ÖGB-Ledwinka: Frauen tragen Folgen der katastrophalen Arbeitsmarktpolitik

Vereinbarkeit von Beruf und Familie fehlt

Wien (ÖGB) - Gestern erntete die Regierung eine Rüge von der EU-Kommission wegen der fehlenden Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich, heute sind es die Arbeitsmarktdaten, die klar auf die verfehlte Regierungspolitik hinweisen: Die Arbeitslosigkeit der Frauen ist im Mai gegenüber dem Mai des Vorjahres neuerlich gestiegen, um 1.542 Personen auf insgesamt 99.046. Besonders besorgniserregend ist dabei der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Haupterwerbsalter. "Es fehlen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Immer mehr Frauen landen deshalb nach der Babypause direkt in der Arbeitslosigkeit", sagt ÖGB-Bundesfrauensekretärin Sylvia Ledwinka. Die ÖGB-Frauen fordern die Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und mehr Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik.++++

"Die Beschäftigungsmisere ist noch größer als die offiziellen Arbeitsmarktdaten vermuten lassen. Denn viele Frauen arbeiten mittlerweile unfreiwillig in Teilzeitjobs oder anderen atypischen Beschäftigungen, die nicht existenzsichernd sind", sagt Ledwinka. Auf die fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben die ÖGB-Frauen wiederholt hingewiesen. Auch eine Studie des Wifo im Auftrag der AK habe bereits vor Monaten gezeigt, dass das Kindergeld zu einem längeren Fernbleiben der Mütter vom Arbeitsmarkt und in Folge zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit der Wiedereinsteigerinnen geführt hätte. "Nun bestätigt auch die EU-Kommission unsere Kritik. Die Regierung muss endlich aufwachen und Verbesserungen für die Frauen in Angriff nehmen", sagt Ledwinka.

Die ÖGB-Frauen fordern eine Reform der Zuverdienstgrenze beim Kindergeld. Wer sich für eine Reduzierung der Arbeitszeit entscheidet, für den soll, wie bei der früheren Teilzeitkarenz, keine finanzielle Zuverdienstgrenze gelten. Zudem sollen Eltern wählen können zwischen dem Kindergeld in der bisherigen Form und einem Kindergeld, das höher ist, aber dafür für kürzere Zeit bezahlt wird. "Dringend nötig ist auch der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Nach wiederholter internationaler Kritik am unzureichenden Betreuungsangebot in Österreich soll sich die Regierung endlich von ihren Lippenbekenntnissen zur Familienfreundlichkeit verabschieden und Gelder zur Verfügung stellen", sagt Ledwinka. Zusätzlich verlangen die ÖGB-Frauen mehr Mittel für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und die Qualifizierung der Wiedereinsteigerinnen. (mfr)

ÖGB, 2. Juni
2004
Nr. 380

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