Greenpeace: Risiko-Chemie im menschlichen Blut

Bartenstein muss sich für Verbot gefährlicher Stoffe einsetzen

Wien (OTS) - Greenpeace veröffentlichte heute gemeinsam mit den Künstlern Monica Weinzettl, Eva Marold und Wolfgang Pissecker die Ergebnisse ihrer Blut-Analysen. Das bedenkliche Ergebnis: In allen Proben wurden verschiedene Risiko-Chemikalien nachgewiesen, darunter das seit über 20 Jahren nicht mehr eingesetzte DDT. Das niederländische Spezial-Labor entdeckte auch neue Risiko-Stoffe:
Pestizide, die als Nervengift wirken; hormonell wirksame PVC-Weichmacher; Moschus-Duftstoffe und Flammschutzmittel, deren Gesundheitsauswirkungen sehr schlecht erforscht sind. "Es liegt zwar keine unmittelbare Gesundheitsgefahr vor, dafür sind die Konzentrationen zu gering. Dennoch ist es ein akutes Alarmsignal!" betont Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. "Minister Bartenstein hat bislang ausschließlich die Interessen der Chemie-Industrie vertreten. Es ist höchste Zeit, dass er sich am Montag beim Treffen der EU-Wirtschaftsminister in Brüssel für ein Verbot von Risiko-Chemikalien einsetzt."

Die Schauspielerin Monica Weinzettl - auch bekannt als "Frau Knackal" aus der Serie "MA 2412" - meinte heute bei der Präsentation der Ergebnisse: "Wir alle wollen uns gesund ernähren und fit bleiben. Aber was hilft uns das, wenn wir nicht wissen, welche Umweltgifte wir schleichend aufnehmen? Ich bin eine mündige Konsumentin und habe ein Recht zu wissen, welche bedenklichen Substanzen sich wo verbergen". Musical-Sängerin Eva Marold erklärt: "Mein Interesse war natürlich sehr groß zu erfahren, wie viele Risiko-Stoffe in meinem Organismus nachzuweisen sind. Jetzt kann ich mein Leben gesünder gestalten, indem ich zu Alternativprodukten wechsle." Der Kabarettist und Schauspieler Wolfgang "Fifi" Pissecker ergänzt: "Wenn es um die Belastung durch Risiko-Chemie geht, sind der Verantwortung des Einzelnen klare Grenzen gesetzt". Von der Politik erwartet sich Pissecker, "dass sie dafür sorgt, dass wir nicht bewusst diesen schädlichen Substanzen ausgeliefert sind."

Der Umweltmediziner Dr. Hans-Peter Hutter, mit dem gemeinsam die Bluttests durchgeführt wurden, sieht dringenden Handlungsbedarf: "Aus medizinischer Sicht braucht man bei den gefundenen Konzentrationen keine konkreten Krankheiten befürchten. Das Vorhandensein von vielen Chemikalien im Körper stellt aber eine zusätzliche Belastung dar. Der Körper kann empfindlicher für Krankheiten werden. Problematisch ist auch, dass über Stoffe, wie etwa die getesteten Flammschutzmittel, kaum Daten verfügbar sind. Trotzdem gibt es keinen Grund zur Panik." Bei der Auswertung der Ergebnisse ist der Umweltmediziner auf ein besonderes Detail gestoßen: Die Konzentration an Moschus-Duftstoffen im Blut der Künstler ist deutlich höher als im Blut des ebenfalls getesteten Greenpeace-Geschäftsführers Bernhard Drumel. Dies ist vermutlich auf die berufsbedingte Kosmetika-Belastung zurückzuführen.

Für den EU-Wettbewerbsrat am Montag, 17. Mai, erwartet sich Greenpeace von Minister Bartenstein bei der Diskussion für die neue EU-Chemikalienpolitik, kurz REACH (Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) ein klares Abweichen von seinem bisherigen Pro-Chemie-Industrie-Kurs. Hauptforderung von Greenpeace ist die Zustimmung aller Wirtschaftsminister zum so genannten Substitutionsprinzip: Gefährliche Chemikalien sollen automatisch verboten werden, wenn eine sicherere und wirtschaftlich machbare Alternative zur Verfügung steht.

Greenpeace-Hotline zur Risiko-Chemie: 0662-657777 (Mo-Fr 8:30-17 Uhr)

Informationen im Internet unter
http://www.greenpeace.at/umweltgifte.html

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Ingeborg Zechmann, Pressesprecherin, 0676-5365313
DI Herwig Schuster, Greenpeace-Chemiker, 01-5454580-41 oder 0664-4319214
DI Dr. Hans-Peter Hutter, 01-4277-64727

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