Forschung in Österreich: "Richtung ist wichtiger als Quote"

"Wettlauf" um Geld aus Brüssel - Kompetenzzentren unterstützen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft - Akkordiertes Vorgehen soll "Standort Europa" stärken

Wien (OTS) - "Forschung gehört schon fast zum Standardrepertoire politischer Sonntagsreden. Es ist unheimlich populär, lauthals Forderungen zu stellen und mit Prozentsätzen - wie beim BIP-Anteil -zu jonglieren. Eine eindeutige Definition der Ziele und ein gesellschaftlicher Konsens darüber, wofür Geld ausgegeben werden soll, fehlen aber", gab sich Karl Fröschl, Geschäftsführer des E-Commerce Competence Center (EC3), bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag, Abend in Wien kritisch.

"Das Thema ist einfach modern, und das zu einem Zeitpunkt, da es anderswo schon Tradition hat. Aus neoliberaler Sicht hat man mit einem bestimmten Prozentsatz sein Ziel erreicht, ohne zu bestimmen, wofür die Mittel verwendet werden. Aber es tut sich schon was im Lande", schränkte Fröschl ein. Grundsätzlich steige die Forschungsquote, es sei begriffen worden, dass Handlungsbedarf besteht: "Was in Österreich fehlt ist die gelebte Praxis. Die Amerikaner haben da eine ganz andere Einstellung zum Erfolg, wir haben kein Erfolgscharisma." Auch im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sei kein "Zeilinger" (Anm. Experimentalphysiker Anton Zeilinger) in Sicht, Österreich habe hier eine "defensive Position" inne. Forschung und Innovation dürften aber nicht national betrachtet werden, viel wichtiger seien Verknüpfung und Vernetzung.

"Die Frage danach, wo die Reise hingehen soll, ist berechtigt. Die Kompetenzzentren zeigen die Richtung vor: Dort wird die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gut umgesetzt", sagte Thomas Leitner, Geschäftsführer des KERP - Kompetenzzentrum, Elektro(nik)altgeräte-Recycling & nachhaltige Produktentwicklung. Wichtig dabei seien vor allem eine gewisse Anlaufzeit, um sich kennen zu lernen und aktives Beziehungsmanagement. Die Betrachtung der Forschungslandschaft dürfe aber nicht bei der Grenze enden. "Höchst bedauerlich ist der unglaubliche Wettlauf um das Geld aus Brüssel, das hat sich zu einer eigenen Disziplin entwickelt und ist nicht zielführend", so Leitner. Vernünftiger sei eine bessere Abstimmung zwischen der EU und den Nationalstaaten. Ein akkordiertes Vorgehen könne den "Standort Europa" stärken.

"Die Nationalstaaten sollten weiterhin im Vordergrund stehen, solange die Welten - wie etwa bei den Personalkosten - noch so weit auseinander klaffen", meinte hingegen EC Austria-Geschäftsführer Christian Czaak. Besonders die neuen EU-Mitgliedsstaaten seien -durch eine "Latte von Fördergeldern" - gut unterwegs. Eine weitere Stoßrichtung sieht Czaak bei der Steuersituation: "Die Quoten dürfen nicht im Vordergrund stehen, wichtiger ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen." Förderungen für Forschung und Entwicklung kämen - dank des "medienwirksamen Keule-Schwingens" der Industrie und ihrer Interessensvertretung im Hinblick auf den dann drohenden Abzug vieler Arbeitsplätze - nach wie vor hauptsächlich größeren Unternehmen zugute. "Die Klein- und Mittelunternehmen als ’Rückgrat der Wirtschaft’ müssen wieder in den Vordergrund rücken", so Czaak.

Wissenschaftliche Ergebnisse zu wirtschaftlichen Erfolgen machen, will auch die ftw - Forschungszentrum Telekommunikation Wien Betriebs-GmbH, die derzeit zu jeweils etwa 50 Prozent von der Öffentlichen Hand und Unternehmen finanziert wird. "Auch mit unserer Größe - wir haben rund 100 Mitarbeiter - kann man zum Global Player aufsteigen. Aber Forschung ist kein Selbstzweck. Wir wollen Start-ups unterstützen, mittelständischen Firmen die Wettbewerbsfähigkeit sichern und Großunternehmen dazu bringen, auch in Österreich zu forschen", erklärte Markus Kommenda, wissenschaftlicher Geschäftsführer der ftw. An den Unis gebe es Kompetenz "zu einem günstigen Preis", das interessiere auch die Wirtschaft. Kompetenzzentren würden sowohl Schwung in diese Beziehung bringen, als auch neue Chancen und Qualitäten für Kooperationen eröffnen.

"Durch die Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie der ftw sind wir näher an der Spitzentechnologie dran. Es ist zu wenig, zu sagen, dass die Unis am Markt vorbei forschen, wenn die Unternehmen nicht klar machen, was von Interesse für sie ist", erklärte Johannes Motz, Director Mobile Networks bei der Kapsch CarrierCom AG. "Auch wir greifen auf externe Ressourcen, wie Universitäten und Fachhochschulen, zurück. Dadurch partizipieren wir an deren Forschungsleistung. Was nicht zu unserer Kernkompetenz gehört, kaufen wir zu", so Christoph Graul von der WIGeoGIS GmbH Salzburg. Sehr viele "ungelöste" Aufgabenstellungen der Wirtschaft seien bereits durch Universitäten "exzellent gelöst".

"Wir forschen aus egoistischem Antrieb zum wirtschaftlichen Erfolg, um unsere Marktposition abzusichern. Schließlich gilt das Motto: ’Erfinde oder verschwinde’", erklärte Franz Kühmayer, Marketing Manager bei Microsoft Österreich. Es gebe aber auch einen Seiteneffekt mit gesellschaftlicher Bedeutung. "Jedes Unternehmen muss sich bewusst sein, dass es sich in einem Ökosystem befindet, das zeigt unsere Zusammenarbeit mit rund 5.000 - auch sehr kleinen -heimischen Partnern. Warum Österreich hinterherhinkt, daran sind nicht fehlende Fördergelder schuld, sondern das Trägheitsmoment. Die Absicherung des Status quo herrscht vor, das geht der Wirtschaft ab", so Kühmayer.

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