Gesundheitspolitik: Eindringliche Warnung des Ärztepräsidenten

Brettenthaler: Politik wendet sich von Kranken ab - Zentralisierung führt zu Kahlschlag in Gesundheitsversorgung

Wien (OTS) - Mit Empörung reagierte heute der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Reiner Brettenthaler, auf eine Meinung der Chefin des Bundesinstitutes für Gesundheitswesen (ÖBIG), Michaela Moritz, wonach niedergelassene Fachärzte im künftigen Gesundheitssystem keinen Platz mehr hätten. "Die Umsetzung dieses Planes und die Konzentration der Versorgung durch Fachärzte in den Spitälern kommen einem Kahlschlag der wohnortnahen medizinischen Versorgung gleich", sagte Brettenthaler Donnerstag in einer Aussendung. Moritz hatte Mittwoch auf einem Kongress die Ansicht vertreten, Facharztpraxen seien "nicht das Konzept der Zukunft". Der ÖÄK-Präsident forderte nunmehr Bundesministerin Maria Rauch-Kallat auf, sich umgehend und mit allem Nachdruck von diesen Vorstellungen zu distanzieren.

Mit diesem Vorstoß habe Moritz unter Beweis gestellt, dass sogenannte Experten für die tatsächlichen, täglichen Erfordernisse einer zeitgemäßen medizinischen Betreuung wegen eines geradezu "monoman übertriebenen Selbstwertgefühles" keinerlei Verständnis aufbringen könnten. Brettenthaler: "Von den Bedürfnissen der Patienten besteht offensichtlich nicht die geringste Ahnung. Entrückte Zahlenspielereien und abgehobenes Theoretisieren führen zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Bevölkerung." Auch die bisherige Analyse der sogenannten Gesundheitsagenturen gehe nach Ansicht des ÖÄK-Präsidenten genau in die Richtung, die Moritz und auch der Gesundheitsökonom Christian Köck aufgezeigt hätten, nämlich zur Vernichtung der niedergelassenen Fachärzte.

Der Ärztechef äußerte im Zusammenhang mit diesem Vorstoß den Verdacht einer "regierungs-gelenkten Aktion". Moritz und andere Exponenten seien rücksichtslos auf eine Ökonomisierung der Gesundheitspolitik aus, welche die soziale Komponente zunehmend aus den Augen verliere, so Brettenthaler. Sollte es der Gesundheitsministerin nicht gelingen, glaubwürdig zu versichern, dass es sich hier um einen Einzelgang handle, so sei zu befürchten, dass die Gesundheitspolitik den Weg der verbrannten Erde gehe.

"Alles, was wir in letzter Zeit zur Sicherung der Gesundheitsversorgung hören, konzentriert sich auf das Sparen, Zentralisieren und Verstaatlichen. Von den Patienten und ihren Anliegen ist überhaupt nicht mehr die Rede", so Brettenthaler. Der Ärztechef warnte abschließend eindringlich davor, "die Gesundheitsreform auf die Grundlage der Entsolidarisierung und der Abkehr von den Bedürfnissen der Kranken zu stellen".

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