"Die Presse" Glosse: "Gruppendynamik" (von Michael Fleischhacker)

Ausgabe vom 16.6.2004

Wien (OTS) - Fußballfans, das weiß man seit langem, sind eine der ergiebigsten Quellen der gruppendynamischen Forschung. Das reicht von der groben Typologie - der allemannische Intellektuelle schwärmt zum Beweis seines Tiefwurzlertums von SW Bregenz, der Wiener Gewerkschafter dokumentiert seinen sozialen Aufstieg mit einer VIP-Karte im Horr-Stadion, der Grazer Edelprolo bettet sein Hinterteil auf güldene Plastikpölsterchen, der Ganove von Welt kauft sich eine englische Mannschaft - bis zum themenspezifischen Setting (UHBK & UHBP beim Ländermatch).
Auch die Bundesparteileitung der FPÖ macht sich die einschlägigen wissenschaftlichen Erfahrungen seit langem zu Nutze. Sitzungen, in denen Auseinandersetzungen zwischen Deutschnationalen und Zeitgenössischen zu erwarten sind, legt man in der Regel auf Tage, an denen Deutschland gegen, sagen wir, Holland spielt. Wirkt fast immer:
Wenn der deutsche Michel gegen den bekifften Rastamann aufs Feld läuft, dann passt zwischen Andreas Mölzer und Hubert Gorbach kein Löschblatt nicht, denn was ein deutscher Mann sein will, das muss zusammenstehen, Schulter an Schulter.
Ein bisserl haarig wird es erfahrungsgemäß, wenn einer während des Zappens im Parteivorstand unvermittelt auf Österreich-Deutschland trifft.
Früher hat sofort der Westi am Küniglberg angerufen ("Seid's deppert? Dreht's das ab"). Heute sorgt der Krankl Hans dafür, dass es gar nicht so weit kommt.

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