Zukunftswerkstätte und SPÖ-Parlamentsfraktion veranstalten "Constructions - vom Leben in modernen Welten" (2)

Süssmuth, Cap und Liessmann diskutieren über den "Supermarkt der Weltanschauungen"

Wien (SK) Bei einem weiteren Teil der von der Zukunfts- und Kulturwerkstätte gemeinsam mit dem SPÖ-Parlamentsklub veranstalteten "Sommerwerkstatt" mit dem Thema "Constructions - Vom Leben in modernen Welten" am Freitag diskutierten die Teilnehmer über den "Supermarkt der Weltanschauungen". Das Impulsreferat lieferte Rita Süssmuth (Präsidentin des dt. Bundestags a. D.), die ein Plädoyer für das Zulassen und Praktizieren von Pluralitäten hielt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Peter Pekinka (Chefredakteur News); es diskutierten der gf. SPÖ-Klubobmann Josef Cap, Konrad Paul Liessmann (Inst. f. Philosophie, Universität Wien) und Roman Braun (NLP-Master-Trainer).****

Süssmuth stellte die grundsätzliche Frage, ob es nicht auch andere Bereiche als den Markt geben könne, zum Beispiel eine Kultur, in der Menschen miteinander leben und einander wertschätzen, "ohne sich gegenseitig um den Hals zu fallen". Für sie stellen heute NGOs "Ideengeber" dar. Süssmuth hielt fest, dass es nach dem 11. September verstärkt zu neuen "Feindbildern" kam. Dieser Bereich sei mit "größter Sorgfalt" anzugehen, so Süssmuth. Sie hielt fest, dass die Frage der Weltanschauungen und Religionen in der Welt größere Bedeutung habe, als wir lange zugeben wollten.

Süssmuth ortete in vielen Bereichen einen Rückschritt in Richtung Nationalstaat und Nationalismus, auch im erweiterten Europa. Sie sieht diese Tatsache als Antwort auf die Globalisierung: "Das zeigt, wie wenig wir auf die Globalisierung vorbereitet sind. Globalisierung erfordert mehr Politik als je zuvor". Abgrenzung bringe die Menschen nicht nach vorne, weder im Irak-Konflikt, noch in Afghanistan, noch sonst irgendwo auf der Welt. Eine positive Entwicklung im Rahmen der Globalisierung sieht Süssmuth in der Möglichkeit, neue Solidarität zu entwickeln: "Nur wenn wir wieder neue Solidarität entwickeln, werden wir überleben. Wenn wir uns dafür nicht öffnen, begrenzen wir uns selbst im Negativen." Das Positive an der Globalisierung sei die Möglichkeit der Bereicherung.

"Ich wünsche mir, dass wir in unserer Gesellschaft wieder mehr die Fähigkeit miteinander entwickeln, reden und schweigen zu können, temperamentvoll und leise zu sein, nach außen und nach innen zu schauen", unterstrich Süssmuth.

"Beliebigkeit, Schnelligkeit und Kurzzeitigkeit kennt man auch aus der politischen Praxis", sagte Cap. In der heutigen Zeit, wo Parteienzugehörigkeiten nicht mehr eindeutig seien, versuche die Politik, den Menschen ein Angebot zu machen. Die Zeit sei schwierig, unterstrich Cap und verwies auf die Rolle der Medien, die heute stärker den je kommentieren und Bilder schaffen würden. Er zitierte Karl Valentin: "Früher war die Zukunft auch schon mal besser", Carlo Maria Martini: "Man muss Vertrauen in die Zukunft haben" und Albert Camus "Wir müssen uns Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen". Die Frage sei immer, was man aus dem Leben, in das man geworfen wurde, mache, so Cap. Camus liefere zwar einen "minimalistischen Ansatz", aber wenn man das, was man macht, gescheit macht, dann sei es bereits sehr viel, so Cap.

Für Liessmann haben politische Ideologien "ausgedient", er ortete eine verstärkte Sinnsuche in religiösen Formen. Durch die Globalisierung sei es zu einer vermehrten Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Religionen gekommen, so Liessmann, der von einem "Supermarkt der Religionen sprach". Auch er betonte, dass die Globalisierung nicht prognostizierbar war: "Sie braucht ein höchstes Maß an Politik." Für ihn, Liessmann, gibt es zwei Möglichkeiten:
"Entweder wir wollen autonome Individuen sein, unendlich offen und unendlich einsam, oder aber, wir bilden solidarische Gemeinschaften." Ohne diesen verbindlichen und gemeinschaftlichen "Kitt", werde es nicht gehen, dieser bedinge aber auch ein gewisses Maß an Abgrenzung, unterstrich Liessmann. (Schluss) sk

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