WirtschaftsBlatt-Kommentar Wer sparen will, muss Jobs abbauen

von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Bitter: Nachdem gestern Kodak und One angekündigt haben, mehrere Hundert Mitarbeiter auf die Strasse zu setzen, ist es heute der Glaserzeuger Pilkington, der zwei Werke schliesst und ein Viertel seiner Belegschaft kündigt.

Besonders bitter: Morgen wird es ein anderes Unternehmen sein, das grossflächigen Jobabbau beschliesst und übermorgen wieder ein anderes.
Die von der Regierung angesagte "grösste Steuerreform aller Zeiten" wird zwar ab 2005 durch die Senkung der Körperschaftsteuer den Betrieben spürbare Linderung bringen und die Konkurrenzfähigkeit des Standortes Österreich verbessern, die Entlastung hat aber einen Pferdefuss: Sie hilft - durch die Senkung der Gewinnsteuer - nur jenen, die auch Gewinne machen.

Unternehmen, die im Vertrauen auf die gültige Rechtslage investiert haben, müssen sogar Nachteile in Kauf nehmen, weil die steuerliche Berücksichtigung von Verlustvorträgen eingeschränkt wird. Und jene, die wegen zu hoher Personalkosten gar keine Aussicht auf Gewinne haben, schauen durch die Finger.

Meldungen à la Kodak, One oder Pilkington werden uns daher auch nach der grossen Steuerreform begleiten. So zurückhaltend können die Gewerkschaften bei den Lohnabschlüssen gar nicht sein - einem Unternehmen, das der internationale Konkurrenzdruck zu Kostensenkungen zwingt, bleibt angesichts der hohen Lohnkosten in Österreich gar nichts übrig, als zu allererst seine Personallisten zu durchforsten.

Lohnverzicht wäre auch keine Lösung: Schliesslich krankt Österreichs - und Europas - Konjunktur ja gerade daran, dass den Arbeitnehmern (und noch viel mehr den Arbeitslosen und Pensionisten) das Geld zum Konsum fehlt. Also muss der Hebel bei den Steuern und Abgaben ansetzen, die die Lohnkosten zusätzlich belasten.

Es ist ja auch wirklich absurd, dass Gemeinden viel Geld und gute Worte aufwenden, um Betriebe und damit Jobs an Land zu ziehen - und dann mit ihrer Kommunalabgabe die Lohnkosten eben dieser Jobs hoch treiben. Es ist auch nicht einzusehen, warum die Wiener U-Bahn oder der geförderte Wohnbau direkt die Löhne belasten müssen.

Die Chance, hier im Zuge der Steuerreform einen Befreiungsschlag zu landen, wurde leider vertan. Die jetzt anlaufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich bieten eine zweite Chance. Hoffentlich wird wenigstens die genützt.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001