OeNB - Gouverneur Dr. Liebscher: Internationaler Währungsfonds und Weltbank leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur internationalen Finanzsystemstabilität und weltwirtschaftlichen Entwicklung.

Wien (OTS) - Anlässlich der Eröffnung der Konferenz "60 Years of Bretton Woods - the Governance of the International Financial System - Looking Ahead" am 21. Juni 2004 - organisiert von der Oesterreichischen Nationalbank in Zusammenarbeit mit dem Reinventing Bretton Woods Committee, New York - unterstrich Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur der OeNB und EZB-Ratsmitglied, die fundamentale Bedeutung der Bretton Woods Institutionen - Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank - für die Stabilität des internationalen Finanzsystems und für die Wohlfahrt der Weltwirtschaft.
Die "Bretton Woods Institutionen" spielen als Foren der internationalen Zusammenarbeit auch für kleinere Staaten wie Österreich eine wichtige Rolle, indem diese die Möglichkeit erhalten, internationale Regeln aktiv mitzugestalten bzw. auch ihren Beitrag zur Bewältigung internationaler Krisen zu leisten.
Zur Kritik, die insbesondere an den IWF nach der Asienkrise gerichtet wurde, bemerkte Gouverneur Liebscher, dass diese in berechtigten Fällen zu Veränderungen der Arbeit der internationalen Finanzinstitutionen geführt hat, wie z.B. beim Ansatz des IWF bei der Kapitalverkehrsliberalisierung. Dies zeige, dass diese Institutionen auf Kritik reagieren.
Gouverneur Liebscher hob eine Reihe von wichtigen Funktionen von IWF und Weltbank hervor:

  • Die Überwachungsfunktion der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitgliedsländer diene insbesondere der Anhebung und Sicherung von Lebensstandards in den Mitgliedsländern und der Prävention von internationalen Finanzkrisen.
  • Hierzu wurden z. B. wirtschaftliche Standards und Kodizes erarbeitet, welche die Integration von Mitgliedstaaten in die Weltwirtschaft erleichtern soll.
  • Ebenso werden Financial Sector Assessment Programs (FSAP) durchgeführt, welche die Stärken und Schwächen nationaler Finanzsysteme analysieren. Österreich hat erst kürzlich ein solches Programm erfolgreich abgeschlossen.

Diese und ähnliche Maßnahmen dienen der Stärkung der Volkswirtschaften der Mitgliedsländer, mindern somit deren Krisenanfälligkeit und reduzieren dadurch die Notwendigkeit internationaler Finanzhilfen bei Krisen.

Sollte es zu Finanzkrisen kommen, so sieht Gouverneur Liebscher den Privatsektor in der Pflicht, entsprechend Verantwortung für seine Investitionsentscheidungen zu übernehmen. Als wichtige Herausforderung für die Zukunft sieht er die Schaffung eines Regelwerks, dass die Lösung von untragbaren Staatsschulden erleichtern soll.
Eine ebenso bedeutsame Aufgabe der Bretton Woods Institutionen, insbesondere der Weltbank, sieht er in der Bekämpfung von Armut. Er stellte fest, dass der IWF keine Entwicklungshilfeorganisation im eigentlichen Sinne ist, dieser aber eine wichtige Rolle bei den Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft einnimmt, Armut zu bekämpfen.
Als erfolgreiches Beispiel der Arbeit der Bretton Woods Institutionen beurteilt der Gouverneur weiters die Rolle dieser Institutionen bei der Transformation ehemaliger sozialistischer Volkswirtschaften. Auch Österreich, das seit 1948 Mitglied der Weltbank sowie seit 1952 Mitglied des Internationalen Währungsfonds ist, hat hier einen sehr bedeutenden Beitrag geleistet und unterstützt die Bretton Woods Institutionen mittels technischer Hilfe und mittels des Joint Vienna Institute.
Die derzeitige Diskussion, die internationalen Finanzinstitutionen zu reformieren, beurteilt Gouverneur Liebscher als positiv. Er spricht sich aber dafür aus, dass diese nicht zu einer Ausweitung ihrer Funktionen führen solle, sondern zu einer Rückbesinnung auf deren ursprünglichen Aufgaben.

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