"help tv spezial" am 2. Juni im ORF: Tod auf der Straße

Was tun gegen hohen Blutzoll im Straßenverkehr?

Wien (OTS) - Österreichs Straßen sind eine Gefahrenzone: Die Zahl der Verkehrsunfälle ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch heuer gab es in den ersten drei Monaten mit 6.935 Unfällen bereits einen Zuwachs von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 9.412 Verletzte und 139 Tote sind die traurige Bilanz im ersten Quartal 2004. Das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, ist in Österreich doppelt so hoch wie in den anderen Ländern der EU. "help tv spezial" am Mittwoch, dem 2. Juni 2004, um 20.15 Uhr in ORF 2, live aus Wien, geht der Frage nach, was man gegen den hohen Blutzoll im Straßenverkehr tun kann. Im Studio diskutieren u. a. Verkehrsminister Vizekanzler Hubert Gorbach, Staatssekretär Mag. Helmut Kukacka und Betroffene.

Alkohol im Spiel

Vor allem die Zahl der Alkoholunfälle nimmt trotz Einführung der 0,5-Promille-Grenze stetig zu. Bei jedem 14. Unfall auf heimischen Straßen ist Alkohol im Spiel. Vor allem Führerscheinneulinge und Lenker unter 24 Jahren, aber auch immer mehr Frauen fahren betrunken mit dem Auto.

Unter dem Motto "Wenn ich fahr', dann trink' ich nicht, wenn ich trink', dann fahr' ich nicht", starteten der ORF und seine Partner diese Woche die "Verkehrssicherheitskampagne 2004". Vor allem 16- bis 25-Jährige sollen dazu aufgerufen werden, auf Alkohol am Steuer zu verzichten.

Gefahr Alkopops

Als besonders heimtückisch haben sich so genannte Alkopops erwiesen -Alkoholmixgetränke, die wie Erfrischungsgetränke aussehen und schmecken. Bei den Kids sind sie sehr beliebt, da man den Alkohol kaum spürt. Das freut die Industrie, führt aber dazu, dass immer mehr Jugendliche alkoholisiert unterwegs sind. In Frankreich und Deutschland gibt es bereits Sondersteuern auf Alkopops, um sie für junge Menschen unerschwinglich zu machen.

"help tv" hat mittels Alkohol-Vortestgeräten demonstriert, wie leicht man durch Alkopops alkoholisiert wird. Außerdem wurde getestet, wie es um die Zivilcourage der Lokalgäste steht, wenn ein betrunkener Autolenker sie bittet, ihm den Autoschlüssel aufzuheben. Das traurige Ergebnis: Kein einziger der Anwesenden unternahm den Versuch, den Alkoholisierten am Autofahren zu hindern oder auf ihn einzuwirken.

Thomas Hybl aus Wien und seine Schwester Ulrike wurden Opfer eines solchen Alkolenkers. Der Freund, der sie nach einem Discobesuch mitnahm, hatte 1,6 Promille Alkohol im Blut, als er in einen Lichtmast raste. Ulrike starb noch am Unfallort, Thomas erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und ist seither auf einen Rollstuhl angewiesen. Jetzt fordert seine Mutter lebenslangen Führerscheinentzug für Alkosünder am Lenkrad.

Raser selten kontrolliert

Aber auch überhöhte Geschwindigkeiten und zu geringe Sicherheitsabstände sorgen für jede Menge Ärger am Volant: Laut einer Umfrage des ÖAMTC ist Drängeln das Hauptärgernis im österreichischen Straßenverkehr. Auch Raser werden im Vergleich zu anderen Ländern relativ selten kontrolliert und sorgen für Chaos und Empörung auf Österreichs Straßen.

Die 16-jährige Anja Meister aus Korneuburg in Niederösterreich ging vor einem Jahr mit einem Bekannten auf Spritztour. Bei 220 km/h verlor der Lenker die Kontrolle über sein Auto und kam von der Fahrbahn ab. Das Auto fing Feuer und Anja musste ein Bein amputiert werden. Besonders tragisch: Die 16-Jährige war Staatsmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik und wird nie wieder Hochleistungssport ausüben können.

Österreich: Land der niedrigen Verkehrsstrafen

Österreich, das Land der Raser, Drängler und Alkolenker? Österreich ist aber auch ein Land mit niedrigen Verkehrsstrafen. Experten sind sich einig, dass zwischen diesen beiden Tatsachen ein Zusammenhang besteht, und fordern bereits seit zehn Jahren die Einführung des Punkteführerscheins. Laut einer Untersuchung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) würde der Punkteführerschein die Zahl der Verkehrsopfer in Österreich um bis zu 15 Prozent senken. In den zehn Jahren, in denen nun schon über den Punkteführerschein diskutiert wird, hätten demnach rund 1.500 Verkehrstote verhindert werden können.

"help tv" recherchierte, wie ausländische Autofahrer auf die vergleichsweise niedrigen Verkehrsstrafen in Österreich reagieren, und begleitete eine Zivilstreife auf der Autobahn. Ein Italiener, der mit mehr als 180 km/h erwischt wurde, bedankte sich sogar bei den Beamten für seine Geldstrafe von nur 36 Euro. In Italien hätte ihn dasselbe Delikt das Zehnfache gekostet und ihm obendrein noch viele Strafpunkte für den Punkteführerschein eingebracht.

Was tun gegen den hohen Blutzoll?

Wie kann man dem Horror auf Österreichs Straßen vorbeugen? Laut Verkehrspsychologen sind abschreckende Fernsehspots eine effiziente Methode, um Raser und Alkolenker zur Vernunft zu bringen. Solche Horrorspots führten in Ländern wie Spanien, Großbritannien und den USA nachweislich zur Senkung der Unfallrate und einer höheren Anschnallquote. Aber auch Sozialdienste für Raser und Alkolenker in Krankenhäusern und Rehabilitationszentren sind in vielen Ländern ein probates Mittel.

Was tun gegen den hohen Blutzoll im Straßenverkehr? Brauchen wir mehr Kontrolle und höhere Strafen? Kann der Punkteführerschein Raser und Alkolenker stoppen? Live in einem "help tv spezial" diskutieren u. a. Verkehrsminister Vizekanzler Hubert Gorbach, Staatssekretär Mag. Helmut Kukacka, Dr. Othmar Thann vom Kuratorium für Verkehrssicherheit, Dr. Gregor Bartl vom Institut Gute Fahrt sowie Polizisten, bekennende Schnellfahrer und Alkolenker sowie Unfallopfer.

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