Das Leopold Museum bittet zur Pressekonferenz

FRANCISCO DE GOYA - Aufklärer ohne Hoffnung / Die grafischen Zyklen

Wien (OTS) - Das Leopold Museum bittet zur Pressekonferenz anlässlich der Ausstellung

FRANCISCO DE GOYA Aufklärer ohne Hoffnung Die grafischen Zyklen am Donnerstag, dem 3. Juni 2004 um 11.00 Uhr, im Auditorium des Leopold Museum, Museumsplatz 1 im MQ, 1070 Wien

Ihre Gesprächspartner sind:

Rudolf Leopold / Museologischer Direktor, Leopold Museum Wien Ewald Gäßler / Direktor der Museen der Stadt Oldenburg Helmut Moser / Vorstandsvorsitzender, Leopold Museum Wien Im Anschluss Führung durch die Ausstellung

Wir bitten die Medienvertreter um Akkreditierung bis Montag, 31. Mai 2004 unter: presse@leopoldmuseum.org

Presseinformation:

GOYA Aufklärer ohne Hoffnung Die grafischen Zyklen 4.06.2004 - 20.09.2004

Das Leopold Museum Wien zeigt von 4. Juni bis 20. September 2004 mit 228 Blättern das grafische Werk des spanischen Künstlers Francisco de Goya. Rudolf Leopold präsentiert die vier vollständig erhaltenen Grafik-Folgen "Los Caprichos", "Los Desastres de la Guerra", "La Tauromaquia" und "Los Disparates" ("Los Proverbios") in der jeweiligen Erstausgabe sowie die "Radierungen nach Velázquez". Leihgeber dieser Erstausgaben ist das Stadtmuseum Oldenburg, das auf die private Kunst- und Geschichtssammlung des Oldenburger Kunstliebhabers und Mäzens Theodor Francksen zurückgeht. Francksen selbst erwarb die Grafiken im Jahre 1908.

Francisco de Goya (1746-1828) ist nicht nur der bedeutendste spanische Maler und Grafiker des 18. Jahrhunderts, er gilt neben Rembrandt als der herausragendste Radierkünstler der Kunstgeschichte. Goyas Arbeiten üben eine nachhaltige Wirkung auf verschiedenste Strömungen der modernen Kunst aus. Er gilt als einer der Wegbereiter der Moderne. Rudolf Leopold: "Von Goya gingen entscheidende Impulse aus. Realisten wie Symbolisten, Expressionisten wie Surrealisten beriefen sich auf seine Kunst. Besonders schön zu sehen ist sein Einfluss auf den in unserem Museum so hervorragend vertretenen Alfred Kubin."

Der individuelle Künstler

Goya vollzieht eine Entwicklung vom Hofmaler, dessen Aufgaben insbesondere in der repräsentativen Portraitkunst liegen, zum neuen Typus des individuellen Künstlers, der ohne Auftrag von Krone, Adel oder Klerus, aus eigener Motivation, Kunst für sich und für den freien Markt schafft. Die politischen und geistigen Umwälzungen einerseits - in Frankreich lösen sich Absolutismus, Revolution, Aufklärung und Restauration ab, in Spanien dagegen behaupten sich die Monarchie und die Heilige Inquisition -, schwere Krankheiten und der Verlust seines Gehörs andererseits, führen zum selbstbewussten Wandel der künstlerischen Themen und Inhalte sowie zur Intensivierung seiner Wahrnehmung.

Die Grafik-Zyklen

Goyas grafische Zyklen entstehen in der Zeit von 1795 bis ca. 1824. Wie Rembrandt war auch er als Maler und Grafiker tätig. Er experimentiert mit der neuen Aquatinta-Technik, die er bis an die Grenzen auslotet und intensiv nutzt. Diese Tiefdrucktechnik ermöglicht durch Flächenätzung differenzierte Halbtöne, die eine malerische Wirkung hervorrufen.
Bemerkenswert an Goyas Motiven der grafischen Zyklen ist die Tatsache, dass er keine biblischen, historischen oder gefälligen Genreszenen, sondern seine persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Visionen darstellt. Gerade darin zeigt sich seine Unabhängigkeit von den Konventionen der Vergangenheit.

