ÖGJ-Eder sieht arbeitsmarktpolitisches Versagen der Bundesregierung

Einzelmaßnahmen können einen verpflichtenden Ausbildungsfonds nicht ersetzen

Wien (ÖGJ/ÖGB) - Dass das österreichische System der dualen Berufsausbildung zu den besten der Welt gehört, steht für den Vorsitzenden der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Jürgen Eder, fest. "Allerdings ist die Zukunft dieses Systems akut gefährdet, weil immer weniger Unternehmen bereit sind, Lehrlinge auszubilden. Deshalb brauchen wir einen verpflichtenden Ausbildungsfonds, in den auch die nicht ausbildenden Unternehmen einzahlen müssen", fordert Eder. Die von der Bundesregierung in einer heutigen Pressekonferenz präsentierten Maßnahmen sind zwar "wie alle Einzelmaßnahmen zu begrüßen, können aber nicht über das arbeitsmarktpolitische Versagen der Regierung hinwegtäuschen", sagt Eder.++++

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat darauf hingewiesen, dass die Zahl der Lehrlinge seit 1980 von mehr als 190.000 auf weniger als 120.000 gesunken ist "Nicht erwähnt hat Schüssel allerdings, dass heuer um 11.000 Jugendliche mehr ohne Arbeits- oder Ausbildungsplatz dastehen als zu Amtsantritt der Bundesregierung im Jahr 2002", erinnert Eder: "Angesichts dieser Zahlen, hinter denen Tausende Schicksale stehen, ist es mehr als zynisch von Schüssel, wenn er sich freut, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich unter dem EU-Durchschnitt liegt." Die österreichische Jugendarbeitslosigkeit könne nur in Österreich bekämpft werden und nicht durch Vergleiche mit dem EU-Schnitt.

Die Überzeugungsarbeit des Lehrstellenbeauftragten Egon Blum sowie die Bestellung von 15 Lehrlingsakquisiteuren begrüßt Eder: "Ich hoffe, dass die Akquisiteure einige Unternehmer davon überzeugen können, wieder mehr Lehrlinge auszubilden. Die Wirtschaft und der Standort Österreich brauchen nichts so dringend wie gut ausgebildete Fachkräfte."

Mehr Lehrstellen als die dadurch zu gewinnenden sind allerdings durch die fortschreitende Privatisierung der staatseigenen Unternehmen bedroht: "Gerade die Unternehmen in öffentlicher Hand bilden Lehrlinge über den eigenen Bedarf hinaus aus. Die ÖBB ist ein Paradebeispiel dafür. Von privaten Eigentümern ist das kaum zu erwarten", warnt der ÖGJ-Vorsitzende.(fk)

ÖGB, 17. Mai
2004
Nr. 346

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