Österreich braucht die Wohnbauförderung

Jahrestagung der Gemeinnützigen mit "starken" Argumenten für die Wohnbauförderung

Wien (OTS) - Mit Blickpunkt auf die kommenden Verhandlungen zum Finanzausgleich stand der Verbandstag der Gemeinnützigen Wohnungswirtschaft Österreichs am 3. Juni im Wiener Messe Congress Center ganz im Zeichen eines Plädoyers für die Beibehaltung der Wohnbauförderung.

In drei Fachreferaten zeigten Experten aus unterschiedlichem Blickwinkel wesentliche Aspekte zur Funktion und Wirkungsweise des heimischen WBF-Systems auf.

Für Univ.Prof. Dr. Ewald Nowotny bedarf vor allem der Wohnungsmarkt mit seiner Besonderheit der Wohnung als existentielles Gut für den Nutzer und gleichzeitig langfristiges Wirtschaftsgut eines starken öffentlichen finanziellen Engagements, um Fehlentwicklungen und Mängel in der Wohnversorgung zu verhindern. Der prominente Ökonom plädierte - im Licht internationaler Erfahrungen -vor allem für eine Beibehaltung des bestehenden Miteinanders von Objektförderung und ergänzender Subjektförderung. Eine reine Subjektförderung, wie etwa in Großbritannien, käme volkswirtschaftlich nicht nur teuer zu stehen, sondern hätte auch negative Folgen für die soziale Kohärenz einer Gesellschaft. Der Idee einer Konzentration von finanziellen Wohnhilfen auf die sozial Schwächsten erteilte der Ökonom eine eindeutige Abfuhr: "Services for the poor tend to become poor services".

Karl Czasny vom Institut für Stadt- und Regionalforschung zeigte anhand einer internationalen Vergleichsstudie, dass es in Österreich gelungen ist, durch die Förderung eine ausgewogene Wohnkostenstruktur zu etablieren, die zunehmend "Armutsrisken abfedert".

Messbar und nachweislich wäre, dass unser Förderungssystem eine soziale Durchmischung im Wohnbereich ermöglicht, "Ghettoisierungseffekte" vermeiden hilft und damit auch einen Beitrag zum sozialen Frieden leistet. So würden etwa im EU-Mittel 21 Prozent der "ärmeren Haushalte" in "Wohnquartieren leben, in denen Kriminalität und Vandalismus" registriert werden, in Österreich sind es nur 7 Prozent.

DDr. Michael Landau, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien verwies vor allem auf den hohen Wert leistbaren Wohnens für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. In der Arbeit der Caritas zeige sich überdies tagtäglich, wie sehr gerade für diejenigen, die es im Leben "ein wenig schwerer haben als der Durchschnitt" die Wohnung eine Voraussetzung sei, sich in der Gesellschaft zu integrieren. Landau sprach sich für eine Beibehaltung der bisherigen Dotation der Wohnbauförderung aus und erhofft sich im Rahmen eines "Rechts auf Wohnen" künftig eine stärkere Beachtung der Wohnprobleme von Randgruppen und sozial Bedürftigen.

Auch die drei Nationalratsabgeordneten und Wohnbau-Experten Walter Tancsics (ÖVP), Dietmar Hoscher (SPÖ) und Gabriele Moser (Grüne) signalisierten hohe Wertschätzung und Unterstützung für eine weiterhin leistungsfähige Wohnbauförderung, die sich in ihren "sozialen und wirtschaftlichen Zielsetzungen bestens bewährt hat".

GBV-Obmann Karl Wurm wandte sich in seinem Grundsatzreferat vor allem gegen jene neoliberale Tendenz, unter den Slogans von "schlanker Staat, Privatisierung und Deregulierung" Fragen von höchster Priorität wie "Beschäftigung, Sicherung eines ausreichendes Einkommens und der Lebensqualität durch leistbares und sicheres Wohnen" aus dem politischen Diskurs auszublenden. Die Wohnbauförderung wäre "bei vergleichsweise geringen Kosten nach wie vor ein unverzichtbarer Faktor für eine funktionierende Gesellschaft im Gleichgewicht".

Klaus Lugger, Aufsichtsratvorsitzender des Dachverbandes der Gemeinnützigen und Herbert Ludl, Chef der Landesgruppe Wien, verwiesen in ihren Statements darauf, dass die Kombination von Wohnungsgemeinnützigkeit und Wohnbauförderung die optimale Voraussetzung bietet, der wieder steigenden Wohnungsnachfrage zu begegnen. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Wohnbauförderungsmittel nicht reduziert werden.

Neuwahlen im GBV-Dachverband

In der Mitgliederversammlung der 192 gemeinnützigen Bauvereinigungen aus ganz Österreich am 2.6. erfolgte satzungsgemäß die Neuwahl der Verbandsorgane.

Als Verbandsobmann für eine dreijährige Funktionsperiode wurde Mag. Karl Wurm, Geschäftsführer von Gewog/Neue Heimat, Wien, wiedergewählt. Neuer Obmann-Stellvertreter im aus vier Personen bestehenden Verbandsvorstand wurde Dr. Herbert Teuschl, Chef der Gesellschaft für den Wohnungsbau, Linz.

Dem Vorstand gehören weiters Prof. Dr. Herbert Ludl, Generaldirektor der Sozialbau, Wien und Dir. Karl Blahna, Obmann der Genossenschaft "Frieden", Wien, an.

Als Aufsichtsratsvorsitzender wurde Prof. Dr. Klaus Lugger, Chef der "Neue Heimat Tirol" wiedergewählt. Sein Stellvertreter ist Frank Schneider, Direktor der LAWOG, Linz.

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