"profil": Peter Zadek: "Das deutsche Theater ist in einem albernen Zustand"

Star-Regisseur rechnet mit Kollegen ab

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" stellt Star-Regisseur Peter Zadek, 78, der aktuellen deutschsprachigen Bühnenlandschaft ein vernichtendes Zeugnis aus. "Ich gehe immer weniger ins Theater, weil ich mich ungern langweile", so Zadek. "Das deutsche Theater ist in einem albernen Zustand. Statt Ideen sind nur noch Schein-Experimente zu sehen."

Ein Theater, "das keine Geschichten erzählen" könne, findet Zadek "furchtbar langweilig": "Ich ziehe realistisches Theater einer Stilisierung im Grunde vor. Der Regisseur Thomas Ostermeier etwa ist absolut imstande, realistisches Theater zu machen. Bloß verhindert die heutige Theaterkultur genau das. Er muss dauernd so clevere kleine Späßchen machen."

Den Arbeiten von Frank Castorf billigt Zadek "hohe Qualität" zu, sie seien aber "nicht nach meinem Geschmack". Zadek findet sie "zu laut, zu kalt, zu rotzig, zu ausgedacht".

Die Inszenierungen von Peter Stein seien teilweise "ganz wunderbar", nur entsprächen sie nicht Zadeks Art, "Theater zu machen - oder überhaupt etwas zu machen", so der Regisseur außerdem im "profil"-Interview. "Das ist mir alles zu deutsch. Peter Stein ist in seiner Gründlichkeit, Pingeligkeit und Genauigkeit sehr deutsch."

Enttäuscht zeigt sich Zadek von den deutschsprachigen Gegenwartsautoren. "Entweder sind sie uninteressant oder so pur wie Peter Handke, der für mich unverständlich ist. Ich hatte schon immer das Problem, dass es journalistisches Theater in Deutschland nicht gibt. Die wollen alle immer für die Ewigkeit schreiben".

Nicht viel schmeichelhafter fällt Zadeks Urteil über den deutschen Dichterfürsten schlechthin aus: "Ich habe nichts von Goethe inszeniert, weil er ein schlechter Bühnenautor ist. Der hat kein einziges gutes Stück geschrieben. Wer kann 'Faust I' nacherzählen, ohne einen Lachkrampf zu kriegen? Das Gretchen geht mir auf die Nerven und Knittelverse halte ich auch nicht aus."

Im Rahmen der Wiener Festwochen zeigt Peter Zadek Anfang Juni seine Inszenierung von "Peer Gynt".

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