Gesundheitsreform: Allgemeinmediziner gegen Gesundheitsagenturen

Praktiker gegen planwirtschaftliche Zentralstruktur - Lohninger: "Wollen keine 'Gate-Keeper' und Zugangsbeschränker sein"

Wien (OTS) - Die österreichischen Allgemeinmediziner lehnen eine Reform des heimischen Gesundheitssystems in Form der geplanten Gesundheitsagenturen ab. "Eine planwirtschaftlich und ausschließlich nach ökonomischen Richtlinien agierende und parteipolitisch beeinflusste Zentralstruktur führt nach allen Erfahrungen weg von der patientenorientierten Medizin", warnte der Obmann der Bundessektion für Allgemeinmedizin in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Josef Lohninger, Dienstag in einer Aussendung. "Ein zentral gesteuertes System führt bei Aufgabe der Kassenselbstverwaltung und -autonomie nur zu neuen bürokratischen Strukturen mit entsprechenden Reibungsverlusten zu Lasten Aller."

Was die kürzlich geführte Diskussion über eine mögliche Abschaffung niedergelassener Facharztordinationen angeht, zeigen sich die Allgemeinmediziner solidarisch. "Wir halten weiterhin an einer Struktur basierend auf niedergelassenen Allgemeinmedizinern in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Fachärzten fest, da nur damit eine wohnortnahe und bei höchster Effizienz kostengünstige und dennoch patientenorientierte Medizin gewährleistet bleibt", betont die Bundessektion Allgemeinmedizin der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in einer aktuellen Resolution. Eine Gesundheitsreform zu Lasten niedergelassener Fachärzte und damit zu Lasten der Patienten werde von den Allgemeinmedizinern abgelehnt.

Hinsichtlich der geplanten Aufwertung der Allgemeinmediziner im Gesundheitssystem sind die Praktiker im Übrigen skeptisch: Zwar sei eine Aufwertung der Allgemeinmediziner "als erste Ansprechpartner im Gesundheitssystem mit den damit verbundenen Aufgaben zu begrüßen", berichtete Lohninger über die Haltung der Praktiker zur Gesundheitsreform. "Als 'gate-keeper' in der Rolle der Zugangsbeschränker zum Gesundheitssystem stehen wir jedoch nicht zur Verfügung", erklärte der Obmann der Bundessektion.

Wörtlich heißt es in der Resolution: "Wir verwehren uns nicht den notwendigen Reformen und stehen für neue Zusammenarbeitsformen sowie Verbesserung der Schnittstellenproblematik, soweit diese auf einem System selbstständiger Allgemein- und Fachärzte in Zusammenarbeit mit dem stationären Bereich aufbauen und zu nachvollziehbaren Kostensenkungen bei gleich bleibender Qualität führen." Vor einer möglichen "Abschaffung der Gesamtverträge und damit der Interessenvertretung" wird in der Resolution gewarnt. "Wir werden sie als freiberuflich tätige Ärzte nicht hinnehmen", so die Allgemeinmediziner. "Nur diese garantieren uns die patientennahe Tätigkeit, die unabhängig von politisch ausgerichteten und ausschließlich nach ökonomischen Kautelen agierenden Strukturen sein muss."

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