Wien benötigt mehr geriatrisch ausgebildete Ärzte und diplomiertes Pflegepersonal

Dorner: "Spezielle geriatrische Ausbildung könnte den Personalmangel schmälern"

Wien (OTS) - Speziell geriatrisch ausgebildete Ärztinnen und Ärzte und mehr diplomiertes Pflegepersonal ist für die umfassende Pflege der ungefähr 4800 Patienten in den Geriatriezentren der Stadt Wien unbedingt erforderlich. Ärztekammerpräsident Walter Dorner: "Eine Ausbildung mit dem Schwerpunkt Geriatrie würde gleichzeitig die Versorgung der Patienten qualitativ verbessern und den Personalmangel zumindest teilweise ausmerzen."

Geriatrisch ausgebildete Mediziner müssen in Physikalischer Therapie, Rehabilitation, Diabetologie sowie Neurologie und Psychiatrie geschult sein, da die Patienten multimorbid sind und aus vielschichtiger medizinischer Sicht behandelt werden müssen. "Viele Patienten leiden gleichzeitig an Morbus Alzheimer und Diabetes mellitus sowie an peripheren Durchblutungsstörungen", so Dorner. Im Geriatriezentrum Baumgarten gebe es beispielsweise eine Memory Station, an der Patienten mit Demenz behandelt würden. Für diese ist prinzipiell eine Neurologin als betreuende Ärztin verantwortlich. Doch aufgrund des speziellen Krankheitsbildes müssten diese Patienten Tag und Nacht ärztlich betreut werden, und dafür sind derzeit nur zwei Psychiater beziehungsweise Neurologen für 30 Stationen gleichzeitig verantwortlich.

Geriatriezentren in geriatrische Spitäler aufwerten

Die Geriatriezentren in Wien müssten in geriatrische Spitäler aufgewertet und nicht zu ausschließlichen Heimen degradiert werden. Dorner: "In Heimen ist nur fallweise ärztliches Personal am Tag anwesend, in der Nacht muss eine Pflegeperson alleine reichen." Die Geriatrie sei eine eigene, sehr betreuungsintensive medizinische Disziplin, die einer speziellen ärztlichen Fachrichtung bedarf.

Um die Pflege der Patienten auch in vollem Maße zu gewährleisten, müssten mehr speziell ausgebildete Ärztinnen und Ärzte in den geriatrischen Spitälern arbeiten. Ein Beispiel dafür ist das "Haus der Barmherzigkeit", das aber nicht zu den Städtischen Geriatriezentren zählt. Dorner: "Hier können Turnusärzte an der Internen Abteilung ihre Ausbildung absolvieren und sich Kenntnisse in geriatrischer Behandlung aneignen." Dies sei auch für die Behandlung im niedergelassenen Bereich von Vorteil.

Dorner weiter: "Auch für die Nachbehandlung geriatrischer Patienten im niedergelassenen Bereich, die auf Dauer nicht im Geriatriezentrum bleiben können, muss gesorgt sein. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass auch die Allgemeinmediziner eine Grundausbildung in Geriatrie erhalten. Optimal wäre es, wenn ein Teil des Turnus zwingend in einem geriatrischen Spital zu absolvieren ist."

Das im Jahre 1989 eingeführte Geriatriediplom der Österreichischen Ärztekammer sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun müsse man Initiativen zur weiteren Spezifizierung im Bereich geriatrischer Medizin setzen, betonte Dorner. "Es wäre auch höchst an der Zeit, mit der Arbeit des geriatrischen Pflegepersonals objektiver umzugehen und diese nicht ständig als Prügelknaben der Geriatrie abzuwerten. Nicht jeder Misstand könne dem Pflegepersonal und den Ärzten in die Schuhe geschoben werden", so Dorner abschließend. (bb)

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