KITT, bitte kommen! Intelligente Autos a la Knight Rider sind nicht mehr Zukunftsmusik

Was Mitte der 80er Jahre noch Science-Fiction-Charakter hatte, wird jetzt Realität.

Wien (OTS) - Autos, die auf die richtige Fahrgeschwindigkeit aufmerksam machen, sich im Stau intelligent verhalten oder dem Lenker die wichtigsten Informationen auf die Windschutzscheibe projizieren. Und es kommt noch besser: In Kürze werden Fahrzeuge nicht nur vorzeitig Hindernisse auf der Fahrbahn erkennen, sondern auch Lenker vorm Einschlafen warnen, auf die richtige Spurhaltung achten und sogar mit einem Nahbereichsradar ausgestattet sein.

Vier Augen sehen besser als zwei! Das besagt schon ein altes Sprichwort. Warnende Hinweise über Stoppschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Fußgänger sind in Zukunft nicht nur dem Beifahrer vorbehalten. In Kürze könnte das die Elektronik übernehmen. Verkehrsströme lenken, leiten und sichern - das ist das Prinzip der Verkehrstelematik. GPS (Global Positioning System) und Multimedia-Applikationen machen es möglich. Eine interaktive Leitzentrale informiert den Fahrer über die gegebene Verkehrssituation, Tempolimits und eventuelle Gefahrenstellen.

Doch Information ist noch lange nicht alles. Viele der ausgeklügelten Systeme haben bereits die Möglichkeit, direkt in den Fahrprozess einzugreifen. Telematikapplikationen können beispielsweise mit "Intelligenter Geschwindigkeitsadaption" gekoppelt werden. Geschwindigkeitsübertretungen werden dann z.B durch einen erhöhten Gegendruck am Gaspedal signalisiert. Der Lenker behält jedoch weiterhin die Steuerungskompetenz.

Viele Hersteller bieten bereits serienmäßig intelligente Tempomaten an, die automatisch den Abstand zum Vordermann kontrollieren. Diese Abstandshaltefunktion ist jedoch durchwegs nur über einer Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h aktiv. Ergänzend dazu werden derzeit radargestützte Systeme entwickelt, die den Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 30 km/h abdecken. Entlastend wirken diese Systeme beispielsweise bei Staus, wo sie die Fahrtgeschwindigkeit automatisch an den Vordermann anpassen. Aber Vorsicht: Notbremsungen müssen auch in Zukunft selbst durchgeführt werden.

Futuristisch, technisch ausgereift aber nicht unumstritten sind sogenannte Head up displays. Damit werden dem Lenker die wichtigsten Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert. Der Vorteil:
Blicksprünge auf das Armaturenbrett werden vermieden und der Fahrer kann sich voll und ganz auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren. Vor allem ältere Menschen könnten durch dieses System jedoch irritiert werden, was das Unfallrisiko wiederum erhöht.

DI Klaus Machata vom österreichischen Kuratorium für Verkehrssicherheit ist mit den Vor- und Nachteilen der neuen Innovationen bestens vertraut: "Einerseits können diese Entwicklungen tatsächlich zu einer erhöhten Sicherheit beitragen. Andererseits verleiten manche dieser Sicherheitssysteme zu risikobereiterem Fahren. Viele Lenker klagen auch über mangelndes Fahrvergnügen."

Begrüßenswert seien, laut Machata, vor allem jene Systeme, die reine Information liefern, dabei aber nicht ablenken und nicht in das Fahrgeschehen eingreifen.

Genau auf diese Informationstätigkeit konzentriert sich die aktuelle Forschung. Beispielsweise werden sogenannte "Enhanced Night Visions" entwickelt, die auf Infrarotbasis Hindernisse auf der Fahrbahn frühzeitig erkennen sollen. Ähnlich einem Nachtsichtgerät wird die Wärmestrahlung von einer Kamera aufgenommen und das Bild z.B. auf die Windschutzscheibe projiziert. Unterstützend kann dabei aktiv ein Infrarotscheinwerfer eingesetzt werden. Ungeklärt ist jedoch, ob die Wärmebilder ständig oder nur in möglichen Gefahrensituationen aufscheinen sollen. Erforscht wird derzeit, wie das System Gefahrensituationen erkennen und beurteilen soll und inwieweit der Fahrer abgelenkt wird.

Informieren und warnen soll auch das "Lane Departure Warning". Die orschung konzentriert sich dabei auf die automatische Fahrspurerkennung. Das Endprodukt soll den Lenker bei unruhiger Spurhaltung oder unzulässigem Spurwechsel warnen oder sogar die Führung übernehmen. Aktuelle Systeme konzentrieren sich hauptsächlich auf die Auswertung von Kamerabildern, die vor dem Fahrzeug aufgenommen werden. Eine Führung via GPS ist mit heutigem Stand der Technik noch nicht möglich. Hauptproblem der Entwicklung ist die teilweise schlechte Markierung von Fahrspuren, insbesondere des Fahrbahnrandes. Auch Verschmutzungen, Regen oder Schnee können die exakte Funktion beeinträchtigen.

Ähnlich der Fahrspurerkennung soll die sogenannte Aufmerksamkeitskontrolle den Fahrer vor Übermüdung und damit vor z.B. dem Abkommen der Fahrbahn warnen. Hier überwacht eine Kamera nicht die Fahrbahn sondern den Augenlidschlag. Der wiederum ist Indiz für Ermüdungserscheinungen. Prinzipiell ist das System ausgereift und einsatzbereit, jedoch ist die richtige Anwendung eng mit dem menschlichem Verhalten verbunden - denn in der Regel wissen Kraftfahrer, dass sie übermüdet sind und eine Pause machen sollten.

Das Nahbereichsradar ist eine Entwicklung, die der Knight Rider-Vision der 80er Jahre tatsächlich nahe kommt. Nahbereichsradare rund um das Fahrzeug sollen wesentlich zur Erhöhung des Verkehrssicherheit beitragen. Sie schaffen in Zukunft eine Art Überwachungsgürtel, der sowohl bewegliche als auch statische Hindernisse erkennt. Anhand dieser Daten wird das Fahrzeug auf einen möglichen Crash vorbereitet und der Fahrer gewarnt. Notbremsung, Gurtstraffer, Airbag oder auch eine aktive Motorhaube zum Schutz von Fußgängern könnten so frühzeitig aktiviert werden. Sogar eine Kommunikation der Fahrzeuge untereinander - für eine automatische Warnung - wird angedacht.

Diese intelligenten Features erhöhen Fahrkomfort und Sicherheit -menschliches Versagen soll minimiert werden. Wer die Haftung übernimmt, wenn die Technik doch einmal versagen sollte, ist allerdings noch nicht geklärt.

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