"Kleine Zeitung" Kommentar: "Verkauf der Fußball-Rechte: Ein Millionendeal als Kulturbruch" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 21.05.2004

Graz (OTS) - Man kann es freie Marktwirtschaft nennen: Der ORF
hatte der österreichischen Bundesliga um die 28,5 Millionen Euro für die Übertragungsrechte bis 2006 geboten. Ein Konsortium um den gebürtigen Südtiroler Georg Kofler bot 42 Million Euro.

Kofler bekam den Zuschlag, ab Juli wird es kein Bundesligaspiel mehr im ORF geben. Ab dann werden Live-Spiele nur noch im Abo-Sender Premiere und Zusammenfassungen im österreichischen Privatkanal ATV+ zu sehen sein. Damit will Premiere zu hunderttausenden neuen Abonnenten kommen und ATV+ seine notorisch schwachen Quoten heben. -Wie gesagt: Man kann es freie Marktwirtschaft nennen.

Aber es ist mehr als bloß irgendein Millionen-Deal. Es ist ein Kulturbruch.

Der Österreicher ist daran gewöhnt, unter Steuern und Gebühren zu ächzen. Dafür erwartet er sich vom Staat auch eine gewisse Versorgungsfunktion. Zum Beispiel den "freien" TV-Zugang zu den nationalen Lieblingssportarten Schifahren und Fußball. Zumal er die vom ORF eingehobene Zwangsgebühr ohnedies bezahlt hat.

Nun wird das anders: Auch wer seine National-TV-Gebühren bezahlt, muss für den Genuss seiner Nationalsportarten noch einmal mindestens 9 Euro 90 Cent im Monat hinlegen. Für den privaten Anbieter Premiere. Eine bisher undenkbare Situation, derentwegen man noch vor ein paar Jahren einen Volksaufstand riskiert hätte.

Zumindest gestern war von einem solchen noch wenig zu bemerken: Die Redaktionstelefone, meist verlässliche Seismographen öffentlicher Erregung, blieben stumm. Und in unserem Online-Forum bedauerten nur wenige die Entwicklung.

Das mag verschiedene Gründe haben: Zum einen dürften viele Hardcore-Fußballfans unter den bereits vorhandenen 170.000 Premiere-Abonnenten sein. Weiters dürfte nach Jahren des ORF-Monopols die Lust auf Neues größer sein als gedacht. Und außerdem dürften noch nicht alle begriffen haben, was da eigentlich läuft.

Die Rolle der Bundesliga ist fragwürdig: Man bedient sich zwar gerne aus dem, von allen genährten Steuertopf. Zum Beispiel beim Bau der Spielstätten. Mit den Einnahmen verfährt man indes ganz privat: Man nimmt, was man wo auch immer kriegt.

Gerupft wird der Konsument, der die Stadien und den ORF mitfinanziert und dafür nun noch zusätzlich löhnen darf.

Dem ORF, der somit erstmals echte Konkurrenz erfährt, wurde eine wichtige Lehre zuteil: Mit dem monopolistischen Gehabe ist es, vom Geld einmal abgesehen, endgültig vorbei. ****

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