- 14.05.2004, 20:07:21
- /
- OTS0282 OTW0282
KRIMINALFALL TIROLER LODEN Kärntner Raiffeisen-Bank in Not
"Die Presse" - Ausgabe vom 15.5.2004
Wien (OTS) -
Revision ortet bei RBB St.Veit einen Wertberichtigungsbedarf von neun
Mill. Euro. Gebauer erzielt Etappensieg gegen BKA-Fahnder.
VON SUSANNE KUMMER
UND WERNER BENINGER
INNSBRUCK. Die Verhaftung des Tiroler Loden-Chefs Andreas Gebauer am
6. Dezember 2003 sei rechtswidrig gewesen. Zu diesem Ergebnis sei der
Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) Tirol gekommen, sagte Gebauers
Rechtsanwalt, Markus Orgler, bei einer Pressekonferenz am Freitag.
Gegen Gebauer laufen gerichtliche Voruntersuchungen wegen Verdachts
auf Betrug und Anstiftung zur Brandstiftung.
Die zuständige U-Richterin hatte einen Haftbefehl verweigert. Gefahr
sei keine im Verzug. Dennoch verhafteten Beamte des
Bundeskriminalamtes (BKA) Gebauer am 6. Dezember. Von einem
Journalrichter wurde dann am 9. Dezember die Untersuchungshaft über
Gebauer wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr verhängt. Mit Beschluss
vom 19. Dezember wurde Gebauer wieder enthaftet. Eine Beschwerde
gegen die U-Haft zog Gebauer zurück, wegen der Festnahme zog er aber
vor den UVS - und erhielt nun Recht.
Für Anwalt Orgler ist das UVS-Urteil Munition im Kampf Gebauers gegen
die Ermittler des BKA. Das UVS-Urteil könne, so Orgler, die
Suspendierung der BKA-Fahnder zur Folge haben. Diesen werfen Gebauer
und sein Rechtsvertreter bekanntlich vor, sie würden einen
Kriminalfall konstruieren, damit die Uniqa-Versicherung wegen des
Brandes bei Tiroler Loden im Jahr 2001, der die Produktionshalle
eingeäschert hatte, nicht bezahlen muss. Laut Oberlandesgericht steht
Gebauer in diesem Fall von mutmaßlicher Brandstiftung und
Versicherungsbetrugs sogar unter dringendem Tatverdacht.
Ein Problem dürfte die Causa Tiroler Loden nun für die Hausbank, die
relativ kleine Kärntner Raiffeisen Bezirksbank (RBB) St. Veit,
werden. Laut einem dem Protokoll einer Prüfung durch die Revision der
Kärntner Raiffeisen Landesorganisation vom Dezember hat die Bank
einen Einzelwertberichtigungsbedarf von 8,896 Millionen Euro. Der
Chef der RBB St. Veit, Gerhard Herbst, ist ein Du-Freund Gebauers.
Bei 1,233 Mill. Euro Krediten an die Mutter von Tiroler Loden, die
KTS-Textilholding (dort sitzt Herbst im Aufsichtsrat) und an die
Firma Lorünser-Tuche habe man keine Besicherung. Bei Tiroler Loden
selbst und anderen Firmen Gebauers sei von einem
Wertberichtigungsbedarf von 5,037 Millionen Euro auszugehen. Und für
eine Immobilienfirma im Dunstkreis Gebauers sollten 2,626 Millionen
Euro einzelwertberichtigt werden.
Kreditobergrenze gesprengt
Zudem beträgt die Obergrenze für Kredite an verbundene Kunden bei der
RBB St. Veit nur rund fünf Millionen Euro. In dem der "Presse"
vorliegenden Kreditprüfungsprotokoll geht die Revision aber davon
aus, dass diese Obiligi als Gesamtgruppe zu sehen seien und daher mit
11,117 Millionen mehr als das doppelte der Großveranlagungsgrenze der
Bank betragen.
Herbst wollte die Zahlen nicht bestätigen und sagte, den Prüfbericht
gebe es nur in einem einzigen Exemplar. Und über Zahlen zu sprechen,
verbiete ihm das Bankgeheimnis. Würde das so stimmen, würde er nicht
mehr auf seinem Posten sitzen. Montag ist zu diesem Thema übrigens
eine Sitzung des Solidaritätsfonds der Kärntner Raiffeisenbanken
angesetzt.
OTS0282 2004-05-14/20:07
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR






