenplan, sondern eine abwechslungsreiche Durchmischung von Unterrichts- und Freizeiteinheiten - verteilt von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr an fünf Tagen in der Woche. Schule, wie die SPÖ sie sich wünscht, erhöhe die Leistungsfähigkeit, denn auf die Stärken und Schwächen der Einzelnen könne optimal eingegangen werden und besondere Begabungen könnten frühzeitig erkannt werden. Die "Schule der Zukunft" schaffe außerdem Chancengleichheit: "Es ist unerheblich, ob das Kind zu Hause einen PC hat oder nicht. Unterschiede aufgrund der sozialen Herkunft werden in dieser Schule, wie ich sie mir wünsche, nicht verstärkt, sondern ausgeglichen", so Gusenbauer.

Es sei bereits hinlänglich bekannt, dass das Modell der Ganztagsschule ein international erprobtes und bewährtes sei und in Ländern wie England, Frankreich und Holland nicht mehr wegzudenken sei. Es sei das Erfolgsmodell schlechthin, wie PISA-Sieger Finnland bewiesen habe. "Dort wird weniger über Leistung gesprochen, sondern hohe Leistungen werden erzielt, und zwar weil die Besonderheit jedes Kindes geachtet wird", so der SPÖ-Vorsitzende, der betont, dass das Geheimnis des Erfolges sei, frühzeitige Selektion zu vermeiden und die Einzelnen zu fördern. "Es ist auch eine Frage der Kultur: Dass Leistung und soziale Verantwortung kein Gegensatz sind, kann nicht früh genug vermittelt werden. Um die Schwächeren fördern zu können, brauchen wir die Leistungen der Starken. Diese Regierung schafft es aber nicht, Leistungsschwache zu stärken, sondern erreicht nur, dass Leistungsstarke Mittelmaß sind", so Gusenbauer.

Für den SPÖ-Vorsitzenden ist der pädagogische Aspekt des Modells der zweifelsfrei wichtigste, denn Ganztagsangebote würden mehr methodische, lerndidaktische und erzieherische Chancen bieten. "Kinder und Jugendliche lernen, in Zusammenhängen zu denken -vielleicht sogar früher und besser als so mancher konservativer Politiker in unserem Land." Die Ganztagsschule habe aber auch eine wichtige soziale Dimension, denn dort könne soziales Lernen gelebt werden. Gerade in Zeiten, in denen die geschrumpfte Kleinfamilie überwiege, liege die Zukunft in der Extension der Familie. Neue soziale Netze müssten gespannt werden, die Familie sei dabei eine von vielen wichtigen Stationen auf dem Weg ins Leben. Schule sei aber auch deshalb ein ganz zentraler Lebensraum der Kinder, weil den Schulen ohnehin längst immer mehr Aufgaben übertragen wurden - z.B. Unterricht, Erziehung, Suchtprävention und Gewaltvermeidung. "Keine Frage, dass dieses Pensum nicht in fünf Stunden am Tag bewältigt werden kann."

Mittags schließt der Staat

Schule, so Gusenbauer weiter, habe aber auch umgekehrt immense Auswirkungen auf die familiäre Situation. In immer mehr Familien würden beide Elternteile arbeiten, Frauen wollen eigenständig sein -"auch wenn seitens der Regierung alles getan wird, um dies zu verhindern". Auf diese Situation werde viel zu wenig Rücksicht genommen. Für Gusenbauer mutet es "absurd" an, dass die Ladenöffnungszeiten rasch und ohne Rücksicht auf Verluste an die Arbeitszeiten und Gewohnheiten der Menschen angepasst wurden, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen aber weitgehend unbeeindruckt davon um 13 Uhr sperren. "Mittags schließt der Staat. Für Kinder und Eltern ein untragbarer Zustand", betonte der SPÖ-Vorsitzende und wies darauf hin, dass die Ganztagsschule ein ausgewogenes Programm bis 16.30 Uhr biete, ab dann gebe es echte Freizeit, die mit Freunden und der Familie verbracht werden könne. Frauen würden sich durch die ganztägige Betreuung der Kinder völlig neue Chancen eröffnen, ihr Leben zu gestalten und ins Berufsleben (wieder)einzusteigen. Auch aus Kostengründen könne dieses Modell nicht abgelehnt werden, denn laut einer Analyse der AK finanziere sich die Ganztagsschule selbst und belebe zudem die Volkswirtschaft.

Neue Häuser für die Zukunft

Für den SPÖ-Vorsitzenden liegt auf der Hand, dass die Schulen der Zukunft auch architektonisch anders aussehen müssten als heute. Es seien nicht nur Klassenräume notwendig, sondern auch eine Küche, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Ruheräume und Platz zum Austoben. Eine Adaptierung der Gebäude koste natürlich Geld. "Die SPÖ schlägt vor, den Schulen 100 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung zu stellen, bis die notwendigen baulichen Veränderungen abgeschlossen sind."

Gusenbauer ist überzeugt, dass ein moderner, über den ganzen Tag verteilter Unterricht auch den LehrerInnen extrem entgegenkommen würde. Ein Arbeitsplatz mit moderner technischer Ausstattung, mehr Zeit für Vorbereitungen, flexiblere Arbeitsteilung mit den KollegInnen, verstärkte Teamarbeit und natürlich der engere Kontakt zu den Kindern seien einige der Vorteile. "Selbstverständlich ist für mich auch, dass den Lehrerinnen und Lehrern jene Mehrstunden, die über ihrer Lehrverpflichtung liegen, finanziell abgegolten werden", so der SPÖ-Chef abschließend. (Schluss) cs

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0003