ÖAMTC: Tauern und Katschberg Tunnel noch immer nicht sicher genug

Club fordert endlich Fluchtwege aus Tunnelfalle

Wien (ÖAMTC-Presse) - Trotz einiger Millionen Euro Investitionen
in den Tauern und Katschberg Tunnel sind diese beiden Tunnels nur unwesentlich sicherer als noch vor fünf Jahren. "Im ÖAMTC-Tunnel-Test aus dem Jahr 1999 sind beide Tunnels als bedenklich und gefährlich eingestuft worden. Bei einem neuerlichen Tunnel-Test nach der technischen Aufrüstung wurde knapp ein 'ausreichend' erzielt. Noch immer gibt es keinerlei Fluchtwege aus beiden fast sechs Kilometer langen Tunnels", kritisiert ÖAMTC-Tunnel-Experte Willy Matzke anlässlich des fünften Jahrestages des Tauerntunnel-Unfalls am 29. Mai.

Der ÖAMTC führt gemeinsam mit seinen europäischen Schwesterclubs seit 1999 in ganz Europa Tunnel-Tests durch. Die detaillierten Ergebnisse des großen ÖAMTC-Tunnel-Tests 2004 und alle bisherigen Tunnel-Tests sind auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/tests/ abrufbar. Bildmaterial und Grafiken zu den Tunnel-Tests finden sich unter http:/www.oeamtc.at/presse/.

In der neuen EU-Tunnelrichtlinie werden Fluchtwege mindestens alle 500 Meter gefordert. Schon allein deshalb ist der Bau der zweiten Tunnelröhren für den Tauern und Katschberg Tunnel dringend notwendig. Deshalb fordert der ÖAMTC den noch für heuer vorgesehenen Baubeginn unbedingt einzuhalten. Es wird ohnehin noch bis mindestens 2009 dauern, bis diese beiden Tunnels der Tauernautobahn als wirklich sicher eingestuft werden können. "Diese Erhöhung der Sicherheit ist laut EU-Tunnelrichtlinie auch für alle anderen einröhrigen Tunnels auf Autobahnen und Schnellstraßen unaufschiebbar. Die Tunnellänge spielt dabei keine große Rolle, haben sich doch alle tödlichen Tunnelunfälle heuer an den Portalen von einröhrigen Tunnels ereignet", weiß Matzke.

Die Erfahrung zeigt, dass Fahrzeugbrände in Tunnels durch die neue Lüftungstechnik einwandfrei beherrschbar sind. Nach Meinung des ÖAMTC dürfte es zu solchen Bränden erst gar nicht kommen. Die Brände gehen fast immer vom Motorraum bei älteren Lkw und Bussen aus. Daher fordert der Club den Einbau von automatischen Löschanlagen für die Motorräume von Schwerfahrzeugen.

Verhaltenstipps für die sichere Fahrt im Tunnel

Tunnelfahrten erfordern vollste Konzentration der Kraftfahrer. Um jedes Risiko zu vermeiden, müssen daher die Verkehrsregeln unbedingt eingehalten werden. "Wenn doch etwas passiert, unbedingt Ruhe bewahren. Wer richtig reagiert, kommt meist heil davon", sagt Matzke.

Der Tunnelexperte des Clubs hat die wichtigsten Tipps für die sichere Fahrt durch den Tunnel zusammengestellt:

* Genug Sprit im Tank: Jeder zweite Notfall im Tunnel ist auf Fahrzeuge zurückzuführen, die wegen eines leeren Tanks hängen geblieben sind. Vor Einfahrt in den Tunnel daher unbedingt einen Blick auf die Tankanzeige werfen.

* Licht einschalten: Schon vor der Einfahrt muss das Abblendlicht eingeschaltet werden. Autolenker sollten die Sonnenbrille abnehmen und auf Ampelsignale sowie Verkehrsschilder achten.

* Gute Luft im Auto: Alle Fenster schließen und die Lüftung auf Umluft stellen. Auf diese Weise gelangen weniger Schadstoffe in das Wageninnere.

* Abstand halten: Im Tunnel gilt ein Mindestabstand von 50 Metern zum voranfahrenden Fahrzeug. Im Tunnel lässt sich das leicht einhalten, gibt es doch alle 1.000 Meter Haltebuchten, die besonders ausgeleuchtet sind. Auf Höhe der 50 Meter langen Haltebuchten darf sich nur ein Fahrzeug befinden, ansonsten ist der Abstand zum vorderen Fahrzeug zu gering.

* Bei Stau Warnblinkanlage einschalten: Kommt es im Tunnel zu einem Stau, die Warnblinkanlage einschalten und mit ausreichendem Abstand stehen bleiben. Auch in zweiröhrigen Tunnels darf niemals gegen die Fahrtrichtung gefahren werden, außer auf Anweisung der Sicherheitskräfte.

* Pannenbucht benützen: Niemals auf der Fahrbahn anhalten, sondern versuchen, eine Pannenbucht zu erreichen. Wenn nötig, im zweiten Gang den Starter solange betätigen, bis die nächste Pannenbucht erreicht ist. Dort die Motorhaube sofort öffnen, denn oft treten Brände später auf. Bei geschlossenem Motorraum ist die Brandbekämpfung mit einem Feuerlöscher fast unmöglich.

* Hilfe holen: Alle 200 Meter sind Notruftelefone in Nischen untergebracht. Keine Handys verwenden, weil nur die Notruftelefone direkt in den rund um die Uhr besetzten Überwachungszentralen automatisch Alarm schlagen. Nur so kann die Hilfe optimal koordiniert werden.

* Anweisungen beachten: Den Aufforderungen der Tunnelwarte über Lautsprecher oder Radio unbedingt Folge leisten.

* Fluchtwege benützen: Bei Rauchentwicklung sollte man den Tunnel sofort über gekennzeichnete Fluchttüren verlassen. "Ja nicht auf Kinder oder Tiere im Auto vergessen", sagt Matzke. Den Autoschlüssel sollte man stecken lassen.

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ÖAMTC-Pressestelle/Michael Holzinger

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