"trend": Chemiegewerkschaft stieg aus G5-Projekt aus

Die übrigen vier Gewerkschaften wollen den Zusammenschluss trotzdem weiter verfolgen.

Wien (OTS) - Am 10. Mai beschloss der Bundesvorstand der Chemiegewerkschaft einstimmig, aus dem gemeinsamen Gewerkschaftsprojekt der G5 auszusteigen, berichtet das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner am Dienstag erscheinenden Ausgabe. Als Grund wird im Sitzungsprotokoll angegeben: "Seit einem Vierteljahr sind sämtliche Aktivitäten der G5 eingestellt. (...) Bis heute gibt es keine erkennbaren Bemühungen, das gemeinsame Projekt ernsthaft weiterzuführen."
Dieser Ausstieg der Chemiearbeiter kommt zu einem sehr sensiblen Zeitpunkt. Noch vor dem Sommer müssen sich die beteiligten Gewerkschaften nämlich verbindlich entscheiden, ob sie gemeinsam mit der GPA in jenen Gewerkschaftsneubau einziehen wollen, den die GPA zur Zeit auf dem Areal des Mautner-Markhof’schen Kinderspitals in der Wiener Schlachthausgasse errichtet.
Ins Stocken kam das ambitionierte Projekt bereits im Jänner. Damals sollten sich alle fünf Gewerkschaften in ihren Gremien verbindlich zu dem gemeinsamen Vorhaben bekennen. Doch Metaller und ANG (Agrar-Nahrung-Genuss) verweigerten ihre Zustimmung bis heute. Offiziell heißt es: die Sitzung wurde unterbrochen und die Beschlussfassung vertagt.

Stein des Anstoßes war ein Standard-Artikel vom 15. Jänner, in dem berichtet wird, dass die GPA-eigene Kleingasse GmbH um 50 Millionen Euro das neu errichtete Bürohaus Office Campus Gasometer erworben hatte. Die vier Brudergewerkschaften, die über die umfangreichen Immobilienprojekte der GPA bis dahin kaum etwas gewusst hatten, fühlten sich hintergangen.
Was Metaller&Co am meisten nervös machte, waren jedoch nicht die Wohnbauprojekte, sondern das wenig erfolgreiche Engagement der GPA in der Gasometer-Einkaufsmall. Die Brudergewerkschaften machen deshalb jetzt Druck auf Sallmutter, sich von seinem Gasometer-Engagement zu trennen. Und sie fordern, dass nun der ÖGB als Eigentümer und Financier des gemeinsamen Hauses, das rund 34 Millionen Euro kosten wird, auftritt. Derzeit ist die GPA-eigene Kleingasse GmbH der Bauträger. Dieser Punkt scheint nun geklärt zu sein. Sallmutter: "In diesen Tagen beginnen wir mit dem ÖGB die offiziellen Übertragungsgespräche."

Die Chemiegewerkschaft schließt aus, ihren Beschluss noch einmal rückgängig zu machen. Vorsitzender Wilhelm Beck: "Wir fahren keinen Zickzackkurs." Metaller-Boss Rudolf Nürnberger rechnet aber damit, dass "das gesamte Projekt trotzdem weitergeht und auch die bestehende Kooperation mit den Chemiearbeitern - zum Beispiel im Bildungsbereich - aufrecht bleibt." Auch GPA-Chef Hans Sallmutter ist optimistisch:
"Ja, sicher machen wir zu viert weiter."
"Allerdings wird die Situation schwieriger", ergänzt Franz Bittner, Chef der Gewerkschaft Druck-Journalismus-Papier, "weil die Chemiegewerkschaft einigermaßen vermögend ist und nun sämtliche Dinge - vor allem was die Finanzierung des Hauses und die Miete betrifft -einer neuen Bewertung zu unterziehen sind." Der Zeitplan - die offizielle Gründung des neuen Gewerkschaftsriesen sollte im Herbst 2005 erfolgen - dürfte jedenfalls kaum eingehalten werden können.

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