Bundesheerreform geht an Betroffenen vorbei

Jugendvertretung: Junge Menschen als Lückenbüßer für marodes System

Wien (OTS) - Die Bundesheer-Reformkommission tagt am Samstag, den 12. Juni 2004 zum letzten Mal. Scharfe Kritik am Ergebnis kommt von der Bundesjugendvertretung: "Bisher wurde alles lediglich aus der Perspektive des Militärs und der Zivildiensteinsatzstellen diskutiert, der Blickwinkel der eigentlich Betroffenen, der jungen Menschen, darf nicht länger ausgeklammert und muss endlich ernst genommen werden, beanstandet Clemens Pichler, Vorsitzender der Bundesjugendvertretung (BJV).

Pichler betonte die Wichtigkeit, sowohl Präsenz- als auch Zivildienst auf sechs Monate zu kürzen, "und zwar sofort und nicht erst 2007". "Jugendliche dürfen nicht länger als "billige" Lückenbüßer für ein marodes Sozialsystem herhalten", meint Pichler und kritisiert, dass "eine tiefgehende Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Thema und darüber, was eine Umstrukturierung und Abschaffung der Wehrpflicht für die Freiwilligendienste und für die Gesellschaft bedeuten würde, bisher nicht statt fand."

Pichler sieht im Bereich der Freiwilligendienste ein Riesenpotential, da junge Menschen sehr wohl bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen "und das nicht nur im sozialen Bereich." Dieses Potential ist bislang unausgeschöpft geblieben. Denn gewisse Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein, anders sei ein derartiges Freiwilligen-Engagement nicht leistbar. "Es braucht den politischen Willen dazu, geeignete Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement zu schaffen und den Mut für eine Neugestaltung der Gesellschaft, und dafür sind die Politiker zuständig", so Pichler.

"Derzeit läuft in diesem Bereich einiges schief. Wichtig wäre zuallererst, dass Zivis und Präsenzdiener gleich behandelt werden, das heißt, dass sie auch dasselbe Grundentgelt erhalten (derzeit Zivis: 185 Euro, Rekruten: 250 Euro). "Was es für einen jungen Menschen heißt, diesen äußerst schlecht entlohnten Zivildienst in seine Lebensplanung (Ausbildung, ev. Haushalts- Familiengründung) integrieren zu müssen, wie man es mit 185 Euro schaffen soll, seine Miete zahlen zu können ohne dabei Schulden anzuhäufen, das ist für einige Politiker wahrscheinlich schwer nachvollziehbar", so Pichler. "Wir wünschen uns, dass die Interessen junger Menschen endlich gehört werden."

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