Akademie der Wissenschaften: Stellungnahme zu Reformempfehlungen

Betrifft: Forschungsrat soll Reformen für Akademie der Wissenschaften empfehlen

Wien (OTS) - In einem der APA gewährten Interview sprach der Stellvertretende Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE), Prof. Günther BONN, von Gründen, die seiner Meinung nach eine Reform der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) rechtfertigen würden. Er nannte sie jedoch nicht. Anstatt dessen warf er einige Fragen auf, die nur dann Anhaltspunkte für die behauptete Reformbedürftigkeit der Akademie bieten, wenn die Antworten aufgrund vorgefasster Meinungen bereits vorliegen.

Ohne dass es dazu Zurufe von außen bedurft hätte, ist die ÖAW stets bemüht gewesen, ihre Organisation den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Das ist unter anderem durch zahlreiche Revisionen der Satzung - die letzte davon am 26. April 2002 - belegt. Gültigkeit erlangt die Satzung laut Akademiegesetz übrigens erst nach Bestätigung durch den Bundespräsidenten.

In ihrem satzungsmäßigen Wirkungskreis ist die ÖAW von den Bundes-und Landesbehörden unabhängig. Sie ist nur der Wissenschaft verpflichtet. Die indirekte Einmahnung von Reformen mit dem Hinweis darauf, dass "nichts von oben" verordnet werde, ist daher unangebracht.

"Von oben" erfolgt jedoch die Zuteilung der aus Steuergeldern stammenden finanziellen Mittel, die die ÖAW benötigt, um " ... die Wissenschaft in jeder Hinsicht zu fördern", wie ihr gesetzlicher Auftrag lautet. Die Akademie stellt eine vorbildliche Synthese von Gelehrtengesellschaft und Trägerin von Forschungseinrichtungen dar, um die man Österreich im Ausland beneidet. Sie anerkennt die Bemühungen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK) und des RFTE, ihren gewiss nicht unerheblichen Finanzbedarf bestmöglich zu decken.

Den überwiegenden Anteil der Geldmittel, die der Akademie zur Verfügung stehen, wendet sie für ihre Forschungseinrichtungen auf. In den letzten Jahren hat die ÖAW mehrere bedeutende Institute und Forschungsstellen gegründet bzw. ausgebaut, wie etwa das Institut für Molekulare Biotechnologie, das Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie, das Forschungszentrum für Molekulare Medizin, das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, das Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics, das Institut für Iranistik, das Institut für Demographie, die Forschungsstelle für Integrierte Sensorsysteme, das Institut für Europäische Integrationsforschung und die Forschungsstelle für Europäisches Schadenersatzrecht. Bei diesen Gründungen war die Akademie um Komplementarität zu universitären Einrichtungen, mitunter jedoch alternativ um Verstärkung von einschlägiger Kapazität im universitären Umfeld bemüht. Ein großes Anliegen ist der ÖAW die Gewinnung hervorragender DirektorInnen für ihre Forschungsinstitutionen. Diese Einrichtungen tragen wesentlich zum Ansehen Österreichs als Land der Wissenschaften bei. Sie bieten nicht zuletzt begabten NachwuchsforscherInnen die Möglichkeit für eine wissenschaftliche Karriere.

Hätte die Akademie die Initiative zur Gründung dieser Forschungseinrichtungen nicht ergriffen, dann gäbe es mehrere hundert einschlägige Arbeitsplätze für hochbegabte junge WissenschaftlerInnen, die sich zumindest für einige Zeit ausschließlich der Forschung widmen wollen, nicht. Die in diesen Forschungsinstitutionen behandelten Forschungsthemen sind höchst aktuell und entsprechen internationalen Trends in der Forschung. Die Schwerpunktsetzungen der ÖAW sind wohl bekannt. Bekannt ist auch, dass die Akademie seit langem erfolgreich mit heimischen Universitäten kooperiert.

Mit dem von Prof. BONN erwähnten neuen Universitätsgesetz hat der Gesetzgeber Eines sicherlich nicht bezweckt: die Kultivierung von Rivalitäten zwischen Universitäten und Akademie. In Zeiten, in denen es auf Bündelung und Clusterbildung ankommt, sollte man daher dieses Gesetz nicht als Vorwand für Überlegungen verwenden, die dazu angetan sind, das gute Einvernehmen zwischen Universitäten und Akademie nachhaltig zu stören.

Die ÖAW begrüßt den "positiven Dialog" mit dem RFTE, der nach einigen Irritationen in Gang gesetzt wurde. Die Maxime, "wer zahlt, schafft an" sollte in einem solchen Dialog jedoch nicht im Vordergrund stehen.

Prof. Herbert Mang Präsident der ÖAW

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