109. Ärztekammertag verabschiedet Resolution zu Gesundheitsagenturen

Sorge vor Zentralisierungstendenzen - Ärzte wollen maßgeblich mitentscheiden

Schruns (OTS) - Vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion über die ab 2005 geplanten Gesundheitsagenturen hat die derzeit in Schruns/Vorarlberg tagende Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) eine Resolution beschlossen. Wörtlich heißt es dort wie folgt:

"Die österreichische Ärzteschaft steht den geplanten Gesundheitsagenturen nach wie vor kritisch gegenüber, weil sie mit der beabsichtigten Planungs-, Steuerungs- und Finanzierungsfunktion Zentralisierungstendenzen und die Nachfragemonopolisierung fördern. Auch die Trennung der Spitalsfinanziers von den Spitalsbetreibern ist völlig ungeklärt. Sie fordert vom Gesundheitsministerium dringend Verhandlungen über die Gesundheitsreform und insbesondere über die Gesundheitsagenturen.

Im Mittelpunkt jeglicher Überlegungen muss der Patient mit seinen individuellen Bedürfnissen stehen. Gesundheitspolitische und ärztliche Entscheidungen müssen zum Nutzen der Patienten von ethischen und moralischen Grundsätzen getragen und auf wissenschaftlicher Basis getroffen werden.

Nur die Ärzte sind kraft ihrer Ausbildung und Kompetenz für die Behandlung der Patienten letztverantwortlich.

Die österreichische Ärzteschaft fordert vom Gesetzgeber neue, bereichsübergreifende Formen der Zusammenarbeit zwischen intra- und extramuralem Bereich, um vorhandene Strukturen optimal zu nutzen. Eine kontraproduktive einseitige Förderung eines Sektors ist im Sinne einer optimalen Versorgung zu vermeiden.

Eine zentralistische Angebotsplanung und eine Kontingentierung der Leistungen lehnen wir ab, um negative Folgen für die Patienten zu verhindern.

Weiters sind bei der Gesundheitsreform jedenfalls folgende Punkte als unverzichtbar zu beachten:

  • Wohnortnahe, individuelle und persönliche Patientenversorgung und -betreuung
  • Freiheit in Diagnostik und Therapie
  • Ausbau freiberuflicher Strukturen
  • Öffentliche Förderung der Spitzenmedizin
  • Keine Rationierung von Leistungen
  • Optimale Patientenbetreuung statt Ökonomiediktat
  • Ausbau der Prävention
  • Kontinuierliche Betreuung
  • Das Gesundheitswesen ist Schnittstelle ethischer Werte und volkswirtschaftlicher Entwicklungsmöglichkeiten. Investitionen dienen der Gesundheit und schaffen Arbeit.
  • Solidarisch finanziertes Gesundheitswesen als öffentliche Aufgabe
  • Förderung der Eigenverantwortung der Patienten

Eine Gesundheitsreform ohne Einbeziehung der Ärzteschaft Österreichs als maßgeblicher Entscheidungsträger kann, darf und wird es nicht geben."

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