Imagekampagne für die Pflegeberufe und wo sollen die Interessenten alle hin?

Berufsverband der Pflegeberufe (ÖGKV) vermisst wesentliche Strukturanpassungen

Wien (OTS) - Seit Beginn dieser Woche läuft bundesweit eine Imagekampagne für die Pflegeberufe. Dies wird vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) und den PflegedirektorInnen Österreichs grundsätzlich als positiv gesehen, obwohl es völlig unverständlich ist, warum der ÖGKV als die standespolitische Vertretung der Gesundheits- und Pflegeberufe nicht eingebunden wurde.

Unverständlich ist darüber hinaus, warum diese Imagekampagne zu einem Zeitpunkt stattfindet, wo in den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen die Aufnahmegespräche abgeschlossen sind und die nächsten Bewerbungsgespräche erst wieder im Frühjahr 2005 stattfinden. Wohin wenden sich Interessierte? Wer hat den Ausbildungsauftrag? Wurden die Länder in diese Kampagne eingebunden und stehen Ausbildungsplätze zur Verfügung? - viele Fragen, über die dem Berufsverband und den PflegedirektorInnen keine Informationen vorliegen. Auch auf der im Zusammenhang mit der Imagekampagne vorgestellten Website gibt es zu derlei pragmatischen und für Interessenten brennenden Fragen keinerlei Informationen.

Bundesministerin Maria Rauch-Kallat kündigte eine "Fachschule für Gesundheits- und Sozialberufe" an. Diese soll die Pflichtschulabgänger auffangen und in drei Jahren für einen Gesundheits- oder Sozialberuf vorbereiten. An die Fachschule kann beispielsweise die 3-jährige Pflege-Diplomausbildung angeschlossen werden. Also: 4 Jahre Volksschule, 4 Jahre Hauptschule, 3 Jahre Fachschule, 3 Jahre Diplomausbildung - in Summe 14 Jahre, aber, und das ist der Punkt den der Berufsverband seit Jahren vehement kritisiert: trotzdem noch immer keine Matura!

Es ist völlig unverständlich, warum die Hochschulreife im Gegensatz zu diversen anderen Berufen (KindergärtnerIn, Bürokauffrau/mann u.a.) ausgerechnet den Gesundheits- und Pflegeberufen verwehrt wird - völlig unverständlich aus berufspolitischer Sicht, aus frauenpolitischer Sicht und aus bildungspolitischer Sicht. Wer auch immer den Weg bis zur Matura nicht gehen kann oder will, kann mit dem Abschluss der Pflegehilfe im Beruf aktiv sein.

Eine Imagekampagne allein ist zu wenig um die Attraktivität der Gesundheits- und Pflegeberufe tatsächlich zu steigern. Dringend angepasst müssen auch die vielfach von der Berufsgruppe selbst als "Ausstiegskriterien" genannten Bedingengen werden, wie: Entlohnung, Arbeitszeit, Überlastung, Personalknappheit und fehlende Karrieremöglichkeiten.

Der gezeigte Werbespot im Fernsehen ist in vielerlei Hinsicht zu hinterfragen, da er zum einen nicht den Gesundheits- und Krankenpflegeberuf darstellt und zum anderen ein Grundelement der Gesundheits- und Krankenpflege, nämlich die Wahrung der Menschenwürde, die ausdrücklich die Selbstbestimmtheit der zu betreuenden Menschen berücksichtigt, vermissen lässt.

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband ist der Berufsverband aller Pflegeberufe Österreichs. Er ist unabhängig, überparteilich und interkonfessionell.

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