Zukunftswerkstätte und SPÖ-Parlamentsfraktion veranstalten "Constructions - vom Leben in modernen Welten" (1)

Gross, Knoll und Menasse diskutieren über "Consumer Values"

Wien (SK) Unter dem Titel "Constructions - Vom Leben in modernen Welten" veranstaltete die Zukunfts- und Kulturwerkstätte gemeinsam mit dem SPÖ-Parlamentsklub am Freitag die diesjährige "Sommerwerkstatt". Im Mittelpunkt der Diskussion "Consumer Values" stand der Mensch und sein Versuch, sich in einer Welt, die durch ein breites Warenangebot gekennzeichnet ist, zu positionieren. Das Impulsreferat hielt Peter Gross (Universität St. Gallen, Fachbereich Soziologie); es diskutierten Gertraud Knoll (Leiterin der Zukunfts-und Kulturwerkstätte), Martina Nowak und Petra Pawliska (Designerinnen, art point) und Peter Menasse (Geschäftsführer der Kommunikationsagentur "communication matters" Wien). Moderiert wurde die Veranstaltung von Elfi Oberhuber (DIVA - Kultur). ****

Peter Gross beschreibt in seinem Buch "Die Multioptionsgesellschaft" eine "Leseart der Gesellschaft". Die westliche Gesellschaft, so Gross, befinde sich in einer "krassen Vorwärtsbewegung", der moderne Mensch habe beschlossen, sich aus Gewissheiten herauszubewegen und sich zu emanzipieren. Nun versuche der Mensch, das was man Fortschritt nennt, mit neuen Möglichkeiten zu realisieren und sieht sich einer Fülle von Wahlmöglichkeiten konfrontiert. Sobald eine Möglichkeit erreicht sei, eröffnen sich wieder neue Horizonte, die Zukunft sei ungewisser, je mehr neue Dinge wir herstellen: "Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt", betonte Gross.

Die Folgen dieser Vorwärtsbewegung sind nach Gross folgende:
Entweder, der Mensch drängt immer weiter nach vorne, oder er fällt wieder zurück, oder aber, er erkennt die Notwendigkeit einer "Formung": "Wir müssen uns überlegen, wie wir uns und die Welt in eine neue Form bringen". "Wir sind gezwungen, Ordnung zu erzeugen", betonte Gross. In jeder Ebene des menschlichen Daseins werde vom Menschen selbst andauernd Ordnung erzeugt, sei es in der Trivial-, sei es in der Pop- und High-Culture-Kultur. Es sei wichtig, zu lernen, so Gross, dass sich "das Ich mehr als je mit sich selbst befassen muss. Es muss sich fragen, was es will, kann, wie es seine Beziehungen definieren und seine sozialen Netze aufbauen will", unterstrich Gross. Auch Politik müsse, um die Menschen zu bewegen, Schlüsselkonzepte entwickeln, den Bürger nicht "beschnorren", sondern vielmehr heraushören, was los ist, zeigte sich Gross überzeugt.

Auch Knoll sprach von einer "unglaublichen Dichte an Pluralitäten". Positionierungen würden oft auch mit dem Budget zusammenhängen, weshalb viele Menschen keine Wahlfreiheit besäßen, betonte Knoll. "Wir Menschen sind mehr als Konsumenten", so Knoll. Sie verwies auf die Wichtigkeit, bereits Kindern begreiflich zu machen, "nein sagen" zu können.

"Eine Partei ist schlecht beraten, bei jeglicher Form von Wettbewerb mitzumachen", sagte Knoll. Politik und Glaubwürdigkeit in der Politik müssen wieder gewonnen werden: "Die Vision einer gerechten Welt ist möglich", machte Knoll klar. "Was nicht gebraucht ist, ist ein Wettbewerb auf Showbasis, gefragt ist der seriöse Wettbewerb, der auf Ideen basiert", betonte Knoll. Modernes Politikverständnis dürfe nicht von hierarchischem Denken entworfen werden. Für Knoll ist jetzt die Zeit da, in der es gelte völlig neue Netzwerke zu spinnen. Eine Veranstaltung wie "Constructions" sei ein Beitrag zur Entwicklung des politischen Diskurses.

"Für die Politik ist es wichtig, zu überlegen, ob sie sich in der Ebene der Orientierung bewegt, oder den Weg der Produkte geht", so Menasse. Was gebraucht werde, sei ein erkennbares "Metagebäude". Politik müsse sich auf die Orientierungsebene beziehen und nicht auf die Produktebene. Die Politik müsse den Menschen sagen, wofür sie steht, und wo die anderen stehen. (Schluss) sk

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