"Die Presse"-Kommentar: Für die Katz' (VON RAINER NOWAK)

Ausgabe vom 21.5.2004

Wien (OTS) - Die Nation hatte darauf gewartet. Das brennende
Problem konnte in einer wahren nächtlichen Sternstunde über Parteigrenzen hinweg gelöst werden: Das neue bundesweite Tierschutzgesetz, das - glaubt man dem Einsatz so mancher Politiker und der "Kronen-Zeitung" - wichtiger sei als Peanuts wie die Krise des Gesundheitssystems oder das Fehlen einer gerechten sicheren Pensionsreform.
Sehen wir es positiv: Wolfgang Schüssel hat endlich sein Versprechen eingelöst, die Regierung hat nach monatelanger Inhaltlosigkeit wieder gehandelt. Und vor allem: Wer könnte etwas dagegen haben, dass es dem lieben Vieh besser geht? Niemand.
Doch das Gesetz "besticht" durch Doppelbödigkeit. Heimische Geflügel-Bauern werden verpflichtet, auf Batterien und bestimmte Käfige zu verzichten, die in der EU noch verwendet werden. Henne und Ei werden so teurer, für den Tierschutz muss man eben nicht nur sein, sondern auch zahlen. Leider wird der Konsument das gar nicht bemerken, wenn er im Supermarkt zu einem der hundert Produkte greift, für deren Herstellung Eier verwendet werden. Die Lebensmittelindustrie kann nicht anders, als günstiger auf dem EU-Markt - und nicht in Österreich zu kaufen. Die geschockten Bauern rufen bereits nach mehr Geld. Solle doch der Staat einspringen, der gerade Pensionen und Sozialleistungen kürzen muss! Aber Hauptsache, beim Essen ist unser Gewissen rein.

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