Kulturstadtrat Mailath-Pokorny eröffnet Festwochenausstellung

"Wien, Stadt der Juden" im Jüdischen Museum Wien

Wien (OTS) - "Mit dieser Ausstellung leistet das Jüdische Museum eine längst überfällige Aufarbeitung eines wesentlichen kulturgeschichtlichen Themas der österreichischen Zeitgeschichte", erklärte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Eröffnung der heurigen Festwochenausstellung "Wien, Stadt der Juden - Die Welt der Tante Jolesch" im Jüdischen Museum Wien. Kurator Joachim Riedl betonte den neuen Zugang bei der Aufarbeitung des Themas: "Die Zeit der Ersten Republik war keineswegs eine Epoche des Untergangs" und er bezeichnete die immer wieder beschworene These eines "Staates, den keiner wollte" als unzulässig, wenn man allein die Errungenschaften des Roten Wien betrachtet. Museumsdirektor Karl Albrecht-Weinberger bezeichnete die Ausstellung in seinem Statement als konsequente Fortsetzung der Ausstellungspolitik des Museums, die nach der Aufarbeitung der jüngeren Musikgeschichte im vergangenen Jahr und der diesjährigen Auseinandersetzung mit der Zwischenkriegszeit im kommenden Jahr mit einer Ausstellung über die Zweite Republik fortgesetzt werde.

Festvortrag von Senator Leichter im Rathaus

Nach der Eröffnung im Museum hielt Senator Franz Leichter im Wappensaal des Rathauses einen Festvortrag, der mit einer Lesung aus Friedrich Torbergs "Tante Jolesch" durch Thaddäus Podgorski abgeschlossen wurde. Franz Leichter ist der Sohn von Käthe Leichter, die als führende sozialdemokratische Politikerin und anerkannte Sozialwissenschaftlerin der Zwischenkriegszeit wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Käthe Leichter gilt als herausragende Persönlichkeit der Frauenbewegung und ist ein typisches Beispiel für den Verlust an kulturellem und wissenschaftlichem Potential, den Wien und Österreich durch den Nationalsozialismus erlitten hat.

Die Ausstellung ist bis Ende Oktober zu sehen

In der Ausstellung "Wien, Stadt der Juden - Die Welt der Tante Jolesch" wird das breit gefächerte Spektrum des Wiener Judentums zur Zeit seiner letzten Blüte in 21 Stationen vorgestellt. So entsteht ein Panoramabild, das von den Elendsquartieren der strenggläubigen Stetl-Juden, die aus Galizien geflohen waren, über die Cafés der Bohemiens und die Versammlungssäle der geistigen Elite bis in die Büros der Stadtverwaltung des Roten Wien und in die Salons des aufgeklärten Bürgertums reicht. Jede der 21 Stationen wird von einem Meilenstein markiert, einem signifikanten Ereignis, um das herum das thematische Feld ausgelotet wird (z.B.: die Eröffnung des Kindergartens Goethehof für die pädagogischen Reformbestrebungen der Epoche oder die Gründung des Zsolnay-Verlages für das literarische Leben). Wesentlicher Aspekt der Ausstellung ist es, die Geschichte des Wiener Judentums aus der Perspektive dieser Epoche zu erzählen, einer Zeit, die, noch bevor sich der Todesschatten der Schoa über die Stadt legte, von einer Auf- und Umbruchstimmung beflügelt war, in der utopische Gedanken wucherten, um die Reform von Kultur und Gesellschaft gerungen wurde und Juden wie Nichtjuden in einem brodelnden sozialen Klima um die Anerkennung ihrer jeweiligen Rollen kämpften.

"Wien, Stadt der Juden - Die Welt der Tante Jolesch" wird vom Jüdischen Museum Wien bis 31. Oktober 2004 im Jüdischen Museum der Stadt Wien gezeigt. Für den Herbst wird in Zusammenarbeit mit den Wiener Vorlesungen eine Serie von Begleitveranstaltungen vorbereitet. Das Museum (A-1010 Wien, Dorotheergasse 11) ist Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, an Donnerstagen von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt: EURO 5/EURO 2,90 ermäßigt. Schulklassen in Begleitung eines Lehrers haben freien Eintritt und eine kostenlose Führung. Detailinformationen zur Ausstellung und den Begleitprogrammen im Internet unter http://www.jmw.at/ .

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(Schluss) sta

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