Schadstoffe in Innenräumen könnten Chemikalien-Unverträglichkeit auslösen

Experten empfehlen Verminderung der Hintergrundbelastung

Wien (OTS) Schadstoffe in Innenräumen die aus alltäglichen Produkten wie Baumaterialien, Bodenbelägen aber auch Möbeln, Elektronikgeräten sowie diversen Haushaltschemikalien freigesetzt werden, könnten zur Entstehung des Krankheitsbildes "Chemikalien-Unverträglichkeit" beitragen. Deshalb veranstaltet das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wassserwirtschaft heute, Dienstag, gemeinsam mit dem Forschungszentrum Seibersdorf und der Organisation "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt" einen Fachdialog zum Thema "Chemie in Innenräumen - ein Auslöser für MCS?", an dem rund 80 Experten aus dem deutschsprachigen Raum teilnehmen***

Auch klassische Schadstoffe wie Tabakrauch oder Diesel- und Benzindämpfe zählen zu den potenziellen Auslösern von ständigen Kopfschmerzen, tränenden Augen, Halskratzen oder Juckreiz, insgesamt alles Symptome des Krankheitsbildes "Chemikalien-Unverträglichkeit", kurz auch MCS-Syndrom genannt. Experten empfehlen daher, die Hintergrundbelastung mit Alltagschemikalien insgesamt so niedrig wie möglich zu halten. Die neue EU-Chemiepolitik (REACH-Verordnung), strenge Standards für die Qualität der Luft in Innenräumen aber auch freiwillige Instrumente wie der bevorzugte Einkauf umweltfreundlicher Baumaterialien und sonstiger Alltagsprodukte sind wichtige Schritte hin zu einem schadstoffärmeren Umfeld, so die Experten.

Laut Experten kommen eine Vielzahl von Chemikalien als potenzielle Auslöser für MCS in Frage: dazu zählen beispielsweise Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen (VOCs), Weichmacher in Kunststoffen (Phthalate), diverse Flammschutzmitteln aber auch verschiedene Duftstoffe. Teilweise unterliegen diese Chemikalien bereits strengen Beschränkungen, wie etwa Formaldehyd in Holzwerkstoffen und Reinigungsmitteln, manche stehen derzeit in Diskussion für EU-weite Risikominderungsmaßnahmen.

Erschwerend ist jedoch, dass von den derzeit rund 100.000 weltweit existierenden chemischen Stoffen schätzungsweise 30.000 in Alltagsprodukten Verwendung finden. Bei vielen dieser Stoffe ist die langfristige Wirkung auf den menschlichen Organismus noch nicht vollständig erforscht. Zudem treten die Beschwerden bei einer MCS-Erkrankung oft schon bei sehr niedrigen Stoffkonzentrationen auf, bei denen aus wissenschaftlicher Sicht noch kein Risiko für die Gesundheit besteht. Vielfach unklar ist auch, wie die Summe verschiedener Stoffe auf den Organismus wirkt. Folglich ist eine wissenschaftliche Korrelation zwischen dem Auftritt einer MCS-Erkrankung und der Konzentration eines bestimmten Schadstoffes in der Wohnung oder im Büro in den seltensten Fällen herstellbar.

Die Experten plädieren daher für eine vorsorgeorientierte Chemikalienpolitik sowie ein entsprechendes Chemikalienmanagement um so die Belastung der Innenraumluft so gering wie möglich zu halten. Dazu zählen insbesondere auch das Verbot des Einsatzes von ungenügend untersuchten Stoffen (No-Data-No-Market-Prinzip) sowie ein strenges Zulassungssystem für Risikochemikalien im Rahmen der neuen EU-Chemikalienpolitik (engl. REACH). Daneben stellen laut Experten der bevorzugte Einkauf ökologischer Baumaterialien und diverser anderer "Innenraumprodukte" sowie eine umfassende Beratung der Bevölkerung im Hinblick auf gesunde Raumluft wichtige Maßnahmen für ein schadstoffarmes Wohn- und Arbeitsumfeld dar. Dies teilt das Lebensministerium abschließend mit.

(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

BM für Land- und Forstwirtschaft,
Umwelt u. Wasserwirtschaft
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71100 DW 6703

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MLA0003