"Der Aufstand der Kleinen" von Evelyn Holley-Spiess

Kommentar Samstag-Ausgabe

Wien (OTS) - Die Gegenwehr der Fleisch- und Wurstproduzenten gegen den Handelsriesen Billa ist in mehrfacher Weise beachtlich: Die Branche steht mit dem Rücken zur Wand im heurigen Jahr schreibt sie bisher Verluste. Dass sich die Betriebe unter diesen Umständen mit einem ihrer grössten Abnehmer anlegen, zeigt die neue Qualität bei den aktuellen Preisverhandlungen: Vor das Ultimatum gestellt, zu den bisherigen Bedingungen (also ohne Preiserhöhung) weiter zuliefern oder mit Artikeln aus der Fleischtheke zu fliegen, wählten erstmals mehrere Produzenten die zweite Variante. Der Aufstand ist überfällig. Denn hinter der Auseinandersetzung steht einmal mehr das fanatische Preisdumpen im Lebensmittelhandel, bei dem nicht nur die Lieferanten drauf zahlen, sondern längst auch der Konsument. Die zwei Platzhirsche Billa und Spar sind mittlerweile weniger mit dem Endverbraucher beschäftigt als mit dem jeweiligen Gegenüber. Begeht der eine das 50-jährige Jubiläum, feiert der andere aktionsbewusst , dass er schon 51 Jahre alt ist. Erst kürzlich trugen die beiden Ketten über die Medien einen befremdlichen Streit aus, bei dem sich jeder zum Wachstumssieger im ersten Quartal des Jahres ernannte. Die Schlacht im gegenseitigen Unterbieten hat dabei gravierende Folgen schliesslich kommen Rewe Austria (Billa, Merkur, Penny/ Mondo) und Spar gemeinsam auf einen ungesunden Marktanteil von 71 Prozent. Diese Macht spüren in erster Linie die Produzenten. Der aktuelle Streit mit der Fleischbranche ist aber nur eine Facette. Schon vor der Osterweiterung wurden Lieferanten mit dem Hinweis unter Druck gesetzt, dass Produkte aus den neuen EU-Staaten billiger sind. Und das Thema Handels-Eigenmarken, die zumeist günstiger angeboten werden als Markenartikel, ist ein Dauerbrenner. Die Hersteller stehen nach den jüngsten Preisgesprächen einmal mehr vor der Herausforderung, sich von der hoch konzentrierten heimischen Lebensmittelbranche unabhängiger zu machen. Der Tiroler Speck-Produzent Handl etwa hat zwei Rezepte: Hohe Exportquote und breit gestreuter Kundenstock. Der grösste Abnehmer soll maximal zehn Prozent des Umsatzes bringen. Aber auch die Konsumenten können sich gegen das Verschwinden von Artikeln wehren: Der Neuburger Leberkäse, der mit seinem Ausstieg bei Billa die Diskussion ins Rollen gebracht hat, ist aufgrund reger Nachfrage zumindest bei Merkur weiter gelistet.

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