"Abstiegskarrieren" im Alter: Arbeitslos und krank

Wien (OTS) - ARMUTSKONFERENZ präsentiert Leseheft
"Arbeitslosigkeit kann jeden treffen" und fordert Maßnahmen gegen die Spirale Einkommensverlust, prekäre Jobs und Krankheit. Das Anti-Armutsnetzwerk weist auf die europäische Lissabon-Strategie hin:
Wer von Lissabon spricht, kann zu sozialem Zusammenhalt, besseren Arbeitsplätzen und Armutsvermeidung nicht schweigen.

"Mehr als 50% der Pensionsberechtigten sind bereits arbeitslos oder krank bevor sie in Pension gehen", weisen die SozialexpertInnen der ARMUTSKONFERENZ, anlässlich der Präsentation des Leseheftes "Arbeitslosigkeit kann jeden treffen", auf die zunehmenden Abstiegskarrieren von Arbeitslosen im Alter hin.

"Beträchtlich angestiegen ist für ältere Menschen die Verweildauer in Arbeitslosigkeit", so der Sozialexperte Martin Schenk von der Diakonie. War eine 55jährige Frau im Mai 2003 durchschnittlich schon 173 Tage arbeitslos, so ist sie dies im Mai 2004 bereits für 194 Tage. Das sind 21 Tage mehr, ein Anstieg um 12,2%. Bei den über 60Jährigen ist die durchschnittliche Verweildauer sogar um 97,4% gestiegen. Besonders bei den Langzeitarbeitslosen sind mittlerweile 10.000 über 50jährige gemeldet. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 20%.".

Das Risiko abzustürzen ist gestiegen, auch für Leute, die es sich für ihr Leben nie gedacht hätten. Wie wir in unseren Beratungsstellen und Sozialprojekten mit über 100 000 Hilfesuchenden im Jahr sehen, sind die Familien von existentiellem Einkommensverlust betroffen. Die aussichtslose Suche nach einem Job und der existenzielle Stress wirken sich auch auf das Krankheitsrisiko aus: 36% aller Langzeitarbeitslosen weisen mäßigen oder schlechten Gesundheitszustand auf., so Schenk.

"In der Statistik des AMS scheinen zwei Gruppen von Betroffenen gar nicht auf.", analysiert die Expertin Dagmar Andree vom Oberösterreichischen Armutsnetzwerk. "Dies sind Personen, die sich in Krankenstand befinden und die, die Pensionsvorschuss erhalten. Vor allem die Gruppe der VorschussbezieherInnen ist enorm im Steigen. So kam es von Jänner 2003 bis Jänner 2004 zu einem Zuwachs von 10.461 Personen auf 29.117 BezieherInnen; das ist eine Steigerung um 56,07%.", so Andree.

Arbeitslosigkeit steigt und zu viele schauen zu. Armutsvermeidung ist in einem der reichsten Länder alleinig eine Frage der politischen Prioritäten. Im Jahr 2003 zahlten die Versicherten 4 Mrd Euro für die Arbeitslosenversicherung ein. 3 Mrd Euro wurden für Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung ausgegeben und 691 Mio Euro für Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Überschüsse zwischen 2001 und 2003 wurden hingegen vom Finanzminister abgeschöpft.

Den ersten Satz kennen alle: "Das Ziel die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen" den Nachsatz verschweigen alle:
"ein Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen." Die Erklärung von Lissabon im März 2000 konkretisiert weiters: "Die Zahl der Menschen, die in der Union unterhalb der Armutsgrenze leben ... kann nicht hingenommen werden. Es muss etwas unternommen werden, um die Beseitigung der Armut entscheidend voranzubringen ..."

"Die Ziele von Lissabon umfassen bessere Arbeitsplätze, was Maßnahmen gegen die steigende Zahl von "working poor" verlangt, also nicht Arbeit um jeden Preis, sondern zu Löhnen, von denen man auch leben kann.", analysiert Sozialexperte Schenk. "Und Armut kann nicht einfach hingenommen werden bei Pensionsreformen oder Budgetpolitik". Schenk: Wer von Lissabon spricht, kann zu sozialem Zusammenhalt, besseren Arbeitsplätzen und Armutsvermeidung nicht schweigen.

"Das Leseheft will Hintergründe beleuchten, Vorurteile abbauen und Zusammenhänge herstellen.", erläutert der Volkswirt Heinz Zauner vom Armutsnetzwerk. "In einer Startauflage von 20.000 Stück wird es in Schulen, Betrieben, Pfarrgemeinden und bei allen Interessierten zum Einsatz kommen."

DIE ARMUTSKONFERENZ. Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. http://www.armut.at

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