"Presse"-Glosse

Das Schweigen der Moscheen

Wien (OTS) - VON Andreas Unterberger

Was ist schlimmer? Die erniedrigenden und gefilmten Folterungen wehrloser, des Terrorismus verdächtiger Gefangener oder die kaltblütige, geradezu rituelle Ermordung eines Mannes vor laufenden Kameras, der offenbar nur einen Fehler hatte, nämlich die falsche Staatsbürgerschaft?
Letztlich ist die heute vielerorts geführte Debatte müßig. Letztlich unterscheiden sich Grauen und Verwerflichkeit nicht wirklich substanziell. Selbst eine rein utilitaristische, also am bloßen Nutzen orientierte Debatte über Grenzbereiche, wo Folter eventuell doch erlaubt sein könnte, führt nicht weit.
Der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn hatte nachgedacht, ob Folter im Kampf gegen Terroristen unter Umständen erlaubt sein könnte, wenn man durch erfolterte Informationen Leben rettet. Er vergisst nur, dass etwa die irakischen Folterungen Anlass neuer Morde sind. Klar ist aber auch, dass die grün-rote Behauptung, Wolffsohn habe damit das Recht auf Lehre verwirkt, noch weniger liberal ist als Wolffsohns Gedanken.
Einen Unterschied zwischen den Kulturen scheint es aber doch zu geben: In den USA gibt es breite Empörung und eine Reihe hoffentlich effizienter Verfahren gegen die Folterer. In der arabischen Welt und in islamischen Moscheen ist von Empörung hingegen nicht viel zu spüren. Obwohl die "Hinrichtung" unter lautstarker Anrufung Allahs erfolgt ist.
Wer schweigt, wird mitschuldig.

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