Zum 130. Geburtstag von Anna Boschek, Gewerkschafterin und Parlamentarierin

Wien (SK) Anna Boschek, die Pionierin der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, hat die erste Phase der politischen Organisierung von Frauen entscheidend geprägt. Am 14. Mai wäre ihr 130. Geburtstag. ****

Anna Boschek war die erste Gewerkschafterin im Parlament. Obwohl ihr lebenslanges Engagement für die sozial Benachteiligten der Gesellschaft, für Frauen und ArbeiterInnen, deutliche Spuren hinterließ, ist ihr Name fast in Vergessenheit geraten. In bescheidene Verhältnisse als drittes von acht Kindern in Wien geboren, wurde sie schon als Mädchen mit der rauen Realität des Lebens konfrontiert. Als ihr Vater, ein Eisenbahnschlosser, starb, musste die erst Zehnjährige die Schule verlassen, um zum Erhalt der Familie beizutragen. Als Spulerin in der Ottakringer Trikotfabrik lernte Anna Boschek 1891 Maria Krasa kennen. Diese war bereits Mitglied des Arbeiterinnen-Bildungsvereins und überzeugte sie von der Dringlichkeit der Solidarität unter Arbeiterinnen.

Obwohl müde von täglich elfstündiger Fabriksarbeit, besuchte Anna Boschek den Arbeiterinnen-Bildungsverein, wurde Mitglied und trat sowohl der Gewerkschaft als auch der Sozialdemokratischen ArbeiterInnen-Partei bei. Sie entpuppte sich als begabte Rednerin und beim ersten österreichischen Gewerkschaftskongress 1893 erwirkte sie gemeinsam mit Maria Krasa und anderen Delegierten, die Aufnahme von Arbeiterinnen in die Gewerkschaften mit denselben Rechten wie Männer. 1894 wurde sie von Anton Hueber als Angestellte in die Gewerkschaftskommission berufen, wo sie vor allem für die Organisierung der Arbeiterinnen zuständig war. Vierzig Jahre blieb Boschek in der Gewerkschaft.

Zwischen 1918 und 1920 war sie zudem Mitglied des Wiener Sozialdemokratischen Gemeinderates und wurde als eine von sieben Sozialdemokratinnen im Februar 1919 ins Parlament gewählt. Im sozialpolitischen Ausschuss, in dem sie meistens die einzige Frau war, setzte sie sich vor allem für den Achtstundentag, die Einschränkung der Nachtarbeit und eine adäquate Krankenversicherung ein. Bei ihrem Engagement hatten Probleme der Frauen - Boschek leitete nebenbei auch das Frauenreferat der Freien Gewerkschaften -eine hohe Priorität. Sie prangerte die Folgen des unmenschlichen Abtreibungsparagrafen 144 an und kämpfte für die Verbesserung der Gesetze für Heimarbeiterinnen, Hausgehilfinnen und Hebammen.

Nach der Ausschaltung der Demokratie wurde Anna Boschek im Februar 1934 verhaftet und nach ihrer Freilassung unter Polizeiaufsicht gestellt. Aufgrund gesundheitlicher Probleme war sie nach 1945 nicht mehr berufstätig. Sie starb am 19. November 1957 in Wien. (Schluss) up/mm

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