"Weltjournal" im ORF: Israel: Zwischen Tradition, Misstrauen und Realität

Wien (OTS) - Das "Weltjournal" am Mittwoch, dem 23. Juni 2004, um 22.30 Uhr in ORF 2 - präsentiert von Annette Scheiner - widmet sich folgenden Themen:

Frankreich: Der neue Antisemitismus

Das Wiedererstarken des Antisemitismus sorgt in Europa für ernste Besorgnis, ganz besonders in Frankreich, dem Land mit der größten jüdischen Gemeinde. In den vergangenen Wochen sorgten Hakenkreuze und Nazi-Parolen auf Friedhöfen und Synagogen, aber auch tätliche Angriffe für Schlagzeilen. Es ist viel die Rede von einem "neuen Antisemitismus", der seine Wurzeln in der Eskalation von Krieg und Gewalt im Nahen Osten hat, und der vor allem in den moslemisch dominierten Vorstädten ausgetragen wird. Aber auch die französische Gesellschaft hat sich verändert, sagt der bekannte Filmregisseur Elie Chouraqui: Man schäme sich heute in Frankreich nicht mehr dafür, rassistisch und antisemitisch zu sein. Chouraqui ist im Frühling mehrere Wochen lang in einer Vorstadt diesem neuen Phänomen auf den Grund gegangen. Eva Twaroch hat ihn in Paris getroffen.

Israel: Das Ende einer Utopie

Knapp 100 Jahre nach ihrer Gründung steckt Israels Kibbuz-Bewegung, einst der Stolz des Landes, in einer schweren Krise. Die Kibbuzniks, die Pioniere, die das Land fruchtbar machten, und an das Prinzip von Gleichheit und kollektivem Eigentum glaubten, gehörten einst zu Elite Israels. Heute leben in den 280 Kibbuzim noch zwei Prozent der Bevölkerung und es werden immer weniger, denn der Nachwuchs bleibt aus. Auch vom egalitären Ideal ist wenig geblieben. Nun soll das System nach marktwirtschaftlichen Prinzipien reformiert werden, Manager von außen werden angeheuert - ein Widerspruch zur einstigen Utopie. Die Kibbuzbewegung wurde ins Abseits gedrängt, die konservative Regierung unterstützt viel lieber die Siedler. Eine Reportage aus Israel von Katinka Nowotny.

Spanien: Die Gewalt der Machos

Seit Anfang des Jahres sind in Spanien 32 Frauen von ihren Ehemännern oder Partnern ermordet worden. Mehr als 50.000 Fälle von Misshandlung in der Ehe werden jährlich angezeigt. Diese Zahlen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in anderen Ländern Europas. Aber nirgendwo diskutiert man so viel darüber, nirgendwo ist die Bevölkerung so alarmiert wie in Spanien. Man spricht dort bereits von einem "geschlechterbedingten Terrorismus". Die neue sozialdemokratische Regierung Zapatero will die Gewalt gegen Frauen mit einem neuen Gesetz bekämpfen. Auf höchster Ebene wird anerkannt, dass die meisten Verbrechen in der Familie eine Folge des "Machismo" - des männlichen Überlegenheitswahns - sind. Die Täter sollen härter bestraft, den Opfern mehr polizeilicher und sozialer Schutz geboten werden. Die Reportage von Julieta Rudich, gedreht in Sevilla, zeigt Frauen, die großen Anteil an diesem neuen Bewusstsein haben: Polizistinnen, Anwältinnen und Opfer, die nicht mehr schweigen wollen.

Türkei: Gesetz und Wirklichkeit

Die Existenz der Kurden als ethnische Minderheit wurde in der Türkei lange geleugnet. Seit zwei Jahren verabschiedet die Regierung Erdogan mit dem Ziel Europäische Union vor Augen ein Reformgesetz nach dem anderen. Das bisher verbotene Kurdisch darf als Sprache an den Schulen unterrichtet und im Fernsehen verwendet werden - theoretisch. Sprachkurse in Schulen gibt es nur ganz vereinzelt, und auch da ist nicht einmal geklärt, ob die kurdischen Buchstaben überhaupt verwendet werden dürfen. Kurdische Unterhaltungsmusik ist zwar zum Renner geworden, aber wenn ein Musiker politische Aussagen macht, wird es gefährlich für ihn. Ein grundlegender Sinneswandel fehlt bisher in der türkischen Gesellschaft. Thomas Büsch und Sabine Küper schauen für das "Weltjournal" hinter die Fassaden des türkischen Reformprozesses in Sachen Minderheitenrechte.

Israel: Die Torkönigin

Jeder fünfte israelische Staatsbürger ist Araber, aber die tägliche Gewalt hat das Zusammenleben vergiftet. Juden und Muslime begegnen einander mit tiefem Misstrauen, sie leben in getrennten Vierteln, inzwischen wohl auch in getrennten Welten. Für die 13-jährige Reem Moussa gelten diese Gesetze offenbar nicht, sie ist die jüngste Torkönigin Israels. Die junge Araberin ist Mittelstürmerin und Stolz der israelischen Schüler-Nationalelf. In ihrem Heimatdorf, wo die meisten Frauen auf der Straße nur verschleiert zu sehen sind, hat für Aufsehen gesorgt, dass Reem mit kurz geschnittenen Haaren und bloßen Knien über den Sportplatz läuft. Mittlerweile aber - nach internationalen Erfolgen der Mannschaft - ist man stolz auf Reen, und auch die israelischen Teamkolleginnen sind zu Freundinnen geworden. Der Bericht von Dietmar Schumann zeigt, wie die Freude am Fußball die Menschen über religiöse und politische Barrieren hinweg vereint.

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