Kossina: Verbesserter Donauhochwasserschutz für Wien

100 Millionen Euro-Projekt sichert Hochwasser- und Umweltschutz

Wien (OTS) - Insgesamt 100 Millionen Euro sollen ab 2005 in den verbesserten Ausbau des Donauhochwasserschutzes investiert werden. In den kommenden zehn Jahren soll das Projekt am linken Ufer der Donau vom Hafen Lobau bis zum Schönauer Schlitz und am rechten Ufer vom Bereich Hafen Albern bis zur Schwechat-Mündung realisiert werden. Damit würde das Projekt "Verbesserter Donauhochwasserschutz", das bereits mit dem Bau der Donauinsel begonnen hat und am Mittwoch im Rahmen eines Mediengespräches mit DI Isabella Kossina vorgestellt wurde, fortgeführt.

Der Baudirektor der Stadt Wien, Dipl. Ing. Gerhard Weber, betonte, dass der heute bereits bestehende Donauhochwasserschutz für diese Abschnitte einem 100-jährigen Hochwasserereignis entspricht, das sind zirka 10.500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Dieser Schutzgrad sei für Städte in Österreich die Regel. Ziel des "Verbesserten Donauhochwasserschutzes für Wien" sei es nun, ein Hochwasser von bis zu 14.000 Kubikmeter Wasser - das entspricht in etwa dem Inhalt von sieben Schwimmbecken mit olympischen Ausmaßen -pro Sekunde in der Donau schadlos abführen zu können. Im Jahr 2002 erreichte das Hochwasser in Wien den Höchststand seit 1890.

"Dieses Umweltprojekt wird neben dem verbesserten Hochwasserschutz aber auch für Vegetation und Artenvielfalt in der Lobau erfreuliche Auswirkungen haben", unterstrich Umweltstadträtin Dipl. Ing. Isabella Kossina. "Über zwei neue Wehranlagen soll dem sensiblen Ökosystem in Zukunft ausreichend Wasser zugeführt werden. Der verbesserte Donauhochwasserschutz sorgt zum einen für einen gefahrlosen Abfluss von großen Donauhochwässern, zum anderen wird das Naturparadies Lobau für die nächsten Generationen gesichert, indem zusätzliche Wassermengen in die Untere Lobau gelangen. Eine harmonische Verbindung von Hochwasser- und Umweltschutz", so die Umweltstadträtin.

Allein am Marchfeldschutzdamm gibt es 300 Pflanzenarten. Der Lebensraum und die Artenvielfalt kann durch das Projekt Hochwasserschutz noch größer werden. Heute gibt es in der Lobau Schilf- und Wasservögel, Libellen, Fische und so seltene Arten wie den Eisvogel und den Wachtelkönig. Aber auch die wichtigen Trockenrasen und Orchideenbestände sowie die Wasserpflanzen in den Altarmen ergeben die breite Vielfalt in der Lobau.

Kossina: Bund hat Verpflichtung zur Förderung

Kossina betonte, dass für die Umschließung der Lobau notwendige Geldmittel - 50 Prozent der Gesamtsumme - im Sinne eines Lastenausgleichs auch vom Bund zugesagt werden müssen. Kossina: "Ich gehe davon aus, dass der Bund die Förderung auch für diesen Letztabschnitt des Wiener Hochwasserschutzes einhält. Das Projekt 'Verbesserter Donauhochwasserschutz für Wien' wurde vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft 1970 wasserrechtlich genehmigt und zu einem großen Teil bereits von Wien realisiert. Nun soll es fertig gestellt werden. Die Zusage vom Verkehrsminister sollte so rasch wie möglich, spätestens aber im Herbst erfolgen."

Derzeit werde bereits die Obere Lobau im Bereich Mühlwasser "dotiert", das heißt, es wird Wasser aus der Neuen Donau in das Altarmsystem der Donau-Auen eingeleitet. Dadurch konnten bereits ausgetrocknete Altarme reaktiviert werden und Lebensraum für die typische Flora und Fauna der Donau-Auen geboten werden. In Zukunft wird dieses System noch ausgeweitet.

Nationalpark-Verwaltung in Planungen eingebunden

Nationalparkdirektor Mag. Carl Manzano wies darauf hin, dass in den letzten Jahren im Rahmen eines interdisziplinären Arbeitskreises und durch das gerade abgeschlossene LIFE-Projekt wesentliche ökologische Grundlagen und Vorgaben für den Hochwasserschutz Wien gemeinsam erarbeitet worden sind: "Entscheidend ist, dass die neuen Wehre so gebaut werden, dass alle Möglichkeiten für eine regelmäßige Dotation der Lobau gegeben sind und bei den Dammverdichtungen der Grundwasser-Zustrom in die Lobau nicht beeinträchtig wird."