"Los Caprichos"

Goya bietet im Diario de Madrid am 6. Februar 1799 die Caprichos mit folgenden Worten an: "Eine Sammlung von Drucken launiger Themen, erfunden und radiert von Don Francisco Goya. Da der Autor überzeugt ist, dass die Kritik der menschlichen Irrtümer und Laster (wiewohl sie der Redekunst und Dichtung vorbehalten zu sein scheint) auch Gegenstand der Malerei sein kann, hat er aus der Vielzahl der Absonderlichkeiten und Torheiten, die in jeder Gesellschaft von Bürgern alltäglich sind, und aus den üblichen Vorurteilen und Betrügereien, die durch Gewohnheit, Ignoranz oder Eigennutz gebilligt werden, für sein Werk diejenigen ausgewählt, die er für besonders geeignet hielt, ihm Stoff für das Lächerliche zu liefern und gleichzeitig die künstlerische Phantasie anzuregen. *" Die nahtlose Verbindung von Sinnlichem und Übersinnlichem, von Wirklichkeit und Surrealität, von alltäglicher Verrichtung und Einbruch des in aller Bangigkeit Unerwarteten ist Goyas Spezialität. Groteske Mischwesen treffen zusammen mit dem alten Personal aus Mythos und Aberglaube und suchen die Zeitgenossen bei deren unmittelbaren Tätigkeiten heim. Ein Panoptikum des Verzerrten und nie Gesehenen entsteht, in dem die Gegenwirklichkeit des Capricho zum Zustand der Welt wird.

Goya war bewusst, dass er mit dem Inhalt solcher Blätter Kritik heraufbeschwor. Er entzog sich der drohenden Anklage durch die Inquisition und schenkte 1803 die Druckplatten und die restlichen Exemplare der Serie dem König für die Real Calcografia, wo sie sich heute noch befinden.

"Los Desastres de la Guerra"

Den grausamen Krieg, den Napoleon gegen Spanien von 1808 bis 1813 führt, die brutale Realität der Soldateska, die im qualvollen Widerspruch steht zu den großen Hoffnungen, die die spanischen Vertreter der Aufklärung auf Frankreich und die Franzosen gesetzt hatten, verarbeitet Goya in seinem Zyklus Los Desastres de la Guerra. Eindringlich schildern diese Blätter die Angst und Not, die auf beiden Seiten hervorbrechende Aggression, Gewalt und Tod als alltägliche Ereignisse sowie die den Krieg begleitende Hungersnot und das Elend. Goya wertet nicht, doch scheint er tief getroffen von der Grausamkeit des Menschen. Die Desastres gehen weit über die bloße Schilderung der Kriegsereignisse hinaus; sie offenbaren auch seine Ansicht von der wahren Natur des Menschen. Goya verwahrte die Druckplatten der Desastres in seinem Haus. Eine Veröffentlichung wäre noch weitaus gefährlicher gewesen als die der Caprichos. Sie blieben 40 Jahre unter Verschluss und wurden 1863 zum ersten Mal in einer Edition der Academia de San Fernando, in deren Besitz die Druckplatten gelangt waren, veröffentlicht.

"La Tauromaquia"

Goya schuf diese Radierfolge, deren Blätter einen eher volkstümlichen Charakter haben, vermutlich zwischen 1814 und 1816, als der Krieg gegen Napoleon zu Ende war. Er illustriert darin dramatische Ereignisse des Stierkampfes: Einzelne Akte des Schauspieles, den kraftvollen Angriff des Stieres, die nervöse, von Spannung erfüllte Grazie des Matadors und die gesichtslose Menge der Zuschauer hinter den Barrieren. Die brutale Erregung, das blendende Sonnenlicht und die tiefen Schatten in der Arena sind fast körperlich spürbar. Goya erinnert sich der berühmten Toreros seiner Jugend und hält das Zeremoniell dieser Kunst und deren glanzvolle Epoche meisterhaft fest. Er überträgt die Dynamik des Kampfes, die Tragik und Grausamkeit, die der tödlichen Begegnung von Mensch und Tier innewohnt, auf Hell- und Dunkeleffekte von ungeheurer Intensität.

Die Stierkampffolge hatte nicht mit Übergriffen der Zensur zu rechnen. Im Diario de Madrid vom 28. Oktober 1816 bietet Goya eine Edition von 33 Drucken zum Verkauf an.

