Suizid, Körperverletzung, Mord und Totschlag:

Österreich ist keine "Insel der Seeligen". "Sicher Leben" fordert mehr Gewaltprävention in Österreich!

Wien (OTS) - Mehr als die Hälfte der Österreicher empfinden (leichte) Ohrfeigen bei Kindern als angebracht, 5 Prozent aller Kinder werden mit Stöcken oder anderen "Maßregelungsgegenständen" geschlagen. Laut Schätzungen werden 10 Prozent aller Kinder und 20 Prozent aller Frauen Opfer sexuellen Missbrauchs, ebenso viele Frauen erleiden körperliche Gewalt. Alarmierend ist auch die Selbstmordrate:
Österreich verzeichnet mit jährlich rund 1500 Suizidopfern mehr Tote als im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz zusammen und rangiert derzeit auf Platz 13 der EU-15.

Verglichen mit anderen Ländern, hat Österreich keine schlechten Karten: Krieg oder blutige Bürgerkonflikte sind kein Thema, bei Mord und Totschlag belegt Österreich Platz Fünf im EU-Ranking. Dennoch zählt Gewalt zu den wichtigsten, ständig wachsenden Problemen. Vor allem Gewalt in der Familie, sexueller Missbrauch und Gewalt zwischen Jugendlichen geben österreich- und europaweit Grund zur Sorge: Neben körperlichen Schäden leiden Betroffene an seelischen Folgen - von Einschränkungen der Lebens- und Liebensfähigkeit bis hin zu seelischen Krankheiten und Produktivitätsverslust. Insgesamt nehmen Gewaltopfer langfristig mehr medizinische Versorgungsleistung in Anspruch - die dadurch entstehenden Gesundheitskosten sind enorm.

Trotz der bereits umgesetzten Präventionsmaßnahmen gegen fremde Gewalt (z.B. Verbot körperlicher Bestrafung von Kindern, Kinderschutzgruppen in Krankenhäusern, Betretungsverbot für gewalttätige Lebenspartnern, Interventionsstellen gegen Gewalt an Frauen, Jugendpolizei oder Schulprogramme zur gewaltfreien Lösung von Konflikten) sind Fälle von beabsichtigter Körperverletzung häufig. Problematisch sei, laut "Sicher Leben", die schwer abzuschätzende Dunkelziffer, denn die meisten Gewaltverbrechen passieren hinter verschlossenen Türen.

Diese alarmierenden Zahlen rufen nun Präventionsforscher auf den Plan. Konkret sollen in Österreich fünf aktuelle Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, WHO, umgesetzt werden. Das Fünf-Punkte-Programm strebt in erster Linie einen nationalen Aktionsplan auf Regierungsebene an, in den alle Ressorts einbezogen werden. Dieser soll eine Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen erleichtern und konkrete Ziele innerhalb eines fixen Zeitplanes verfolgen. Ein Hauptziel ist die regelmäßige statistische Erfassung von Dunkelziffern (z.B. durch streng anonymisierte Analysen von Verletzungsmustern). Hand in Hand damit geht der Ausbau entsprechender Forschungseinrichtungen sowie die Sicherstellung der Behandlung und Rehabilitation der Opfer.

Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben" und Präsident der 7. Weltkonferenz für Verletzungsverhütung: "Um das zu erreichen muss mehr Geld in Prävention investiert werden. Prävention soll generell fixer Bestandteil der Aufgaben von Medizin, Exekutive, Wohlfahrt und Schule werden."

Als weitere Maßnahme fordert "Sicher Leben" entsprechende Schulungen von Ärzten, Wohlfahrtseinrichtungen und Lehrern zur Früherkennung von Gewalt. Auch Schulprogramme zur Aufklärung über sexuellen Missbrauch sowie zur gewaltfreien Konfliktlösung, professionelle Kinderschutzgruppen und Interventionszentren müssten dringend ausgebaut werden.

Detailinfos zum Thema Gewalt finden Sie auch im WHO World Report on Violence and Health:
http://www.who.int/violence_injury_prevention/violence/world_report/w
rvheng/en/

Südafrika hat ein vorbildliches Programm zur Gewaltprävention umgesetzt: Am 9. Juni 2004 steht Ihnen die südafrikanische Gesundheitsministerin Dr. Manto Tshabalala-Msimang für Interviews zur Verfügung.

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