"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Lächeln statt rauchen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 03.06.2004

Wien (OTS) - Gesundheitsministerin Rauch-Kallat ist mit Krankenkassen und Ärzten wegen der Änderung der Chefarztpflicht übers Kreuz, die Streitereien um Gesundheitsreform und Kassensanierung sind auch nicht gerade ein Ruhmesblatt für ihre Amtsführung. Die geplante Chipkartengebühr von zehn Euro für Arztbesuche ist ebenso wenig populär wie die angekündigten Selbstbehalte.
Da liegt ein Ablenkungsmanöver nahe: Über das von der Frau Minister propagierte Rauchverbot am Arbeitsplatz lässt sich trefflich streiten, ohne dass gleich ihre Kompetenz in Frage steht. Dabei wäre alles so einfach: Höflichkeit und Anstand gebieten, seine Mitmenschen weder am Arbeitsplatz noch sonst mit Rauch, Lärm oder Gestank zu belästigen. Da braucht es kein zusätzliches "Nichtraucherschutz-Gesetz".
Zudem gilt in Österreich ohnehin die Grundregel, dass alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist; um Ärger mit der Obrigkeit zu vermeiden, wird allerdings traditionell kaum kontrolliert. In Italien dagegen ist im Prinzip alles erlaubt - auch das, was eigentlich verboten ist; das Leben funktioniert trotzdem ziemlich reibungslos.
Vielleicht regt die Diskussion zum Nachdenken über das Paffen am Arbeitsplatz an; dann war sie sinnvoll. Ansonsten genügt ein mildes Lächeln über den ministeriellen Eifer - was im Übrigen weit gesünder ist, als vor Ärger über staatliche Bevormundung wütend zur Zigarette zu greifen.

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