"Los Disparates"

Dieses Spätwerk Goyas, die Disparates (Torheiten), manchmal auch als Proverbios (Sprichwörter) oder Suenos (Träume) bezeichnet, entzieht sich der Interpretation wie kein anderes Werk Goyas. Die Folge entsteht vermutlich zwischen 1819 und 1823, zur selben Zeit, als er mit den nicht minder mysteriösen Wandmalereien der "Schwarzen Bilder" sein Wohnhaus dekoriert. Ihre Wirkung ist geheimnisvoll und suggestiv. Wie die "Schwarzen Bilder" sind die Disparates von einem düsteren Pessimismus erfüllt. Vielfach werden sie als Symbole für die Absurdität der menschlichen Existenz, die Macht des Bösen, die Herrschaft von Lüge und Heuchelei und für den unausweichlichen Sieg von Alter, Schmerz und Tod gesehen.

Besonders die beiden Folgen der Caprichos und der Disparates gelten als Schlüssel zum Verständnis von Goyas Werk. Sie nehmen aber auch eine zentrale Position ein für die Entwicklung der modernen Kunst insgesamt. An diese Werke knüpfen alle jene modernen Richtungen an, deren Motive, Themen und Sujets nicht im allgemein Verbindlichen wurzeln, sondern im Individuellen eines frei vagierenden Bewusstseins.

GOYA-Oper beim KlangBogen Wien

Ein erfreuliches musikalisches Pendant zur Goya-Schau im Leopold Museum ist mit der österreichischen Erstaufführung der Oper "GOYA" im Rahmen des Festivals KlangBogen Wien 2004 ab 19. Juli im Theater an der Wien gegeben. Der spanische Startenor Plácido Domingo singt die Titelrolle des Don Francisco de Goya y Lucientes, die ihm der amerikanische Opernkomponist Gian Carlo Menotti, in Anlehnung an den Belcanto des 19. Jahrhunderts, auf den Leib schrieb. Weitere Informationen unter www.klangbogen.at

Ausstellungsdaten:

Titel: GOYA. Aufklärer ohne Hoffnung. Die grafischen Zyklen. Ausstellungsdauer: 4.06.2004 - 20.09.2004 Ausstellungsort: Leopold Museum, Museumsplatz 1 im MQ, 1070 Wien Pressekonferenz: Donnerstag, 3. Juni 2004, 11:00 Uhr Eröffnung: Donnerstag, 3. Juni 2004, 19:30 Uhr Öffnungszeiten: Tägl. (außer Di): 10:00 - 19:00 Uhr Donnerstag: 10:00 - 21:00 Uhr Feiertage: 10:00 - 19:00 Uhr Besucherinformation: T: +43 1 525 70-0, F: +43 1 525 70-1500, office@leopoldmuseum.org Verkehrsverbindungen: U3, U2 > Volkstheater / MuseumsQuartier, 1, 2, D, J > Volkstheater Eintritt: Euro 9,00 (regulär) Führungen: Donnerstag um 19.00 Uhr, Sonntag um 15.00 Uhr Kunstgespräch: Samstag und Feiertag um 15.00 Uhr Leihgeber: Stadtmuseum Oldenburg, Städelsches Kunstinstitut Frankfurt Kurator: Rudolf Leopold Ausstellungsgestaltung: Rudolf Leopold Ausstellungsarchitektur: Angela Hareiter Katalog: Francisco de Goya. Die grafischen Zyklen. Herausgeber: Leopold Museum Wien, anlässlich der Ausstellung (4. Juni bis 20. September 2004), mit Beiträgen von Rainer Metzger und Ewald Gäßler sowie einem Vorwort von Rudolf Leopold, 228 Abbildungen, Isensee Verlag, Oldenburg, 2004, 179 Seiten, Preis: Euro 14,30 Organisation: Nicola Mayr Ausstellungsgrafik: Mitra Kazerani Öffentlichkeitsarbeit: Ute Weber Wir danken unseren Partnern: DER STANDARD, Radio Stephansdom Veranstaltungstermine zur Ausstellung entnehmen Sie bitte unserer Website: http://www.leopoldmuseum.org

Änderungen vorbehalten. Stand: 17.5.2004

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