Auch Forstdirektor Dipl. Ing. Andreas Januskovecz, als Leiter der MA 49 - Forstamt zuständig für die Betreuung der Wiener Nationalparkflächen des Nationalparks Donau-Auen, steht dem Hochwasserschutzprojekt in der aktuell geplanten Form positiv gegenüber: "Damit wird eine Verbesserung der Auendynamik erreicht." Basis für ein funktionierendes Auen-Ökosystem ist die Dynamik sowohl des Grundwassers als auch des oberflächlichen Fließgewässers. Das heißt, neben schwankenden Grundwasserständen sind auch Durchströmungen der Grabensysteme und zeitweilige Überschwemmungen -als Auslöser von Erosion und für Sedimentationen - von höchster ökologischer Bedeutung. Beide Prozesse, vor allem die Erosion, erfolgen derzeit nur unzureichend und bedingen so natürliche Verlandungen in der Au.

Januskovecz: "Im Rahmen des verbesserten Donauhochwasserschutzprojektes wird durch die Schaffung von beweglichen Wehren im Marchfeldschutzdamm schon bei niederen Wasserständen die Möglichkeit für das Einströmen von Oberflächenwasser und das Durchströmen der Gräben, ihrem natürlichen Lauf folgend, geschaffen." Der langsamen, wegen der geringen Dynamik des Fließgeschehens bedingten, Austrocknung der Au werde so im gesamten Bereich der Unteren Lobau bis zum Schönauer Schlitz entgegengewirkt. Langfristig führe dies zu positiven Effekten die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt betreffend. Der Wiener Forstdirektor fasst die positiven Auswirkungen des Projekts für die Au zusammen:

o Erhaltung von auch nach EU-Recht (FFH) geschützten Lebensräumen, etwa Weichholzau, aquatischen Lebensräumen und Pionierstandorten als Lebensgrundlage der besonderen Tiere und Pflanzen der Au o Stoppen der bisherigen Verlandungen o Langsame Ausspülung bisheriger Sedimente o Kleinräumige Wiederherstellung dynamischer Gegebenheiten

Die Arbeiten im Detail

In einem ersten Schritt wird die Donauhochwasserschutzkonkurrenz (DHK) im Zuge ihrer Erhaltungsverpflichtung die Wiederherstellung der Standfestigkeit des Hafenumschließungsdammes Lobau und des Marchfeldschutzdammes durch geeignete Maßnahmen (z.B. Rütteldruckverdichtung, Spundwand, etc.) realisieren.

Möglichst gleichzeitig wird die Stadt Wien den Ausbau (Erhöhung) des Hafenumschließungsdammes Lobau bis zum Schwarzen Loch auf 14.000 Kubikmeter pro Sekunde Abfluss in der Donau vornehmen.

In einer dritten Phase, die die Ausleitung eines Teiles des Hochwassers in die Untere Lobau über zwei zu errichtende Wehranlagen (Schwarzes Loch und Lausgrund) vorsieht, ist der Schönauer Rückstaudamm entsprechend dem Hochwasserspiegel in der Lobau zu erhöhen.

Ab dem Uferhaus wird in Verlängerung des Schönauer Rückstaudammes ein niedriger Umschließungsdamm um die Obere Lobau geführt. Zur Rückführung der ausgeleiteten Hochwässer muss der Schönauer Schlitz wesentlich aufgeweitet werden.

Der Marchfeldschutzdamm selbst muss aufgrund seines Zustandes einer Wasserführung in der Donau von 12.000 Kubikmeter pro Sekunde angepasst werden.

Zusätzlich sind geringe Erhöhungen des Umschließungsdammes Tanklager Lobau und singuläre Baumaßnahmen, wie z.B. Umbaumaßnahmen Trinkwasserwerk; Mobiler Hochwasserschutz; Hochwassertore, etc., notwendig.

Durch die Bauweise der beiden Wehranlagen, ist die Möglichkeit eines Wassermanagementes für die Untere Lobau gegeben. Für diese Phase ist die Durchführung eines UVP-Verfahrens durch die Landesregierungen von Wien und Niederösterreich vorgesehen.

o Info: Donauhochwasserschutz: http://www.wien.gv.at/wasserbau/schutz.htm

(Schluss) bfm/wög

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