Exportinitiative 1-24 nimmt in Polen boomenden Markt ins Visier

Initiative soll auf Kroatien und Russland ausgeweitet werden - schon Erfolge in Ungarn

Wien (AIZ) - Die Initiative "Export 1-24" für österreichische Lebensmittelexporte in sieben der zehn der am 1. Mai der EU beigetretenen beziehungsweise für 2007 für den Beitritt vorgesehenen Mittel- und Osteuropäischen Länder macht heute, Mittwoch, 16.06.2004, die sechste Station in Warschau. Landwirtschaftsminister Josef Pröll und der stellvertretende Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Richard Schenz, eröffnen als Vertreter der Initiatoren in Warschau die von der Agrarmarkt Austria AMA gestaltete Präsentation von 43 österreichischen Unternehmen der Nahrungsmittelbranche, zu der rund 150 polnische Lebensmittelimporteure, Großhändler, Einkäufer von Lebensmittel-Ketten sowie aus Gastronomie und Hotellerie erwartet werden. Zu der Präsentation hat sich auch der polnische Landwirtschaftsminister Wojciech Olejniczak angesagt.

Erfolge von Export 1-24 in Ungarn - Ausweitung auf weitere Länder

Mittlerweile haben die Exportinitiativen etwa in Ungarn schon konkrete Erfolge von weiteren Initiativen des Lebensmittelhandels mit österreichischen Erzeugern und der AMA zur Folge: Wie das AIZ aus Veranstalterkreisen der Exportinitiative erfuhr, werden in Ungarn rund 16 Interspar-Märkte im September Österreich-Wochen veranstalten. Österreichische Lebensmittelhersteller konnten dafür die bei der Exportinitiative angebahnten Kontakte nutzen und die ungarischen Einkäufer schon bei einer weiteren Hausmesse der Spar-Gruppe im östlichen Nachbarland überzeugen. Nachfolge-Events und konkrete Österreich-Aktionen sind auch in anderen schon mit den Export 1-14-Aktionen überzogenen Ländern wie Tschechien im Gespräch. Weiters wollen Agrarressort und WKO die Exportinitiative auf neue Länder ausdehnen. Konkret soll noch heuer Kroatien folgen, für kommendes Jahr hat man offenbar Russland mit seinen Konsumzentren Moskau und St. Petersburg im Visier.

Zeit ist reif in Polen

Der österreichische Außenhandelsdelegierte in Polen, Rudolf Thaler, sieht jetzt, unmittelbar nach der EU-Erweiterung, die Zeit reif: "Jetzt ist eine entscheidende Phase der Marktbearbeitung. Ein Zuwarten und Mitschwimmen mit der Welle infolge des EU-Beitritts wird mit noch höheren Markteintrittspreisen zu bezahlen sein." Thaler riet den heimischen Ausstellern, die in Warschau geknüpften Kontakte nicht einschlafen zu lassen, sondern umgehend weiter zu vertiefen und zu pflegen.

Polen: 2004 höchstes Wachstum in Europa

Polen mit seinen 38,6 Mio. Einwohnern ist unter den Reformländern Mittel- und Osteuropas der viertwichtigste Handelspartner Österreichs und stellt einen boomenden Markt dar: Nach einem Anstieg des Brutto-National-Produkts (BNP) um 3,7% soll Polen laut Prognosen der Regierung im laufenden Jahr 2004 ein Wirtschaftswachstum von 6% und damit die Nummer eins der Wachstums-Hitliste in Europa erreichen. Österreich exportierte 2003 Waren (vor allem Maschinen, Apparate, Papier und Pappe) im Wert von über EUR 1,33 Mrd. nach Polen. Das war ein Zuwachs gegenüber 2002 von 2,5% nach 6% 2002 und 9% 2001. Österreich importierte aus Polen im Vorjahr vor allem Brennstoffe, Möbel und Zugmaschinen im Wert von EUR 979,1 Mio. (plus 5,7%).

Der Austausch von Agrar- und Nahrungsmittelgütern zwischen beiden Ländern spielt noch eine untergeordnete Rolle: 2002 belief sich der Wert der österreichischen Agrarexporte nach Polen auf EUR 50,6 Mio., was gerade etwa 4% des heimischen Gesamtexportes in dieses Land ausmachte. Umgekehrt machten Österreichs Nahrungsmittel- und Agrarimporte aus Polen mit EUR 49,6 Mio. auch nur gut 5% der Gesamteinfuhren aus Polen aus.

