- 14.05.2004, 20:07:15
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FACHHOCHSCHULSEKTOR ENTWICKELT SICH POSITIV Bewertung neuer Standorte muss überregional erfolgen
Wien (PK) - In einer Aussprache über aktuelle Fragen aus dem
Arbeitsbereich des Wissenschaftsausschusses diskutierten die
Abgeordneten heute den "Fachhochschulentwicklungs- und
Finanzierungsplan III".
Die Entwicklung auf dem Fachhochschulsektor wurde allgemein als
positiv bewertet. Man war sich auch darüber einig, dass eine zu
große Spezialisierung die Chancen der AbsolventInnen auf dem
Arbeitsmarkt verringern würde und man daher eine Generalisierung
anstreben sollte.
Abgeordnete Petra Bayr (S) wies in ihrer Wortmeldung darauf hin,
dass die AbsolventInnen im Landesdienst schlechter bezahlt würden
als die AkademikerInnen und diese auch große Probleme hätten, an
den Universitäten Lehrende zu finden, die die Doktorarbeiten
betreuen. Berufstätigen, die ein einschlägiges Studium an den
Fachhochschulen gewählt hätten, sollte das Praktikum erlassen
werden, forderte Bayr. Ihrer Ansicht nach sollte es eine
strukturierte Anrechenbarkeit der Vorbildung geben. Bayr sprach
auch die vielen freien Plätze im Bereich Technik und
Naturwissenschaft an und stellte die Frage, ob die
Schwerpunktsetzung hier tatsächlich sinnvoll sei. Sie könne sich
durchaus einen Mix zwischen den Wünschen von Aufnahmewilligen und
inhaltlicher Schwerpunktsetzung vorstellen, sagte sie. Die
Abgeordnete thematisierte weiters die Internationalität der
Fachhochschulen und regte an, mehr Gastprofessoren einzuladen.
Generell wünscht sie sich einen Ausbau der Bundesförderung, da
die Fachhochschulen sowohl bildungspolitisch als auch ökonomisch
von großer Wichtigkeit seien.
Ihr Klubkollege Erwin Niederwieser meinte, das Problem der freien
Studienplätze im technischen Bereich beginne bereits bei den
HTLs, wo es wiederum zu wenig Ausbildungsplätze gebe. Dadurch
gebe es auch zu wenig AnwärterInnen für die technischen
Studienrichtungen. Abgeordnete Carina Felzmann (V) ergänzte, dass
man das Image der technisch-naturwissenschaftlichen Fächer
verändern müsse. Auch fehlten den Mädchen Vorbilder, um verstärkt
in diese Berufszweige einzudringen. Sie hält daher geeignete PR-
Maßnahmen im Schulbereich für notwendig. Ebenso trat Abgeordnete
Elke Achleitner (F) für Maßnahmen zur Frauenförderung im
technischen Ausbildungs- und Berufssektor ein.
Felzmann unterstrich auch, dass man bei der Schaffung neuer
Studienplätze die Arbeitsmarktsituation mit einbeziehen müsse,
sonst schaffe man zusätzlich Arbeitslose. Abgeordneter Alfred
Brader (V) regte an, die Evaluierung zu erweitern und auch der
Frage nachzugehen, was aus den AbsolventInnen geworden ist.
Ausschussvorsitzende Magda Bleckmann (F) vertrat die Auffassung,
das Vorhaben, 33.000 zusätzliche Studienplätze bis 2010 zu
schaffen, sei nochmals zu hinterfragen, um Parallelitäten mit den
Universitäten zu vermeiden. Auch sie unterstrich die
Notwendigkeit, Anträge für neue Standorte einer überregionalen
Bewertung zu unterziehen und die 500 nicht besetzten Plätze in
den technischen Studienrichtungen zum Anlass zu nehmen, hier eine
genauere Prüfung vorzunehmen.
Ähnlich argumentierte Abgeordneter Kurt Grünewald (G), der
vorschlug, sich die Gründe für die offenen Studienplätze genau
anzuschauen und eventuell umzuschichten. Er hielt auch die
massive Schwerpunktsetzung in Bezug auf Technik und
Naturwissenschaften für nicht sinnvoll, da seiner Meinung nach
besonders auf die Ausbildung im Gesundheitsbereich Bedacht
genommen werden müsse. Skeptisch zeigte er sich hinsichtlich des
Bakkalaureats auf Fachhochschulebene und bemerkte, dass
Wirtschaft und Industrie animiert werden sollten, einen größeren
Beitrag für den Fachhochschulbereich zu leisten.
Bundesministerin Elisabeth Gehrer berichtete, dass der
Finanzierungsplan III derzeit fertig gestellt werde.
Grundsätzlich hielt sie fest, dass sie eine komplette inhaltliche
Planung des tertiären Sektors für falsch hält. Notwendig seien
lediglich Ziele und Rahmenbedingungen, innerhalb derer es
autonome Gestaltungsmöglichkeiten gebe. Sie stimmte all jenen zu,
die meinten, dass man beim Bedarf neuer Standorte eine
überregionale Bewertung vornehmen müsse.
In Richtung Abgeordnetem Grünewald stellte sie fest, dass in
Zukunft sowohl naturwissenschaftlich-technische Berufe als auch
Dienstleistungsberufe, wie im Bereich Gesundheit, gefragt sein
werden. Die Ausbildung in den Gesundheitsberufen liege in der
Kompetenz der Länder bzw. der Spitalsverwaltungen, weshalb
etwaige Fachhochschulen für Gesundheitsberufe nicht aus
Bundesmitteln gefördert würden. Auf die Bemerkung der
Abgeordneten Petra Bayr (S), ein unterschiedliches
Finanzierungssystem bei den Fachhochschulen halte sie für
problematisch, meinte Gehrer, dass dies ihrer Meinung nach keine
Rolle spiele, solange die Einheitlichkeit in der Zielvorgabe und
die gegenseitige Anerkennung gegeben seien.
Keinesfalls, so Gehrer, sei das Bakkalaureatsstudium ein billiges
Studium, und keiner werde hineingedrängt.
Zur angewandten Forschung an den Fachhochschulen erläuterte
Gehrer, dass das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und
Technologie 20 Projekte mit 10 Mill. € gefördert habe und man nun
seitens dieses Ressorts eine weitere Förderungsrunde vorbereite.
Die Fachhochschulen arbeiteten eng mit der Industrie zusammen und
mehrere Beispiele zeigten, dass Fachhochschulen Impulsgeber für
die Region seien und sich auch positiv auf die
Arbeitsplatzsituation aufwirkten. (Schluss)
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