"Tourismusbranche erstaunlich stabil und krisenfest"

Reiserechts-Symposium des Reisebüro-Fachverbandes im Haus der Wirtschaft - Rasch zunehmende Bedeutung der Internet-Buchungen

Wien (PWK397) - "Die Tourismusbranche steht vergleichsweise gut
da und entwickelt sich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Sie ist erstaunlich stabil und krisenfest", erklärte Prof. Ferry Stocker (Fachhochschule Wiener Neustadt) in seinem Einleitungsreferat zum heute, Freitag, im Haus der Wirtschaft stattfindenden Reiserechts-Symposium. Bei der vom Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich, Komm.Rat Edward Gordon, eröffneten Tagung diskutieren Experten aus Österreich und Deutschland unter dem Motto "Reise ins Ungewisse" das aktuelle internationale "Reiserecht in einem geänderten Umfeld".

Auch durch Krisen und Unglücke, wie beispielsweise nach Terroranschlägen, SARS oder Erdbeben, werde das "Grundbedürfnis der Menschen nach Reisen" nicht reduziert. Es kommt allenfalls zu kurzfristigen Änderungen und Umlenkungen der Reiseströme, begründete Stocker seinen optimistischen Ausblick. Während Unsicherheiten im Reformprozess (Beispiel Deutschland) die gesamtwirtschaftliche Dynamik lähmen, sei die touristische Nachfrage davon weniger betroffen.

"Tourismus ist eine Branche in der sich permanent viel tut". Besondere Impulse erwartet Stocker in nächster Zeit durch die neuen EU-Mitglieder und das Vordringen des Internets. Österreich gehöre mit Deutschland und Italien auch im touristischen Bereich zu den Hauptgewinnern der EU-Erweiterung.

Trotz schwieriger wirtschaftlicher Umstände habe sich der österreichische Tourismus auch 2003 sehr gut entwickelt. Die Ankünfte ausländischer Gäste stiegen um 2,5 Prozent auf 19,1 Millionen, Österreichs Marktanteil am europäischen Tourismus erhöhte sich auf 5,7 Prozent (2000: 5,1 Prozent, 2001: 5,4 und 2002 5,5 Prozent). Während das reale BIP-Wachstum bei 07, Prozent lag, expandierte die heimische Gastronomie um 1,3 Prozent. Die direkte und indirekte Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Österreich liegt bei einem BIP-Anteil von 17,9 Prozent ((2001: 17,6 Prozent).

"E-Commerce" ist in der Touristik sehr verbreitet und zeigt hier die stärksten Zuwachsraten, führte Stocker weiter aus. Die Grenzen zwischen "online" und "offline" verschwimmen zusehends. Die Folgen sind eine abnehmende Bedeutung von Pauschalreisen und die zunehmende Relevanz der Individualisierung ("Eigenerlebnis"), weiters ein starker Kostendruck aufgrund erhöhter Transparenz sowie eine Änderung der Anbieterstruktur. In wenigen Jahren, schätzt Stocker, wird jede zweite Reisebuchung über das Internet erfolgen.

Mit den Rechtsgrundlagen der Internetbuchung befasste sich in einem weiteren Referat Dr. Manfred Günanger von der Rechtspolitischen Abteilung der WKÖ. Wie Grünanger u.a. ausführte, ist eine Vielzahl nationaler und internationaler Rechtsvorschriften zu beachten, wie z.B. das E-Commerce-Gesetz, Fernabsatz-Gesetz, Konsumentenschutzgesetz, Urheberrecht, das Internationale Privatrecht (IPR) sowie EU-spezifische Regelungen. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass alle Rechtsvorschriften, die für den offline-Bereich gelten, auch für den online-Bereich zu beachten sind.

Bei missbräuchlicher Verwendung von Zahlungskarten (Kreditkarten) habe der Kunde ein Rückbuchungsrecht. Wichtig ist das "Fernabsatz-Gesetz", das die Informationspflichten vor Vertragabschluss definiert (§ 5 KSchG) und auch über das Rücktrittsrecht Auskunft gibt (7 Werktage ohne Begründung ab Bestellung der Dienstleistung, wobei es jedoch u.a. Ausnahmen für Freizeitdienstleistungen gibt). (hp)

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