Polen gilt als boomender Markt

Der Markt Polen boomt und ist von einem Zuwachs etwa der Lebensmittelumsätze 2003 von 8,3% gekennzeichnet, wobei vor allem die Top 30% der Verdiener ein Einkommenswachstum von 7% verzeichnen. 15% der Einkommen in Polen, vor allem in Ballungszentren, wie der 1,6 Millionen-Metropole Warschau, liegen nach Angaben des Agrarattaches Leo Szlezak schon über dem europäischen Durchschnitt. In diesen Kreisen konzentriert sich der Konsum vor allem auf Premiumprodukte, wogegen ärmere Verbraucherschichten sehr "preissensibel" und wenig "markentreu" einkaufen. Jedenfalls regiert in allen Schichten der Drang zu den neuesten Trends. Als Anknüpfungspunkt an die kaufkräftige polnische Konsumentenschicht nannte Szlezak vor den österreichischen Exporteuren die Zahl von (2002) 841.000 Nächtigungen polnischer Touristen insbesondere im Winter in Österreich. Hier könne mit kulinarischen Erinnerungen wie Käse, Schinken, Speck, Süßwaren und Wein an die Urlaubserinnerungen angeknüpft werden. Entsprechend diesen Erwartungen setzt sich auch die Beteiligung österreichischer Erzeuger an der Präsentation zusammen. Der Aufbau eines Österreich-Images über breit angelegte Werbung als Alternative zur Nutzung bestehender Bindungen wie durch Österreich-Urlaube sei, so Szlezak, nämlich nicht finanzierbar.

Uneinheitliche Handelsstruktur in Polen

Schwierig, und nur mit persönlichem Kontakt und Präsenz vor Ort, ist der polnische Markt allerdings durch die inhomogene Struktur des polnischen Lebensmittelhandels zu bearbeiten: Von 144.179 Outlets im Lebensmittelhandel 2003 waren laut AC Nielsen gerade 162 so genannte Hypermarkets der größten Kategorie und 2.253 Supermärkte, jedoch mit zunehmender Zahl von Outlets. Diese halten zusammen einen konstanten Marktanteil von etwa 30%. Der Rest verteilt sich auf kleinere, oft dezentral und nicht in Ketten organisierte Vertriebsformen. Allerdings stehen gerade die großen Vertriebsformen und einige mittlere Genossenschafts-Ketten für den Verkauf von Premiumprodukten. Wachstumsprodukte sind unter anderem Käse, Bier, Softdrinks, Süßigkeiten und Mineralwasser. Wein verzeichnet sogar als einziges Produkt einen stärkeren Wert- als Mengenzuwachs, was bedeutet, die Polen greifen zunehmend zu höherwertigen Tropfen.

Pawel Kapusciniski, Chefredakteur des polnischen Lebensmittelhandel-Magazins "Wiadomosci Handlowe" gibt interessierten österreichischen Exporteuren den Tipp, sich weniger auf die "Großen" im Lebensmittelhandel einzulassen, als auf eine Markterschließung über jene rund 80 privaten mittelständischen Ketten im Handel, die ihren Einkauf gemeinsam organisieren, und auf jene 10% der bis zu 9.000 Großhändler im Land, deren Umsätze am Markt tatsächlich ins Gewicht fallen. Diese würden regelmäßig regional gestreute Messen und Präsentationen veranstalten, die für österreichische Anbieter ein gutes Sprungbrett sein können. "Das ist der beste Weg zum traditionellen Handel", so Kapusciniski.

Die Exportinitiative in Polen wurde von der WKO-Außenhandelsstelle in Warschau vorbereitet. Diese sprach mit 4.500 Einladungen und der Vorstellung der ausstellenden Exporteure in einem Folder praktisch alle wichtigen Entscheidungsträger auf polnischer Einkäuferseite an. Weiters wurde auf die Österreich-Aktivität in Einschaltungen in der in einer Auflage von 45.000 Exemplaren erscheinenden Fachzeitschrift "Wiadomosci Handlowe" aufmerksam gemacht. Schließlich stellte die AMA ihr bei der Markterschließung in den EU-15 mit unzähligen Österreich-Wochen und Präsentationen erworbenes Know-how für die Umsetzung der Präsentation in Warschau zur Verfügung.
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