"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bushs Kampf gegen den Terror hat die Terroristen radikalisiert" (Von Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 22.6.2004

Graz (OTS) - Mord in Saudi-Arabien könnte der Beginn eines Flächenbrandes sein.

Die grausame Ermordung der amerikanischen Geisel Paul Johnson durch islamische Extremisten in Saudi-Arabien hat die Politik von Präsident George W. Bush in eine Krise gestürzt. Denn die durch den Irak-Krieg ausgelöste Welle terroristischer Gewalt im saudischen Nachbarland belegt die für alle Welt gefährlich gewordene Fehlkalkulation der konfusen US-Politik im arabischen Raum.

Kommentarlos nahm die Washingtoner Regierung im vergangenen Monat den Schmerzensruf des Vaters des ebenfalls von saudischen Terroristen enthaupteten Amerikaners Michael Berg zur Kenntnis:
"Mein Sohn ist für die Sünden von Präsident Bush und Verteidigungsminister Rumsfeld gestorben."

Vater Berg weiß die Logik auf seiner Seite: Die Terror-Mörder rechtfertigen ihre Bluttaten als Vergeltung für die "amerikanische Unterwerfung des Irak" sowie für die Unterstützung des israelischen "Zionisten-Regimes" und der "saudischen Vasallen-Regierung". Schlichte Logik ist, dass es den Terror gegenwärtiger Ausprägung ohne den Irak-Krieg weder im Irak noch in Saudi-Arabien geben würde. Die Politik von Bush, die vorgibt, den internationalen Terrorismus zu bekämpfen, hat die vielen Terror-bereiten Gruppen im Irak und Saudi-Arabien radikalisiert und den aktiven Terror erst richtig angefacht.

Die US-Politik leistet sich die Schizophrenie, Regierungen wie die Saudi-Arabiens einerseits für dringend reformbedürftig zu halten und sie gleichzeitig als enge und treue Verbündete zu hofieren.

Bei Saudi-Arabien handelt es sich schließlich um eine selbst auf demokratische Feigenblätter verzichtende menschenrechtsfeindliche Autokratie, die politische Widersacher foltern und ein drakonisches Sharia-Strafrecht mit öffentlichen Enthauptungen und Steinigungen praktizieren lässt und in denen Frauen nicht mehr Rechte als das Nutzvieh haben.

Bei den als Mördern von US-Bürgern agierenden Terroristen handelt es sich um Todfeinde der USA, die gleichzeitig das saudische Regime stürzen wollen, um ein für westliche Verhältnisse noch repressiveres Regime muslimischer Fanatiker zu installieren. Dass dies die weltpolitische Sicherheitslage vollends aus dem Gleichgewicht und ein Wirtschaftschaos auslösen würde, weiß vermutlich sogar Bush.

Aber ob er weiß, dass sein mit leichtfertigen und inzwischen widerlegten Behauptungen begründeter Irak-Krieg einen politischen Flächenbrand mit weiteren widerwärtigen Terrormorden zur Folge habe kann, ist zu bezweifeln. ****

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