"Kleine Zeitung" Kommentar: "Erfreuliches Tierschutzgesetz hat manche Schönheitsfehler" (Von Ulrike Greiner)

Ausgabe vom 20.05.2004

Graz (OTS) - Lob für die Vier-Parteien-Einigung. Jetzt sind die Bürger am Zug.

Jetzt ist es da, das Bundestierschutzgesetz. Jahrelang hat man darüber diskutiert und darum gerungen. Dass es eine Vier-Parteien-Einigung gibt, ist ein gewichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dass es Kompromisse gibt, liegt in der Natur der Sache. Wenn vier Parteien dasselbe wollen, aber mit unterschiedlichen Vorstellungen, kann eine Einigung nie die Wünsche aller erfüllen.

Dass diese Einigung trotz der Abstriche zustande gekommen ist, verdient Lob. Jetzt gilt es aber, dieses Bundestierschutzgesetz auch zu erfüllen - und da sind die Bürger gefragt.

Die Hühnerhaltung etwa wird für die Bauern teurer (wenn sie nicht nur in Ausnahmegenehmigungen flüchten wollen, was zu hoffen ist). Und es ist anzunehmen, dass Preissteigerungen bei heimischen Eiern an die Konsumenten weitergegeben werden. Befürchtungen, wonach der Markt mit Billigware aus China oder Brasilien überschwemmt wird, sollte man nicht vom Tisch wischen. Das wird kommen, doch hat das Ei aus dem Ausland nur dann eine Chance, wenn es im Inland gekauft wird.

Der Appell, den ausgehandelten Tierschutz zu exekutieren, richtet sich aber nicht nur an Nutztierhalter und Konsumenten, sondern auch an alle Besitzer von Heimtieren. Das Verbot, das sich auf das Kupieren der Schwänze und Ohren von Hunden bezieht, macht nur Sinn, wenn Hundehalter nicht in andere Staaten ausweichen, um ihren Vierbeiner dort "zurechtstutzen" zu lassen.

Eine umfassende Kontrolle, ob bei der Erziehung von Hunden Elektroschock und Stachelhalsband tatsächlich nicht mehr zum Einsatz kommen, wird nie möglich sein, will man nicht jedem Hundehalter einen Aufpasser zur Seite stellen. Nur der Besitzer kann eine solche Misshandlung verhindern.

Der umstrittenste Kompromiss, der erzielt wurde, bezieht sich wohl auf das Schächten. Die Betäubung nach dem Schächtschnitt erspart dem Tier weder Stress noch Schmerz. Den Schritt, das Schächten generell zu verbieten und damit einen massiven Einschnitt in kulturelle Gewohnheiten jüdischer und moslemischer Mitbürger zu tätigen, wagte man nicht - ob zu Recht oder zu Unrecht.

Am nächsten Donnerstag soll das "modernste Tierschutzgesetz Europas", wie Kanzler Wolfgang Schüssel erklärte, im Nationalrat beschlossen werden. Ob es auch das beste Tierschutzgesetz Europas ist, wird sich weisen. Denn eines hat sich nicht geändert: Nach wie vor sind es die Zweibeiner, die dafür sorgen müssen, dass Vierbeinern jener Respekt entgegengebracht wird, den sie verdienen. ****

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