"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Abrüstung als Wahlschlager" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 22.06.2004

Wien (OTS) - Gestern war für das Bundesheer ein historischer Tag:
Verteidigungsminister Platter hat das baldige Ende der allgemeinen Wehrpflicht und die Einführung eines Berufsheers angekündigt.
Die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate ist nicht anders zu verstehen. Die Soldaten, die derzeit im Burgenland unsere Grenzen gegen illegale Einwanderer sichern, haben eine mindestens viermonatige Ausbildung hinter sich. Das ist aber auch schon der niedrigste denkbare Ernstfall, den unser Heer zu bewältigen hat. Ein Sechs-Monats-Heer könnte nur funktionieren, wenn gleichzeitig teure Berufssoldaten eingestellt werden. Davon ist aber keine Rede. Der Minister hat also mit seiner Ankündigung, die Dienstzeit im Heer möglicherweise "schon vor 2007" auf sechs Monate zu verkürzen, das Ende der Wehrpflicht bekannt gegeben. Oder er ist weit blickend: 2006 ist nämlich ein Wahljahr (falls die Regierung dank der freiheitlichen Blähungen nicht schon früher in die Luft fliegt).
In einem Wahljahr macht sich eine Wehrdienstverkürzung immer gut. Das hat schon Bruno Kreisky gewusst, als er 1970 mit dem Slogan "sechs Monate sind genug" in die Wahl gezogen ist. Nachher wurde der Wehrdienst von neun auf acht Monate verkürzt.

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