Ökumenischer Patriarch dankt Österreich für Orthodoxen-Gesetz Bundespräsident Klestil überreichte Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande an Bartholomaios I. - Patriarch unterstreicht wichtige Rolle Österreichs in Europa - Achtung: SPERRFRIST 19.6., 12 Uhr

Wien, 19.6.04 (KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat am Samstag der Republik Österreich für die "vorbildliche gesetzliche Anerkennung der orthodoxen Kirche" und der Rolle der griechisch-orthodoxen Metropolie von Austria gedankt. In seiner Dankrede anlässlich der Überreichung des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande der Republik Österreich durch Bundespräsident Thomas Klestil in der Wiener Hofburg würdigte Bartholomaios die "Sensibilität und Gerechtigkeit" des österreichischen Staates gegenüber den Orthodoxen. Der Patriarch nahm damit insbesondere auf das 1967 beschlossene Orthodoxen-Gesetz Bezug. Zugleich erinnerte Bartholomaios I. an die fast 300-jährige Präsenz der Orthodoxie auf dem Gebiet des heutigen Österreich.

Die orthodoxen Gemeinden in Österreich und ihre Seelsorger hätten stets den "Geist von Frieden, Liebe und gegenseitigem Respekt" unter den Mitbürgern gepflegt und hielten daran auch heute fest. Im Rahmen ihrer Kräfte seien die Orthodoxen "Bahnbrecher des Fortschrittes" und der vielfältigen Entwicklung Österreichs, nicht zuletzt in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht, gewesen. Bartholomaios würdigte besonders das Wirken des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria, Michael Staikos, der "unermüdlich für das bessere Kennenlernen und für die gegenseitige Liebe aller Christen in Österreich"" arbeite. Der Metropolit sei auch in seinen internationalen Funktionen "ein Botschafter des guten Willens und der Kultur Österreichs" .

Der Ökumenische Patriarch verwies in seiner Ansprache auch auf die wichtige Rolle Österreichs in Europa. Bartholomaios äußerte den Wunsch, Österreich möge ein "strahlender Stern im europäischen Himmelgewölbe zum Wohl aller europäischen Bürger" sein.

Bundespräsident Klestil würdigte in seiner Ansprache den Ökumenischen Patriarchen als ein "wichtiges Vorbild in unserer Zeit; Bartholomaios I. habe sich nicht zuletzt um das interreligiöse Gespräch bleibende Verdienste erworben und damit einen wertvollen Beitrag zum Weltfrieden geleistet. Als Beispiel erinnerte Klestil an die Konferenz für "Frieden und Toleranz", die Bartholomaios 1994 mit Vertretern der Weltreligionen in Istanbul organisiert hatte. In der damals veröffentlichten "Bosporus-Deklaration" war ausdrücklich betont worden, dass Verbrechen "im Namen" der Religion Verbrechen "gegen" die Religion sind.

Auch Österreich - so Klestil - engagiere sich auf politischer Ebene sowie durch konkrete Projekte und Begegnungen intensiv als "Forum des Dialogs der Religionen und Zivilisationen". Besonders wichtig sei dabei das Gespräch mit dem Islam. Eine "offene, vertrauensvolle und die Probleme nicht verschweigende Diskussion" könne dem inneren und dem äußeren Frieden dienen. Der Dialog mit dem Islam sei jedoch nicht nur eine Aufgabe der Staaten, sondern auch "eine gemeinsame Aufgabe aller christlichen Kirchen".

Klestil würdigte das unermüdliche Wirken des Patriarchen von Konstantinopel im Sinne der Ökumene, das auch in der Ehrenmitgliedschaft und in der aktiven Mitwirkung bei der Stiftung "Pro Oriente" zum Ausdruck komme. Dank der Unterstützung durch Bartholomaios sei es dieser von Kardinal König gegründeten und von Kardinal Schönborn weitergeführten Stiftung gelungen, wesentliche Impulse im ökumenischen Dialog zu setzen.

Vor der Ordenverleihung hatte der Ökumenische Patriarch nach einem Frühstück mit dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Georg Zur, ein Totengedenken in der vor 200 Jahre errichteten griechisch-orthodoxen St. Georgs-Kirche in Wien gehalten und die Griechische Nationalschule besucht. (Forts mögl.)

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