"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Gemeingefährlich" (Von Gerd Glantschnig)

Ausgabe vom 2. Juni 2004

Innsbruck (OTS) - Sei es nun Pfingsten, Ostern oder sonst ein verlängertes Wochenende. Wie das Amen im Gebet folgt die Bilanz der Toten und Verletzten im Straßenverkehr. Mitgeliefert werden selbstverständlich auch die Ursachen. Meist heißt es nahezu gebetsmühlenartig: Unfallsursache vermutlich überhöhte Geschwindigkeit, zu der sich nicht selten auch noch die Bemerkung gesellt, "vermutlich unter Alkoholeinfluss".
Angesichts politischer Untätigkeit keimt langsam der Verdacht auf, dass in Wirklichkeit kaum ein Politiker bereit ist, dem Österreicher sein meistgeliebtes Spielzeug und die dazu nötige Lizenz madig zu machen.
Tatsache ist, dass die heutigen Strafen und angedrohten Konsequenzen nur wenige davor abschrecken, nach ein paar Gläschen Zielwasser das Gaspedal einmal so richtig durchzudrücken.
Gemeingefährlichen Verkehrsrowdys, die Leben und Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer gefährden, ist mit jener Rücksichtslosigkeit zu begegnen, die sie selbst an den Tag legen. Verwaltungsstrafen und Führerscheinentzug reichen da längst nicht mehr aus.
In besonders schweren Fällen, und davon gab es allein in den letzten Wochen genug, sollte der Staatsanwalt Anklage erheben und zwar wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung.
Dieses Delikt ist immerhin mit Haftstrafen von einem bis zu zehn Jahren bedroht. Vielleicht gelingt es mit einigen exemplarischen Urteilen, den Wahnsinn auf den Straßen ein wenig einzudämmen und jene abzuschrecken, die vielleicht morgen wieder ihr Auto zur Waffe machen.
Allzu leicht sollte es aber auch jenen nicht gemacht werden, die nach einem Unfall abhauen, um sich einem Alko-Test zu entziehen. Wer den Alko-Test verweigert, gilt laut Gesetz als alkoholisiert. Das sollte eigentlich auch für jene gelten, die flüchten und nach 24 Stunden nüchtern auftauchen.

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