Wiener Festwochen und dramatische Einzelschicksale

Mythos Moderne, Bürgerkrieg und NS-Verfolgung

Wien (OTS) - Siebzig Jahre nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934
ist die Diskussion um die Schuldfrage noch immer nicht verebbt. Die Wiener Festwochen widmen dem österreichischen Trauma einen umfassenden Programmschwerpunkt: Ausgehend von dramatischen Einzelschicksalen entstehen vier spannende theatralische Arbeiten. Michael Bukowsky und Otto Schwarz haben die Entstehungsgeschichte der vier Festwochen-Inszenierungen begleitet und zeigen in ihrer Dokumentation "Die Gedanken sind frei - Der Februar 1934 bei den Wiener Festwochen" am Sonntag, dem 20. Juni, um 23.30 Uhr in ORF 2, wie virulent das Thema 1934 bis heute ist. Im Mittelpunkt der musikalischen Inszenierungen bei den Wiener Festwochen steht der "Mythos Moderne". Aus diesem Anlass bringt ORF 2 am Sonntag, dem 20. Juni 2004, um 10.00 Uhr die gleichnamige Dokumentation von Herbert Eisenschenk.
Um dramatische Einzelschicksale geht es aber nicht nur im Rahmen der Wiener Festwochen. In ORF 2 sind am Sonntag, dem 20. Juni, zwei weitere Dokumentationen zu sehen, in denen das Leben zweier anderer unbequemer Österreicher nachgezeichnet wird: "Du Fremder, Zugereister - Ernst Krenek" um 0.00 Uhr über den bekannten Wiener Komponisten und "Amos Vogel - Ein Porträt: Mosaik im Vertrauen" um 0.30 Uhr.

Wiener Festwochen 2004: "Mythos Moderne"

Woran liegt es, dass zeitgenössische Musik bei einem Großteil der heutigen Gesellschaft noch immer Angst und Unbehagen erzeugt? Die Dokumentation "Mythos Moderne" von Herbert Eisenschenk untersucht auf kurzweilige Art, woraus diese Begegnungsangst mit dem Fremden und Ungewohnten resultiert. Den Anlass für diese Auseinandersetzung liefern die heurigen Wiener Festwochen mit dem thematischen Musikschwerpunkt "Mythos Moderne". Anhand ausgewählter Beispiele aus diversen Festwochenproduktionen (u. a. "Répons" von Pierre Boulez, Webern-Fest, Schönbergs "Pierrot Lunaire", "Berenice" von Johannes Maria Staud, "Private Exile", "Così fan tutte" etc.) wird die unterschiedliche Auswirkung auf die Gesellschaft in verschiedenen Epochen mit filmischen Mitteln untersucht. Der Skandal, in früheren Jahren ständiger Begleiter der Moderne, scheint heutzutage anderswo und außerhalb der Kunst stattzufinden. Trotzdem steigt das allgemeine Interesse an Veranstaltungen mit moderner Musik und Kunst, wie die Besucher- und Auslastungszahlen belegen. Woran haben wir uns schon gewöhnt, was empfinden wir noch als neu? Antworten darauf geben unter anderem Pierre Boulez, Hans Landesmann, Johannes Maria Staud und Manfred Wagner. Der ORF zeigt die Dokumentation von Herbert Eisenschenk im Format 16:9 und in Stereo.

Grenzbalken: Die Gedanken sind frei - Der Februar 1934 bei den Wiener Festwochen

Die Wunden vom Februar 1934 sind im österreichischen Bewusstsein anscheinend noch immer nicht verheilt. Siebzig Jahre nach dem Bürgerkrieg, in dem die Arbeiterbewegung ein aussichtsloses Aufbegehren gegen den Austrofaschismus gewagt hat, ist die Diskussion um die Schuldfrage noch immer nicht verebbt.

Die Wiener Festwochen widmen diesem Stück österreichischer Geschichte einen umfassenden Programmschwerpunkt: Ausgehend von dramatischen Einzelschicksalen entstehen vier spannende theatralische Arbeiten. Unter anderem beleuchten die Festwochen das packende Schicksal des "roten Märtyrers" Koloman Wallisch, der als einer der wenigen prominenten Linken in den Kampf eingriff und dafür am Strang starb. Eine andere Inszenierung erzählt von den Kindern gefallener oder verhafteter Schutzbündler, die nach Moskau verschickt wurden und im "sozialistischen Bruderland" Sowjetunion ihre Kindheit und Jugend verbrachten.

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