Abbau von Spitalsbetten ruiniert das Gesundheitswesen

Spitalsärztesprecherin Kogelbauer warnt vor willkürlichem Einsparen von Spitalsbetten - Noch ist Österreich eines der kostengünstigsten Systeme in Europa

Wien (OTS) - Hauptverbandsgeschäftsführer Josef Kandlhofer will laut Interview mit der "Presse" vom 19. Juni 2004 Spitalsbetten in Österreich umwidmen beziehungsweise abbauen. Dadurch könnten rund 2,9 Milliarden Euro eingespart werden. Kritik dazu kommt nun von der Wiener Ärztekammer-Vizepräsidentin und Spitalsärztesprecherin Gabriele Kogelbauer. Der Weg des Einsparens und des Zusperrens sei nicht die Lösung, vielmehr seien intelligente Umstrukturierungen im Spitalsbereich vonnöten, so Kogelbauer. ****

Der medizinische Fortschritt und die demografische Entwicklung forderten nachhaltige Reformkonzepte im Spitalsbereich. Kogelbauer:
"Wenn weiterhin eingespart und zugesperrt wird, ohne auf die zukünftige soziodemografische Entwicklung zu achten, werden wir irgendwann vor den Trümmern der Sparpolitik stehen. Wer wüst einspart und zusperrt, kann sich bald vom österreichischen Gesundheitssystem mit Weltruf verabschieden."

Kogelbauer unterstützt zwar Kandlhofers Forderung, dass nicht "in jedem Kaff eine Universitätsklinik benötigt wird". Trotzdem müsse man im Spitalsbereich die Prämisse "von der Standortgarantie zur Qualitätsgarantie" verfolgen. Kogelbauer: "Ein kleines Spital kann größere Operationen oder Therapien durchaus in ein größeres Spital verlegen. Wenn jedoch in jedem Spital eingespart wird, wird das ganze System zusammenbrechen."

Es sei ein Unfug, Geld aus dem Spitalsbereich ziehen zu wollen. Dies sei auch nicht notwendig, da Österreich im EU-Vergleich über ein relativ kostengünstiges Gesundheitssystem verfüge. So gebe derzeit Österreich - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - 8,0 Prozent für das Gesundheitswesen aus, im EU-Durchschnitt (EU 25) sind es 8,8 Prozent. "Hier noch mehr einzusparen bedeutet eine Nivellierung nach unten, die weder im Sinne der Patienten noch der Gesundheitspolitik sein kann."

Die letzte Konsequenz einer solchen fatalen Entwicklung sei das "englische System, wo auch auf Teufel komm raus eingespart wurde, mit den nun bekannten Rationierungen und Leistungseinschränkungen". Zusperren könne man sehr schnell, nur die Wiedererrichtung dauere dann sehr, sehr lange, warnt Kogelbauer. (bb)

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